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Buchvorstellung

Die Zeitlichkeit als Sinnstifter

In seiner Studie "Bedeutsamkeit" belegt Jochen Hörisch eine alte These, das aber mit argumentativem Elan. Von Stefana Sabin

Von STEFANA SABIN

In seiner neuesten Abhandlung verknüpft der Mannheimer Germanist Jochen Hörisch philologische und philosophische Hermeneutik mit Medienanalyse zu einem gleichermaßen grob gemusterten wie feinmaschigen Textgewebe, das der Korrelation zwischen Sinn und Sein nachspürt.

Grob gemustert ist Hörischs Abhandlung, weil sie um den einen Hauptgedanken kreist, dass die "Zeitlichkeit des Seins die Möglichkeitsbedingung von Bedeutsamkeit" ist; feinmaschig ist sie, weil dieser Gedanke in unendlichen Deutungs- und Assoziationsschleifen umspielt wird.

So entwirft Hörisch ein Riesenpanorama aller künstlerischen Gattungen, das immer nur einen Blick erlaubt: auf den Tod. Das Bewusstsein vom Tod ist für Hörisch der Impuls hinter jeder lebensdeutenden und also lebensbejahenden Handlung. Hörisch vertritt die These, dass die Zeitlichkeit des Seins Voraussetzung für Sinn sei und dass die Suche nach Sinn deshalb menschencharakteristisch sei, weil der Mensch um seine zeitliche Begrenztheit wisse.

Das Bewusstsein der Endlichkeit, so Hörisch, schafft Sinn. Ontologie und Semiologie kreuzen sich in der Frage nach dem Sinn (des Lebens) und in der Sinnsuche, und deshalb besteht zwischen Sinn und Sein eine immanente Interferenz. Die Herstellung von Sinn führt zu einer Aura von Bedeutsamkeit, die die Zeitlichkeit negiert.

Leben im Todesbewusstsein

Für Hörisch sind Kunst und Literatur Versuche, die Zeitlichkeit zu transzendieren und das Wissen vom Tod erträglich zu machen; sie handeln, explizit oder implizit, immer auch vom Tod. Und auch die moderne Vielfalt an Sinnangeboten, von Ayurveda über die etablierten Religionen bis zum Buddhismus, die medial vermittelt werden, ist, so Hörisch, ein Symptom jener ständigen Suche nach dem Sinn des Lebens, die das Sein jenseits jeder Spiritualität definiert.

Zwar scheint Hörischs These eher trivial, denn man kann behaupten, dass Kulturarbeit seit den homerischen Epen in der mittelbaren Sublimierung der Todesbewusstheit besteht. Aber die minutiöse Ausarbeitung dieser These ist an und für sich bemerkens- und bewundernswert. (Schade nur, dass die unnötig aufwendige Rhetorik die Lektüre beeinträchtigt.) Insofern stellen die unzähligen Deutungen, Hinweise und Anspielungen, mit denen Hörisch seine These von der sinnstiftenden Zeitlichkeit immer neu belegt und mit unermüdlichem argumentativen Elan begründet, eine schriftstellerische Hochleistung dar.

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