PARS PRO TOTO

Zeitlose Wegweiser

Am 2. Mai 2006 wäre Wolfgang Abendroth (1906-1985) hundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass organisierte die IG Metall eine Tagung. Der vorliegende

Von RUDOLF WALTHER

Am 2. Mai 2006 wäre Wolfgang Abendroth (1906-1985) hundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass organisierte die IG Metall eine Tagung. Der vorliegende Sammelband dokumentiert 19 Referate und Diskussionsbeiträge, die der Frage nach der wissenschaftlich-analytischen wie der politisch-strategischen Fruchtbarkeit von Abendroths Werk nachgingen.

Jürgen Habermas bezeichnet sich als Schüler Abendroths und würde heute noch "die Hand dafür ins Feuer legen", dass dieser sich im Ernstfall immer als sozialistischer Demokrat und damit auch als "Antistalinist" verstanden und verhalten hat. "Als Kritiker des Stalinismus hat Abendroth niemals vergessen, dass der Kampf der Demokratie immer auch ein Kampf ums Recht, um die Durchsetzung eines normativ richtigen Rechts sein muss." Daran anschließend skizziert der Hannoveraner Politikprofessor Joachim Perels ebenso stringent wie einleuchtend Abendroths Sozialstaatsinterpretation und deren ungebrochene Brisanz.

Hans-Jürgen Urban, Referent für Grundsatzfragen bei der IG Metall, zeigte in seinem Referat, wie der demokratische Auftrag der Gewerkschaften aktualisiert und wiederbelebt werden müsste, um diese aus der politischen Defensive heraus zu führen. Urban bediente sich der Schriften nicht als Rezeptbücher, wohl aber als Wegweiser. Auch andere Referenten betonten, dass unter den veränderten Bedingungen eines weltweit vernetzten Finanz-Kapitalismus eine Erneuerung des gesellschaftskritischen Denkens unumgänglich ist.

Nützliches Hilfsmittel

Als Wegweiser versteht sich auch das Marx-Engels-Lexikon. En vogue sind Marx und Engels zwar nicht gerade, aber "tote Hunde" (Marx über Hegel) ebenso wenig. Als der Bundespräsident jüngst die Pressefreiheit lobte, rückversicherte er sich mit einem Marx-Zitat. Nun lehrt die Erfahrung, dass man das richtige Zitat im entscheidenden Moment nicht findet in den 42 Bänden der Werkausgabe.

Eine Hilfe auf dem Weg durch den Textberg bietet das Marx-Engels-Lexikon an. Jeder der 131 Artikel von "Abstraktion" bis "Zirkulation" beginnt mit einer kurzen inhaltlichen Klärung der Begriffe (zusammen mit den Verweisen auf Äquivalente, zum Beispiel "Abbildung / Widerspiegelung", sind es 249 Grundbegriffe). Diese Inhaltsübersicht wird ergänzt durch einschlägige Zitate aus den Werken von Marx und Engels, wobei die Stellen stufenweise von den abstraktesten bis zu den komplexeren Bestimmungen angeordnet sind. Zugleich wird die chronologische Abfolge der Zitate verdeutlicht.

Der Begriff "Emanzipation" zum Beispiel meint zunächst nur "Zurückführung der menschlichen Welt... auf den Menschen selbst". Die komplexere Begriffsbestimmung kombiniert Emanzipation und Privateigentum und begreift letzteres als Haben / Habenwollen, mit dem alle anderen "physischen und geistigen Sinne" beseitigt werden. Daraus folgt für Marx, nur "die Aufhebung des Privateigentums" erlaube "die Emanzipation aller menschlichen Sinne und Eigenschaften" jenseits von Haben / Habenwollen. Am Schluss jedes Artikels steht eine Liste mit Nachweisen für bis zu dreißig ähnlichen Stellen. Das Lexikon ist ein rundum nützliches Hilfsmittel.

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