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Nachlass von Gustave Flaubert

Der Zar? Dummer Kopf.

Dieses Büchlein zu lesen ist wie Austernschlürfen. Es macht glücklich, aber nicht satt. Von Ina Hartwig

Von INA HARTWIG

Dieses Büchlein zu lesen ist wie Austernschlürfen. Es macht glücklich, aber nicht satt. Ein Entrée sozusagen. Man ist leicht und beschwingt und voller Vorfreude auf das, was noch kommt. Sofort träumt man davon, Zeit zu haben, um sich in Flauberts Werk zu versenken, um die großen, bekannten Romane wiederzulesen und endlich jene, um die man bisher einen Bogen gemacht hat, hervorzuholen. Man liest und träumt zugleich vom Lesen, ja, genau das geschieht merkwürdigerweise.

Selten kommt es vor, dass im Nachlass eines so berühmten Schriftstellers wie Flaubert noch Unentdecktes auftaucht, hier ist es geschehen. 2005 sind die vier mehr oder weniger autobiographischen Texte in Frankreich erschienen, jetzt hat sie die famose Übersetzerin Elisabeth Edl für die Friedenauer Presse skrupulös kommentiert und so unaufdringlich, so elegant und schnörkellos ins Deutsche gebracht, dass man das Gefühl hat, direkt in Berührung zu kommen mit Flauberts phantastischer Sprache. Sofort hat man vergessen, dass es sich um eine Übertragung handelt.

Ob Flaubert die Totenwache für seinen verstorbenen Freund Alfred Le Poittevin in Rouen beschreibt (1848), oder ob er sich an einem Ball delektiert, der zur Weltausstellung in Paris für den russischen Zaren ausgerichtet wurde (1867) - und zu dem der berühmte und ein bisschen berüchtigte Verfasser der "Madame Borvary" eingeladen war: Flauberts so nüchterne wie sinnenfrohe, bisweilen satirische Beobachtungsgabe ist einfach bestechend.

Der Zar selbst gefällt ihm gar nicht: "Ich habe ihn mir in den Tuilerien genau angeschaut, er ist groß, schlank, und entbehrt, von hinten und aus der Ferne, nicht einer gewissen körperlichen Eleganz - sein Fuß, der in einer Stiefelette steckt - Schuh mit Gummizug (was grauenhaft ist), ist klein und sein Bein wohlgeformt - Der Kopf wirkte dumm - blondes Haar, ergraut wie der Bart und (im Profil) so geschnitten, dass es die Linie des Kinnbarts fortsetzt. Das große, runde Auge will ausdrucksstark sein hat nichts Angenehmes - es hat etwas Hartes und Blödes - fast überhaupt kein Kinn, was dem Gesicht etwas Kauerndes gibt - kein Kleinhirn und keine Schläfenbeine - der obere Kopfteil stark entwickelt, vielleicht ist er Mystiker?"

Aber man glaube nicht, Flaubert habe sich auf dem Ball nicht amüsiert. An seine Brieffreundin George Sand schrieb er: "Ganz ohne Scherz, es war grandios."

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