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Atome, Organismen, Kulturen: Der Weg in Richtung Mensch. Foto: Daniel Casanave/C.H. Beck
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Atome, Organismen, Kulturen: Der Weg in Richtung Mensch.

Graphic Novel

Yuval Noah Harari: „Sapiens“ – Die Steinzeitreise

  • vonMichael Hesse
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Yuval Noah Harari erzählt jetzt auch in einer hinreißenden Graphic Novel von den Lebensbedingungen der frühen Menschen.

Die Menschen in der Steinzeit hatten uns manches voraus. Ihr Gehirn war größer, weil sie alle erdenklichen komplexen Tätigkeiten selbst verrichten mussten, ihre Ernährung gesund, da sie neben Fleisch viele Kräuter und viel Obst aßen, und sie bewegten sich deutlich mehr. Irgendwie schienen sie genau das richtige Maß zwischen Muße und Aktivität gefunden zu haben.

Diese Menschen waren groß und wurden sehr alt. Eine Frau bekam wohl nur alle drei bis vier Jahre Kinder, da diese in der auf Mobilität getrimmten Gruppe erst einmal laufen mussten, bevor der weitere Nachwuchs ankam. Und gemessen an den Problemen unserer Zeit, wären Epidemien bei ihnen nicht möglich gewesen. Für den Autor Yuval Noah Harari ist das Ende des Steinzeitmenschen so etwas wie die Verstoßung aus dem Paradies.

In der Graphic-Novel-Version seines Weltbestsellers „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ werden die Geschichten auch dieser Epoche in kleinen Cartoons nacherzählt. In vielen kleinen Bildern lässt sich ihr Aufbruch in die große weite Welt verfolgen – die ständige Nahrungssuche machte sie zu Globetrottern und im Zuge von tausenden Jahren zu den ersten Globalisierern.

Gut für die Natur

Das Buch

Harari/ Casanave / Vandermeulen: Sapiens. Der Aufstieg. Graphic Novel. C. H. Beck, München 2020. 248 S., 25 Euro.

Sie legten Feuer, weil sie der Natur damit Gutes taten. Sie töteten keine Tiere, wenn es nicht unbedingt zu ihrem Überleben nötig war. Sie erkundeten die Welt, weil sie ihre Umgebung verstehen mussten, um das Überleben zu sichern. Dass Krankheiten von Tieren auf den Homo sapiens in Frühform übersprangen, war eher untypisch. Denn anders als die später sesshaften Menschen im Zeitalter der Agrikultur hielten sie keine Hühner. Natürlich waren es nicht nur unbeschwerte Umstände. In den kleinen Gruppen, die umherstreiften, wurden alte Menschen womöglich getötet, weil sie „nutzlos“ waren oder als „Ballast“ empfunden wurden. Harari lässt einen (natürlich fiktiven) Mann davon berichten, die Frauen hätten Angst vor ihm. Denn er sei derjenige, der alte Frauen von hinten erschlage, damit die Gruppe agil bleibe.

Während die frühe Steinzeit als Wohlstandsgesellschaft mit Glück, Überfluss und hohen kognitiven Fähigkeiten gefeiert wird, tritt die „landwirtschaftliche Revolution“, die unser Zeitalter eigentlich erst einläutete, als Epoche der Dekadenz auf. Der Homo sapiens lebt mit Seinesgleichen auf engem Raum, Infektionskrankheiten breiten sich leicht aus, und der Wohlstand aus der guten alten Steinzeit ist dahin. „Ein chinesischer Bauer isst morgens Reis, mittags Reis und abends Reis. Wenn er Glück hat, bekommt er das am nächsten Tag noch einmal“, schreibt Harari.

Bindekraft des Geldes

So zeigt sich das vermeintlich harte Dasein in der frühen Steinzeit als Wohlleben in Glück und Überfluss – während sich der Mensch später durch die Ackerpflanze heimlich versklaven ließ. Bald darauf entfalten die drei großen Bindekräfte der Menschheit ihre Macht: das Geld, weil es jede kulturelle Barriere überwindet, die imperiale Gewalt, weil sie unterschiedlichste Lebensweisen unter ein Banner zwingt, und die missionierenden Religionen, weil sie universale Werte formulieren.

Der Verlag C.H. Beck hat eine wundervolle Graphic Novel aus dem Buch gemacht. Harari und seine Co-Autoren, der belgische Texter David Vandermeulen und der französische Zeichner Daniel Casanave, liefern nicht zuletzt hinreißende Unterhaltung.

Hararis Zeitreise – unternommen gemeinsam mit seiner Nichte Zoe – führt einmal durch die Menschheitsgeschichte und zurück. In den Band wurden Seiten in der Optik alter Zeitungscomics mit den Abenteuern von „Prehistorik Bill“ eingestreut, was das Ganze noch weiter auflockert. Aber bei allem Spaß geht es hochwissenschaftlich zu, was im Buch die fiktive Biologin Professor Sraswati gewährleistet.

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