Mario Frank räumt den Chefsessel

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Matthias Schmolz wird Spiegel-Geschäftsführer

Die Aufräumarbeiten beim Spiegel gehen weiter: Nach Chefredakteur Stefan Aust muss nun auch der Geschäftsführer Mario Frank seinen Posten beim Hamburger Nachrichtenmagazin räumen. Matthias Schmolz, bisher sein Stellvertreter, wird die Nachfolge antreten. Schmolz gilt als ein ausgesprochen ruhiger und umsichtiger Zeitgenosse, ganz anders als Frank, dem immer wieder sein "autistischer und cholerischer" Führungsstil vorgeworfen wurde. Zu hören war auch, dass Frank sich mit der besonderen Hauskultur beim Spiegel, vor allem, was den Umgang mit den Mitarbeitern und ihre Mitspracherechte angeht, nicht so recht anfreunden wollte.

Das könnte nun den Ausschlag gegeben haben: Bereits am Freitag sprach der Haupteigentümer des Spiegel-Verlages, die Mitarbeiter KG, Frank sein Misstrauen aus. Zwar hatte der Spiegel-Minderheitengesellschafter Gruner und Jahr am selben Tag noch verlauten lassen: "Mario Frank genießt unser Vertrauen. Er ist Geschäftsführer des Spiegel-Verlags." Doch Frank, der von Gruner und Jahr zum Spiegel gekommen war, galt den auf ihre Autonomie bedachten Mitarbeitern seit jeher als suspekt. Außerdem wurde ihm einiges Ungeschick bei der sich über Monate hinziehenden Trennung von Aust vorgeworfen. Das Debakel bei der versuchten Teilübernahme der Financial Times Deutschland hatte er ebenfalls zu verantworten.

Im Kreis der fünf Geschäftsführer der Mitarbeiter KG gab nun ihr Sprecher, Armin Mahler, den Ausschlag: In dem Gremium fehlte es bislang an einer klaren Mehrheit für die Demission - solange, bis Mahler jetzt die Seiten wechselte und sich das Verhältnis gegen Frank damit auf 4:1 änderte. Noch im Januar hatte Frank versucht, sich vor der Belegschaft als "Mann der Mitarbeiter KG" zu profilieren und die "einzigartige Unternehmensidentität" des Spiegels gelobt. Doch zu spät. Man habe ihn, wie es heißt, noch gebraucht, um Aust loszuwerden. Danach aber hätte es keine Verwendung mehr für ihn gegeben.

Mit Matthias Schmolz tritt ein echtes Hausgewächs des Spiegels die Nachfolge an. Der 44-Jährige verdiente sich seine ersten Meriten als Dokumentationsjournalist in dem berühmten wie berüchtigten Spiegel-Archiv. Danach wurde Schmolz Produktmanager für Spiegel Online, schließlich Verlagssprecher, und war seit Beginn 2003 Verlagsleiter. Als Geschäftsführer ist er nun die letzte Führungspersonalie beim Spiegel, die hausintern geregelt wurde. Damit könnte in Hamburg eine neue Zeit losbrechen: keine Sündenböcke, sondern Konzentration aufs publizistische Kerngeschäft.

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