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Benoîte Groult im Jahr 1999.
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Benoîte Groult im Jahr 1999.

Schriftstellerin

Zorniges zur Macht der Männer

Zum Tod der französischen Schriftstellerin Benoîte Groult, die vor allem mit ihrem autobiografischen Roman „Salz auf unserer Haut“ bekannt wurde

Von Martin Halter

Als Schriftstellerin war sie eine Spätberufene. Benoîte Groult war schon über vierzig, als sie zusammen mit ihrer Schwester Flora ein „Vierhändiges Tagebuch“ (1963) über Kindheit, Krieg und Jugend schrieb. Ihren ersten Roman („Die Dinge, wie sie sind“) veröffentlichte sie mit 52 Jahren, ihren weltweit erfolgreichsten, „Les vaisseaux du coeur“, mit 65. „Salz auf unserer Haut“, so der zum geflügelten Wort gewordene deutsche Titel, handelt von der lebenslänglichen Amour fou zwischen einer eleganten Pariser Intellektuellen und einem treuherzigen bretonischen Fischer. Es ist eine Art französische „Lady Chatterley“; nur dass der Wildhüter hier ein Fischer und die alten Gegensätze Natur-Kultur, Kopf-Herz und Mann-Frau feministisch auf den Kopf gestellt werden. Vor allem in Deutschland prickelte „Salz auf unserer Haut“ als Offenbarung für die bewegte Frau. Katja

Riemann gestand der Autorin einmal, der Roman habe ihr Leben verändert: Groult sei ihre Pippi Langstrumpf, die Heldin ihrer Emanzipation. Dass der Roman (und auch die zum Leidwesen der Autorin stark verkitschte Verfilmung 1992 von Andrew Birkin) in Deutschland ungleich erfolgreicher als in Frankreich war, erklärte Groult einmal damit, dass die germanischen Völker ein unverkrampfteres Verhältnis zu starken, selbstbewussten Frauen hätten als ihre Landsmänner, die sich vor allem als romantische Retter von Heulsusen und Kameliendamen gefielen. Als skandalöser „Frauenporno“ oder doch leicht frivol galt „Salz auf unserer Haut“ freilich überall. Manche witterten sogar eine „Hymne auf den Phallus“, obwohl Groult, wie sie mit diebischem Vergnügen anmerkte, die Herrlichkeit der männlichen Geschlechtsorgane mit respektlosen und ironischen Attributen anzutasten gewagt hatte. Noch wichtiger für den Erfolg aber war wohl der Märchenprinz: ein Naturbursche, ungebildet, aber attraktiv, treu und edel.

Es gab übrigens ein autobiografisches Vorbild für den braven Fischer: Kurt Heilbronn, ein deutscher Jude und amerikanischer Soldat, den Groult 1945 in Paris kennen gelernt hatte und bis zu seinem Tod 2004 geliebt hatte. Groult war dreimal verheiratet, aber eine Ehe mit dem Bomberpiloten aus Amerika war unvorstellbar: Heilbronn interessierte sich nicht für Bücher und Kultur. Groult dagegen war beides in die Wiege gelegt worden: Ihr Onkel war ein berühmter Modeschöpfer, ihre Mutter eine extravangante Salondame, die in surrealistischen Kreisen verkehrte.

1920 in Paris geboren, hatte Groult Französisch und Latein studiert und sich bei ihrer Arbeit als Journalistin und Kolumnistin für Frauenillustrierte mehr und mehr zur Feministin entwickelt. Sie kämpfte für das Recht auf Abtreibung (und später auch für Sterbehilfe), leitete unter Mitterand eine Kommission für geschlechtergerechte Sprache und schrieb 1975 das Manifest „Ödipus’ Schwester – Zorniges zur Macht der Männer über die Frauen“. Groult verstand sich als „Feministin wider Willen“ und machte sich wenig Illusionen über den Erfolg ihres Kampfes: Der Feminismus, klagte sie 1992, sei out, die Macht der Männer ungebrochen. Jetzt ist Benoîte Groult im Alter von 96 in ihrer südfranzösischen Wahlheimat Hyères sanft entschlafen.

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