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Mark Feldman.
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Mark Feldman.

Jazz & Violine

Mark Feldman „Sounding Point“: Ein Spielplatz für die Geige

  • VonHans-Jürgen Linke
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Hören und Staunen: Mark Feldmans Violine-Solo-Album „Sounding Point“.

Natürlich gibt es im Jazz einige Geiger, die zur Legende geworden sind. In der Regel haben sie sich in einem relativ klar abgegrenzten idiomatischen Bereich bewegt, in den Ausläufern des Hot Club de France etwa oder in den Einflusszonen des Blues oder haben sich mit elaborierten Techniken in Sphären des Rockjazz herumgetrieben.

Mark Feldman ist seit je in anderen Regionen unterwegs. Er hat in einigen der nachhaltigsten Formationen der improvisierenden New Yorker Avantgarde mitgearbeitet, er ist vertraut mit allem, was die E-Avantgarde der letzten Jahrzehnte an Klangerzeugungs- und Spieltechniken sowie an kompositorischen Umgangsweisen damit entwickelt hat. Und er ist in diesem – von Abstraktionen umstellten – Umfeld immer ein kreativer und spontaner Improvisator geblieben. „Sounding Point“ ist gleichwohl erst sein zweites Solo-Album; das erste erschien vor gut einem Vierteljahrhundert bei John Zorns Label Tzadik.

Es scheint Feldman in erster Linie um eine Rundum-Sichtung zu gehen und um die Frage, wo die Geige im zeitgenössischen Jazz angekommen ist: Ist sie immer noch ein Fremd-Klangkörper, weil ihr etwa die dramatischen und physischen Ausdrucksmöglichkeiten der Blasinstrumente fehlen? Oder ist die improvisierte Musik inzwischen so universal, dass auch die Geige darin ihre Heimat gefunden hat?

Das Album:

Mark Feldman: Sounding Point. Intakt Records, Harmonia Mundi.

Feldmans Antworten sind klar und fallen enorm reichhaltig aus. In seinem Grenzgang zwischen Virtuosität und Spontaneität formt sich eine eigene Klang-Welt. Nur an wenigen Stellen – etwa in einem Stück, das noch am stärksten von der Jazz-Tradition beeinflusst scheint, Ornette Colemans „Peace Warriors“ – arbeitet Feldman mit Overdubs, die ihn mit sich selbst spielen lassen.

Klangwelt aus vier Saiten

Sonst ist er meist allein. Das Eröffnungs-Stück ist eine Komposition seiner langjährigen Partnerin, der Schweizer Pianistin Sylvie Courvoisier, alle anderen Stücke stammen von ihm selbst und ziehen keine künstlichen Grenzen zwischen Entstehungsweisen aus kompositorischen oder improvisatorischen Arbeitsweisen. Es geht, wie der Titel andeutet, immer um Klang. Und es geht darum zu beweisen, dass auch die vier Saiten und der Bogen nicht nur einen bestimmten Tonraum ausmessen, sondern auch eine überaus weiträumige Klang-Welt erschließen.

Feldman schöpft aus einem geradezu unergründlich großen Reservoir an Spieltechniken. Er tut das mit präzisen dynamischen Abstufungen und Plötzlichkeiten, er spielt mit herkömmlichen Virtuosen-Kunststückchen und rasenden Arpeggien-Zaubereien, und nirgends geht es nur um die Demonstration von Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern immer um den klingenden Augenblick und Möglichkeiten seiner weiteren Verarbeitung. Und darum, der Geige einen weiten Spiel-Platz aufzuzeigen, den sie in diesem Umfang bisher nicht zur Verfügung hatte. Nicht, weil es den Geigern an Fertigkeiten gefehlt hätte, sondern weil sie mit ihren Fertigkeiten vielleicht nicht so rückhaltlos und intensiv am Parameter des Klangs gearbeitet haben wie Mark Feldman das hier tut.

Insofern ist „Sounding Point“ nicht nur eine Art Meilenstein für die neuere Klang-Geschichte der Geige, sondern auch ein großes Hörvergnügen für alle, die beim Hören nicht nur analysieren, sondern gern auch staunen.

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