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Marina Hoppmanns „Mothers and Daughters“: Von Frauen, die jung ihre Mütter verloren haben

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Von: Moritz Serif

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Marina Hoppmann in ihrem Atelier.
Marina Hoppmann in ihrem Atelier. © Marina Hoppmann

Als Marina Hoppmanns Mutter stirbt, ist die heutige Künstlerin 17 Jahre alt. Ihre Fotoreihe „Mothers and Daughters“ macht Mutter-Tochter-Beziehungen sichtbar.

Berlin - Endlich Sommer! Unweit der Admiralbrück treffen wir uns vor einer Kreuzberger Weinbar. An der grün gestrichenen Wand des Lokals wächst eine Weinrebe. Die Straße ist sehr belebt. Nebenan lädt eine Allee zum Spazieren ein. Viele Berlinerinnen und Berliner würden gerne im Graefekiez wohnen. Marina Hoppmann, Künstlerin und Fotografin sowie Protagonistin dieses Porträts, grüßt herzlich: „Hallo, ich bin Marina!“

Wir bestellen einen Wein und ein Bier. Der Riesling ist sehr trocken, hat aber ein erfrischendes Aroma. Marina trägt ein weißes T-Shirt und eine gelbe Haarspange. Nebenan gebe es leckere Paninis, versichert sie. Für eines ihrer Werke, eine Fotoreihe namens „Mothers and Daughters“, hat die 30-jährige Künstlerin Frauen fotografiert, die in jungen Jahren ihre Mütter verloren haben. 

Hoppmann ist das Gleiche widerfahren. „Meine Mutter ist vor dreizehn Jahren gestorben, als ich noch 17 Jahre alt war“, sagt sie. „Ich habe schon oft Fotostrecken über Mutter-Tochter-Beziehungen gesehen und dachte mir, dass ich so etwas auch machen möchte“, sagt sie. Diese Beziehungen würden durch „Mothers and Daughters“ sichtbar werden. 

„Direkt ganz schön deep unser Gesprächseinstieg“

Genauso wie Trauer, die in unserer Gesellschaft ein Tabu ist, bemerke ich.

Marina nickt. „Direkt ganz schön deep unser Gesprächseinstieg, aber das ist auch okay so. In der deutschen Gesellschaft hat Trauer nicht viel Platz. Es gibt wenige Rituale und langanhaltende Trauer stößt oft auf Irritation“, sagt sie. In Kontakt kam sie mit ihren Foto-Modells unter anderem über Instagram.

Eine Frau habe immer wieder Fotos von ihrer verstorbenen Mutter geteilt. Daraufhin schrieb Marina ihr eine Nachricht und fragte, ob sie von ihr ein Foto für „Mothers and Daughters“ schießen könne. Sie willigte ein. Auch bei Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, die ihre Mutter verloren hatten, meldete sie sich. Alle Frauen tragen Kleidungsstücke ihrer Mutter, sodass eine Art gemeinsames Porträt entsteht.

Ihre Kontakte hätten positiv reagiert. „Ich finde die Vorstellung komisch, dass man nur die Zeit damals zusammen hatte“, erzählt die Fotografin. Ihre Mutter habe lediglich ihr 17-jähriges, pubertierendes Ich gekannt. Dann macht Hoppmann eine kurze Pause - währenddessen spaziert ein Pärchen an uns vorbei.

„Ich habe jedoch das Urvertrauen“

„Ich habe jedoch das Urvertrauen, dass sie weiß, wer ich jetzt bin. Das gibt mir ein schönes Gefühl“, ergänzt sie lächelnd. Marina kommt übrigens aus Köln und ist in einem handwerklich geprägten Haushalt groß geworden. Ihre Mutter war Möbelrestaurateurin und ihr Papa stellt Holzblasinstrumente her. 

„Das hat meinen Bruder und mich von klein auf beeinflusst. Wir haben viel in der Werkstatt gebastelt“, sagt Hoppmann. Nach dem Studium absolvierte sie einige Praktika in Berlin, wusste allerdings nicht so recht, wie es weitergehen solle. Doch Fotografie, das war schon immer ihr Ding. Nach einem Orientierungsjahr in Zürich bewarb sie sich schließlich an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

„Die HfG ist sehr frei. Studierende können in einem Semester Malerei studieren, im nächsten Foto, Grafik oder auch Ton“, erzählt Marina. Sie selbst habe bei Eike König Fotografie studiert, obwohl dieser grundsätzlich Grafikdesign lehre. Bereits während des Studiums begann Hoppmann damit, ihre Werke zu posten und hatte somit einen regelmäßigen Output. Dann kam eins zum anderen.

Der erste große Auftrag

„Mein Freund arbeitet im Plank. Dort habe ich Oliver Hafenbauer und Michael Satter kennengelernt. Dadurch entstand der Kontakt zum Robert Johnson und ich durfte eine Fotoserie, die als Posterreihe für den Club erschien, in Zusammenarbeit mit den beiden entwerfen“, verrät sie. Das sei ihr erster großer Auftrag gewesen. Und das bereits im dritten Semester. Wow. Marina lächelt zufrieden.

Doch als die Professorin, bei der sie hauptsächlich studierte, die HfG verließ, beschloss Hoppmann ein Auslandssemester in den Niederlanden zu absolvieren. Dort sei das Studium sehr fordernd gewesen - alle hätten stets abgeliefert. „Das war neu für mich. In den Niederlanden wollten sie etwas Persönliches und die Künstler:innen in der Kunst sehen“, sagt Marina. Sie habe lange Zeit eher fiktional und experimentell gearbeitet.

„Erst durch mein Auslandssemester in den Niederlanden wurde meine Arbeit persönlicher und dokumentarischer. Das hat mehr in mir hervorgebracht“, ergänzt sie. Während der Corona-Pandemie habe sie außerdem „BETTER TOGETHER“ ins Leben gerufen. „Dort können Künstler:innen ihre Werke verkaufen, am besten allerdings nicht zu teuer, damit sie für junge Menschen noch erschwinglich sind. 70 Prozent von dem Geld wird gespendet und 30 Prozent geht an die Künstler:innen“.

„Ich würde gerne eine der Frauen begleiten, wie sie Mutter wird“

Auch in Zukunft steht noch einiges für Marina an. Sie wolle sich noch weiter mit „Mothers and Daughters“ auseinandersetzen. „Ich würde gerne eine der Frauen begleiten, wie sie Mutter wird. Oder dokumentieren, wie ich Mutter werde“, sag sie. Aktuell arbeitet Hoppmann übrigens an einem Projekt über Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Wie ihre Mama. (Moritz Serif)

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