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Hat die Rückendeckung prominenter ZDF-Mitarbeiter: Nikolaus Brender.
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Hat die Rückendeckung prominenter ZDF-Mitarbeiter: Nikolaus Brender.

ZDF-Chefredakteur

Machtspiel um Brenders Zukunft

Die Souveränität in der Bredouille: Die Staatsferne eines öffentlich-rechtlichen Senders wird gerade gewaltig auf die Probe gestellt. Von Daniel Bouhs

Von DANIEL BOUHS

Es hat seinen Grund, warum wir ARD und ZDF nicht aus Steuergeld finanzieren, sondern über das oft naiv belächelte Modell des Gebühreneinzugs. Und es hat sich jemand etwas dabei gedacht, ARD und ZDF als "Anstalten des öffentlichen Rechts" zu gründen, statt sie als Außenstellen eines Ministeriums hochzuziehen. Das Prinzip, das über alledem steht, heißt Staatsferne. Sie soll garantieren, dass unsere von der Allgemeinheit finanzierten Kanäle nicht von den Regierenden vereinnahmt werden. Das Problem ist nur: Diese hehren Ziele werden gerade gewaltig auf die Probe gestellt.

Am 27. März will der Verwaltungsrat über die Personalie Nikolaus Brender befinden. Sein Intendant, Markus Schächter, hat bereits mitgeteilt, er werde Brender für eine weitere Amtszeit vorschlagen. Hört sich nach einem routinierten Vorgang an? Im Gegenteil! Im Verwaltungsrat, der über die Top-Jobs ebenso wacht wie über den in diesem Jahr 2,048 Milliarden Euro schweren Etat des Mainzer Senders, sitzen 14 Mitglieder. Sechs davon kommen aus der Politik. Das Gremium tagt hinter verschlossenen Türen.

Bereits seit gut einem Jahr kursiert auf den Fluren des ZDF das Gerücht, Brender habe das Vertrauen im CDU-Lager des Verwaltungsrates verloren. Und weil gerade aus Medienhäusern gerne etwas nach draußen durchgestochen wird, wird die Personalie jetzt öffentlich diskutiert. Kolportiert wird, die CDU wolle einen ihr genehmen Chefredakteur installieren. Der Name Peter Hahne ist etwa im Ring, einst Politikchef des Saarländischen Rundfunks, dann Moderator von "heute" und jetzt stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios. Einen Presseartikel, der bei der Internetsuche nach "Peter Hahne CDU" an erster Stelle stand und ihm Nähe zu den Christdemokraten nachsagte, hat er erst vor kurzem von seiner Internetseite gelöscht.

Am Wochenende veröffentlichten 14 ranghohe Journalisten, die seit Jahren unter Brender arbeiten, einen offenen Brief. Darin sprachen sie von Widerständen ihres Verwaltungsrats gegen eine Verlängerung Brenders. Von einer "gefährlichen Einmischung der politischen Parteien in die Souveränität unseres Hauses" ist die Rede. Die Solidaritätsbekundung haben unter anderem die Moderatoren Maybrit Illner und Claus Kleber unterschrieben.

Beide sind unter Brender richtig groß geworden. Aber auch viele Redaktionsleiter, Menschen aus der zweiten Reihe, haben ihre Signatur unter den Brief gesetzt. Darin steht auch die Mahnung: "Gerade im Jahr der Bundestagswahl ist Distanz zu den Parteien unverzichtbar, um die Glaubwürdigkeit der journalistischen Leistungen im ZDF nicht in Verruf zu bringen und unsere Unabhängigkeit zu bewahren."

Gestern äußerte sich nun der Mann, dem nachgesagt wird, Rädelsführer einer Anti-Brender-Politik zu sein: der hessische Ministerpräsident Roland Koch. In der FAZ sagte er, parteipolitische Zusammenhänge spielten in der aktuellen Debatte keine Rolle. Vielmehr gehe es um die Frage, wie sich die Informationssparte des ZDF entwickelt habe und darum, wie das "innere Klima in den Redaktionen" sei. "Oder", fragte Koch, "besteht die Möglichkeit, durch eine andere Leitung neue Impulse zu setzen?" Die Fakten, sagte Koch, seien "sehr bitter". Die "heute"-Sendung sei etwa erstmals von RTL aktuell überholt worden. Das habe sich vor fünf Jahren, als Brender zum ersten Mal verlängert wurde, "sicher kein Mitarbeiter des ZDF vorstellen können".

Das wirkt hart, ist aber nicht richtig: Roland Koch hat die Quote zu seinen Gunsten ausgelegt. Hätte er die Zuschauer von 3sat dazugerechnet, wo die 19-Uhr-"heute"-Sendung durchgeschaltet wird, hätte er erkannt: "heute" liegt nach wie vor vor der privaten Konkurrenz. Ganz so schlimm ist das mit dem Abwandern der Zuschauer also nicht. Manches Programm, das Brender verantwortet, bietet aber tatsächlich Anlass zur Diskussion. Da ist "Hallo Deutschland", das als Ländermagazin startete, inzwischen aber von Unfällen, Hausbränden und anderen Dramatisierungen von Schicksalsschlägen lebt. Und da ist der Unmut unter den Auslandskorrespondenten, die angesichts der Verlagerung des "Auslandsjournals" in den Spätabend davon sprechen, Reportagen aus aller Welt seien "nur noch selten prime-time-fähig".

Aber Brender steht auch für die "positive Entwicklung des ZDF", um die es Koch nach eigenen Worten im Kern gehe. Brender hat "Frontal 21" etabliert, das zwischenzeitlich sogar das erfolgreichste Politmagazin war. Brender sorgt zudem dafür, dass immer wieder aufwändig recherchierte Dokumentationen im Programm landen ("Das Pharma-Kartell", "Mission Gold"). Nikolaus Brender steht außerdem wie kein anderer Programmmacher für Kritikfähigkeit im Sportjournalismus, traut sich gar mit Vertragspartnern wie zuletzt mit Box-Veranstaltern im eigenen Programm hart ins Gericht zu gehen. Und auch wenn der Führungsstil des Chefredakteurs, der früher Auslandschef des WDR war, schon mal umstritten ist: Er gilt als unabhängiger Journalist, der sich parteilpolitisch nicht instrumentalisieren lässt.

Dass genau das zu seinem Problem werden könnte, mutet grotesk an. Jedenfalls tobt der Streit um seine Personalie weiter. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wirft der Union parteipolitischmotivierte Machtspiele vor. Die Bedenken, die von Unions-Seite gegen Brenders Arbeit vorgebracht würden, seien "konstruiert" und "vorgeschoben", sagte Beck, der zugleich Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats ist, am Mittwoch in Mainz. Für eine Nichtverlängerung von Brenders Vertrag gebe es "keinen triftigen Grund, außer einem Machtspiel".

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