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Bab Dylan hat noch keinen Nobelpreis.
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Bab Dylan hat noch keinen Nobelpreis.

Musik und Literatur

Led Zeppelin auf einer schepprigen Anlage

Popmusik ist in der neuen deutschsprachigen Literatur auf selbstverständliche Weise gegenwärtig.

Von Sabine Vogel

Ezra Pound und T. S. Eliot prügeln sich auf der Kommandobrücke. Cinderella und Jesus, Bette Davis, und das Phantom der Oper machen mit beim Volksfest auf der „Desolation Row“. Einstein hat sich als Robin Hood verkleidet, Ophelias Keuschheitsgürtel kneift und Casanova kriegt eine Gehirnwäsche verpasst. Man muss gar nicht darauf hoffen, dass Bob Dylan für seine Lyrics irgendwann doch noch mal den Nobelpreis bekommt. Popmusik ist in der neuen deutschsprachigen Literatur auch ohne eine solche Nobilitierung auf selbstverständliche Weise gegenwärtig.

Sie spielt eine Rolle bei der Schreibproduktion, was die zahlreichen Motti und Zitate aus Liedern von Velvet Underground über PJ Harvey bis Elvis Costello belegen. Und sie grundiert die Geschichten als wummernder Bassrhythmus oder peitschender Rap, als melancholische Melodie oder als Partitur, die wie das Rula-Rula-Rulala der schwäb’schen Eisenbahne, die Gabriele Riedles Roman der „Überflüssigen Menschen“ vorantreibt.

Dadaistische Zumutung als saukomischer Brüller

Musik ist literarisches Kompositionsprinzip und zugleich eine Sprache, die das Unsagbare fassbar macht. Eine irrwitzige Passage in Iris Hanikas neuem Psychoanalyseroman „Tanzen auf Beton“ besteht darin, den Song „Whole Lotta Love“ als in der Erinnerung gefälschten Text aufzudröseln und seine schaurig blöde Hammer-Sex-Banalität mit Übersetzungsprogrammen zu bannen. Was in der niedergeschriebenen Form als seitenlange dadaistische Zumutung erscheint, wird zum saukomischen Brüller in der musikalischen Einspielung. Bei ihrer Buchvorstellung im Literaturhaus ließ Hanika das über 40 Jahre alte Stück von Led Zeppelin in voller Länge auf einer schepprigen Anlage laufen. Das tat weh. Und die Seelenwunden räkelten sich auf der Couch aus Gelächter.

Nicht als musikalische Rück-Übersetzung, sondern als veritable Nummernrevue inszenierte Marie Pohl am vergangenen Donnerstag im Roten Salon der Volksbühne ihre Buchvorstellung. Mit afrikanischem Getrommel und einem herzergreifenden Einsänger werden die Geister der „Afrikanischen Königin“ herbeibeschworen, denen die Autorin auf ihrer „Geisterreise“ durch die weite Welt nachgejagt ist. Irische Folksongs, Andengeschrammel und eine balinesische Tänzerin wechseln sich mit ihren vorgelesenen Geschichten ab. Und weil sie in Kuba von einer Santeria-Priesterin gereinigt, und ihr weißes Lieblingskleid mit Hahnenblut eingedreckt wurde, kulminiert Pohls Leseperformance in einem entfesselten Salsa-Konzert. Shake your bootie! So geht „Jazz und Lyrik“ heute.

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