Staatstheater und Bausch-Archiv

Mehr Kultur für Nordrhein-Westfalen

Eine Expertenkommission hat einen Ideenkatalog entwickelt, um die Kultur in Nordrhein-Westfalen stärken. Kosten: 50 Millionen Euro.

Düsseldorf (dpa) - Die Aufwertung der Bühnen in Köln und Essen zu Staatstheatern, die Einrichtung eines Pina-Bausch-Tanzarchivs oder die zehnfache Erhöhung der Ankaufsetats für die Museen: Mit einer ganzen Palette von Ideen möchte eine Expertenkommission die Kultur in NRW stärken.

Die Realisierung dieses Katalogs mit 20 konkreten Vorschlägen und 10 Empfehlungen an die Kulturpolitik des Landes werde im ersten Jahr "als Daumenkalkulation" wohl rund 50 Millionen Euro kosten. Dies sagte der Kommissionsvorsitzende Heinz Dürr bei der Übergabe des Ideenpapiers an Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in Düsseldorf. Gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes seien das akzeptable Beträge, meinte der frühere Bahn-Chef.

Die 80 Seiten umfassende Ideenliste enthalte "viele, viele hochinteressante Vorschläge", sagte Rüttgers bei der Entgegennahme der von zehn nicht in NRW lebenden Kulturkennern seit vergangenem November erarbeiteten Broschüre. Zu den Kommissionsmitgliedern gehörten unter anderem der Hamburger Kunstsammler Harald Falckenberg und der Münchner Kammerspiel-Intendant Frank Baumbauer.

Das unabhängige Gremium, das nach eigenem Bekunden nur vorschlagen und nichts Bestehendes bewerten wollte, war von Landesregierung und NRW-Kunststiftung einberufen worden, um Schritte zur nationalen wie internationalen Profilierung der Kulturregion zwischen Rhein und Weser zu erarbeiten. Er erwarte nun - trotz der beginnenden Sommerferien - eine fruchtbare Diskussion um das Papier, betonte Rüttgers.

Das Papier wecke in der Kulturszene "viele Begehrlichkeiten und stellt das Land vor viele Herausforderungen", meinte der kulturpolitische Sprecher der Grünen im NRW-Landtag, Oliver Keymis. Fraglich sei, ob die Landesregierung diese vielen Wünsche dann auch befriedigen könne, sagte der Landtags-Vizepräsident im Gespräch mit der dpa. Es sei "für alle schade, dass diese großen Pläne in der Sommerpause präsentiert werden".

Die Umwandlung der Kölner Bühnen sowie von Oper, Ballett und Schauspiel in Essen zu zwei von Land und Kommunen gemeinsam getragenen Staatstheatern solle sich NRW je 4 und 5 Millionen Euro jährlich kosten lassen, meinten die Ideen-Lieferanten. Dies gehöre zu den Punkten, "bei denen ich zuerst mal geschluckt habe", bekannte Rüttgers. Zusätzlich soll laut Ideenpapier auch die Förderung der anderen Kommunaltheater ab 2010 im Land deutlich angehoben werden.

Das Kölner Gürzenich-Orchester solle künftig den Part einer kräftig vom Land geförderten "Staatsphilharmonie" spielen. "Von zusätzlichen Landesmitteln würden alle profitieren: das Land, die Region, die Stadt und nicht zuletzt das Orchester, das damit künstlerische Ziele formulieren könnte, die den jetzt eingeschlagenen Weg konsequent weiterführen", freute sich der Kölner Generalmusikdirektor und Gürzenich-Kapellmeister Markus Stenz. Er hoffe, "dass es gelingt, diesen Vorschlag möglichst bald zu konkretisieren und in die Tat umzusetzen".

Im Bereich Film sollten die konkurrierenden Internationale Filmschule und die Medienhochschule in Köln zusammengelegt werden; bei der Literatur könne ein Zentrum und ein Festival neu geschaffen werden. Eine "zentrale Koordinierungsstelle" solle die "Partnerschaft" zwischen Kultur und Medien im Land verbessern und "Kulturschaffenden" mehr Kleinkredite zur Verfügung stehen.

Um der grassierenden "Eventkultur" von spektakulären Wechselausstellungen entgegenzuwirken, müsse die Landesregierung den Ankaufsetat der Museen von bisher jährlich einer Million Euro auf das Zehnfache aufstocken, sagte der Hamburger Sammler Falckenberg. Die Empfehlung, das mit der Landesregierung zerstrittene Beuys-Zentrum vom Niederrhein nach Düsseldorf zu verlegen, lehnte Rüttgers spontan ab, "sonst hab' ich wieder wochenlang Arbeit."

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