Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schon lange kein Geheimtipp mehr: US-Erfolgsautor Paul Auster.
+
Schon lange kein Geheimtipp mehr: US-Erfolgsautor Paul Auster.

Paul Auster

Und die wunderliche Welt dreht sich weiter

Geerdet: Paul Austers neuer Roman "Mann im Dunkel" variiert sein immerwährendes Thema aufs Vortrefflichste.

Von ULRICH SONNENSCHEIN

Zählt man Paul Auster neben Pynchon, Gaddis und DeLillo zu den großen amerikanischen Gegenwartsautoren, unterschied ihn bisher eines: Während bei jenen Politik, Wirtschaft und Geschichte eine konstituierende literarische Rolle spielen, spann Auster ein Netz aus Begebenheiten um seine verlorenen Charaktere, deren Ort, Zeit und Lebensbedingungen nur dem Autorgedanken unterworfen sind.

Seit "Stadt aus Glas" hat es immer wieder schreibende Figuren gegeben, die entweder Paul Auster heißen, von ihm heimgesucht oder mit seinen biografischen Eckdaten ausgestattet werden. Und die treibt er von einem Leben in ein anderes, unwirtliches, bedrückend absurdes. Die einzige Macht, die dabei Regie führt, ist der Zufall, so als wäre der tote Freund Austers, der einst bei einem gemeinsamen Ausflug vom Blitz erschlagen wurde, immer noch gegenwärtig.

Das allerdings ändert sich jetzt mit "Mann im Dunkel". Kurz vor Beginn einer neuen Ära hat Auster die alte literarisch verabschiedet. Und zum ersten Mal kommt ein wirklicher Präsident in seinem Roman vor, der Bush heißt und für seine Taten eigentlich ins Gefängnis gehörte. Dass die reale Politik in Austers Fiktion angekommen ist, hat zu einer erstaunlichen Erdung der Handlung geführt.

Ein literarisch versierter älterer Mann, hier heißt er August Brill, liegt schlaflos in seinem Zimmer und denkt sich Geschichten aus, um nicht von seinem eigenen Kummer überwältigt zu werden. Und in dieser Geschichte erwacht ein junger Mann in einem Erdloch. Wie er dorthin gekommen ist, kann er sich nicht erklären, doch sein Leiden hat einen Zweck. In einem parallelen Amerika, einer Welt, die den 11. September nicht erlebt hat, dafür aber in einem grausamen Bürgerkrieg steckt, soll er überredet werden, zurückzukehren und August Brill zu ermorden.

Schicksalsschläge

Owen Brick heißt dieser Mann, und man ahnt sehr schnell, dass ihn auf der Textebene mehr mit August Brill verbindet, als er selbst ahnt. Er wird diese Wanderung zwischen den Welten nicht überleben. "Mann im Dunkel" ist dabei ein kompakter, äußerst konzentriert gebauter Roman, der sich in seiner Struktur von der Beliebigkeit früherer Romane unterscheidet.

Nach Giordano Brunos Prinzip, dass ein unendlicher Gott eben auch eine unendliche Zahl von Welten hervorbringt, setzt Auster die verschiedenen Schicksalsschläge diesmal zueinander in Beziehung und alle zusammen in Kontrast zu einer möglichen aktuellen Politik. Da stirbt eine Frau an Krebs, während ein junger Mann im Irak enthauptet wird, da verliert eine Frau ihren Mann, während sich zwei andere gerade finden, da gibt es Krieg in der einen und Sprachlosigkeit in der anderen Welt und immer bleibt jemand übrig, der all dem zuschaut und sich nicht dazu verhalten kann.

Der verlorene Charakter, der ohne Schuld in einer kafkaesken Falle sitzt, hat sich zu einer Symbolfigur in einer politischen Parabel gewandelt. Es braucht nicht viel, um hier ein reales Amerika zu erkennen, das selbst in dieser Falle des Stillstands sitzt und sich nur allein daraus befreien kann.

Zum ersten mal öffnet Auster am Schluss des Romans die Tür und gewährt einen hoffnungsfrohen Blick nach draußen: "Und die wunderliche Welt dreht sich weiter"; man wird sich trotz aller Sorgen in ihr zurechtfinden. Denn nach den Kriegsgeschichten, die "kaum verlässt man für einen Augenblick die Deckung, über einen herfallen", hat Auster eben auch noch eine Liebesgeschichte erzählt, jenseits des Politischen, voll von persönlichen Details. Die literarische Kehrseite gewissermaßen, und damit auch nicht mehr als eine der möglichen Welten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare