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Museumsmodell für das Kulturforum.

Architektur

Mehr Licht für die Scheune

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Die Architekten Herzog / de Meuron stellen ihre Änderungen für ihr Museum des 20. Jahrhunderts am Berliner Kulturforum vor.

Die Redewendung vom großen Wurf wurde am Dienstagvormittag mehrfach verwendet, als die Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron ihre umfangreichen Umplanungen für das Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum im Berliner Musikinstrumentenmuseum vorstellten. Die für ihre spektakulären Bauten (die Elbphilharmonie in Hamburg oder die Allianz-Arena in München) bekannten Architekten waren 2016 mit ihrem von den Berlinern schnell als „Scheune“ titulierten Entwurf als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen, der die Gemüter auch in der Nachfolgezeit erhitzte.

Was für die einen wie ein vom Himmel gefallener archaischer Klotz wirkte, der die architektonischen Solitäre wie August Stülers Matthäikirche, Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie und Hans Scharouns Gebäudeensemble rund um die Philharmonie in ihrer Einzigartigkeit bedrängte, stellte für andere einen mutigen Bruch dar, der dem zuletzt zunehmend verwaisten Kulturforum zu neuer Vitalität verhelfe.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) äußerte sich sichtlich angetan. „Das Gebäude wird eine große städtebauliche Wirkung entfalten und sich zwischen den Solitären behaupten“, so Grütters. „Vor allem aber wird es in seiner Funktionalität wirken, denn die Kunstwerke bekommen eine exklusive Bleibe, die die Kunstschätze des 20. Jahrhunderts neu und eindrucksvoll inszeniert.“ Mit geschmeidigen Worten überging Grütters dabei die Frage nach den mutmaßlich gestiegenen Kosten, die laut einer Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ vom Dienstag von 200 Millionen Euro, die im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ermittelt worden waren, auf über 400 Millionen Euro anwachsen dürften. 

Grütters dementierte nicht, versprach aber, bis zum Sommer 2019 nach Abschluss der sogenannten Leistungsphase 3 eine seriöse Kostenplanung vorzulegen, in der „die Risiken des öffentlichen Bauens“ berücksichtigt seien. Sie befinde sich mit der Kostenplanung in enger Abstimmung mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der als Hamburger Bürgermeister hinreichend Erfahrungen mit ambitionierten Kulturvorhaben („Elbphilharmonie“) gemacht habe.

Der Grundriss wurde gegenüber dem ersten Entwurf deutlich verkleinert, der Abstand zur Matthäikirche etwa wuchs von acht auf 14 Meter an. Um die Ausstellungsfläche von insgesamt 9000 Quadratmetern aber nicht zu verringern, hat man sich entschlossen, in die Tiefe zu gehen, ein Grund für die Mehrkosten. 

Udo Kittelmann, der als Direktor der Nationalgalerie die Planungsänderungen in enger Zusammenarbeit mit den Architekten abgestimmt hat, sprach von sich radikal wandelnden Bedürfnissen des Museums als öffentlicher Raum, denen „die Scheune“ eindrucksvoll entspreche. Aus einer Schachtel mit Dach sei nun ein Bau mit Charakter geworden, der seinen eigenen Herzschlag mitbringe.

Weniger pathetisch gesprochen, geht es gegenüber dem zuvor als dunkle Halle empfundenen Entwurf um ein furioses Spiel mit Licht, für das die Architekten zahlreiche Einlässe geschaffen haben. Durch eine perforierte Decke soll Tageslicht herein, und was früher einmal schnöde als Fenster und Türen bezeichnet wurde, soll nun in Gestalt von verschiebbaren Wänden, so Jacques Herzog, eine Geste des Öffnens signalisieren. Das gilt dann auch für außen angebrachte Metallplatten, in denen sich die Nachbargebäude, etwa die Neue Nationalgalerie spiegeln sollen. Funktionalität und Symbolik fallen hier auf beinahe kameradschaftliche Weise zusammen.

Die Unterscheidung von Innen und Außen soll je nach Bedarf offengehalten werden. Herzog sprach dabei von einem nach außen gestülpten Innenraum. Einer der Kritikpunkte an dem ursprünglichen Entwurf bestand nicht zuletzt darin, dass die Scheune entlang der Potsdamer Straße wie ein kaum zu überwindendes Hindernis wirkte. Nun soll alles derart in Fluss geraten, dass sich die Passanten geradezu zum Betreten auffordert sehen. Und abends ist am Kulturforum noch lange nicht Schluss. Die Strahlkraft des regen Innenlebens, so denken es sich die Architekten, möge als Leuchtskulptur auch nach außen wirken.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger, schloss beseelt: „Mit dem heutigen Tag sind wir unserem Ziel, einen neuen, herausragenden Ort für die Kunst des 20. Jahrhunderts zu schaffen, einen wichtigen Schritt nähergekommen.“ 

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