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Die Schriftstellerin Joan Didion 2005 in ihrer New Yorker Wohnung. Die US-amerikanische Schriftstellerin Joan Didion ist im Alter von 87 Jahren in New York gestorben.
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Die Schriftstellerin Joan Didion 2005 in ihrer New Yorker Wohnung. Die US-amerikanische Schriftstellerin Joan Didion ist im Alter von 87 Jahren in New York gestorben.

Nachruf

Zum Tod von Joan Didion: Ihre Sätze zischen wie Messer durch die Luft

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Ihre Texte brachten die amerikanischen Verhältnisse auf den Punkt: Joan Didion ist mit 87 Jahren gestorben.

In den 70er Jahren hielt die US-amerikanische Schriftstellerin Joan Didion eine Rede an der University of California in Los Angeles. „Ich sage euch nicht, macht die Welt besser“, sagte sie. „Ich glaube, Fortschritt ist nicht Teil der Abmachung. Ich sage euch nur: lebt in ihr. (...) Und wenn ihr mich fragt, warum man sich damit herumschlagen soll, würde ich euch sagen, dass das Grab ein guter und abgelegener Ort ist, aber niemand, glaube ich, wird dort umarmt.“

Unaufgeregt veranschaulicht das, was Joan Didions Schreiben so anziehend gemacht hat. Für leicht zu erzeugendes Pathos war sie nicht zu haben. Obwohl es in all ihren Texten immer auch darum ging, die Welt tatsächlich besser zu machen, blieb sie doch skeptisch gegenüber jeder Form von Erweckung. Die Methode Didion besteht in der unvermittelten Entfachung eines zweiten Gedankens oder wie es die Potsdamer Schriftstellerin Antje Rávik Strubel im Vorwort eines Essaybandes kurz nach dem 11. November 2001 formulierte: „Die meisten Autoren erklären Emotionen, Didion zeigt sie. Sie offenbart sie. Sie wirft Messer. Ihre Sätze zischen durch die Luft, schnell, präzise, und dann sitzen sie treffsicher und leicht vibrierend im Holz.“

In dem Essayband „Im Land Gottes“ zielt Didions unbestechliche Aufmerksamkeit darauf, wie die US-Gesellschaft schon bald nach den Anschlägen auf die Türme des World Trade Center dabei war, sich einer inneren Mobilmachung hinzugeben. Am Erscheinungsbild New Yorks und seiner Bevölkerung meinte Didion wahrgenommen zu haben, dass das Ereignis in Beschlag genommen worden war, „um neuen Boden in alten Kriegen an der Heimatfront zu annektieren“. Der „Krieg gegen den Terror“ war von Präsident George W. Bush noch nicht ausgerufen, da hatte Joan Didion ihn bereits erspürt.

Die Weltmetropole der Angst

Detektivischer Scharfsinn, journalistische Recherche und die Lust zur psychologischen Deutung gesellschaftlicher Prozesse haben Didion bereits in den späten 60er Jahren zu einer der prägnantesten Autorinnen ihrer Zeit gemacht. Aus ihren Reportagen über Verschwörer und Soziopathen, darunter der Sektenführer und Mörder Charles Manson, destillierte sie eine Beschreibung Kaliforniens als Zentrum der Paranoia, eine Art Weltmetropole der Angst.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller John Gregory Dunne, schrieb sie mehrere Drehbücher, u.a. für den Film „A Star is Born“ mit Barbra Streisand. Die Arbeitsteilung ging gut auf, Didion galt als brillante Rechercheurin, Dunne als der subtile Feinmaler literarischer Figuren.

Diese Sicht aber verkannte bereits die besondere Qualität Didions, in ihren Texten nicht weiter zwischen Essay und Fiktion zu unterscheiden. Ihre literarische Form der Doku-Fiction, die oft mit dem sogenannten New Journalism eines Hunter S. Thompson verglichen wurde, zielte stets auch auf eine Verunsicherung der Leserinnen und Leser, um sie am Ende klüger zu machen. Zu ihren erfolgreichsten Büchern gehörte der autobiografische Text „Das Jahr des magischen Denkens“ (2005), in dem Didion den plötzlichen Tod ihres Mannes sowie die lebensbedrohliche Krankheit ihrer Adoptivtochter Quintana Roo Dunne verarbeitete. Jetzt ist Joan Didion im Alter von 87 Jahren in New York gestorben.

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