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Wunderland für Juristen

Im Drama um den Aufbau-Verlag wollen alle die Verlassenen sein - Lunkewitz gibt sich drohend

Von JÖRG PLATH

Bernd F. Lunkewitz, der Ende Mai der Aufbau-Verlagsgruppe weitere Geldmittel versagte, sie so zur Anmeldung der Insolvenz zwang und zwei Wochen für Medien unerreichbar war, meldet sich nun im Spiegel-Interview und in einem langen Artikel für die Süddeutsche Zeitung mit markigen Worten. Erstmals sagt der vermögende Frankfurter Immobilienhändler, dass er den Aufbau-Verlag kurzfristig verkaufen will. Das ist um so verwunderlicher, als Lunkewitz lange begeisterter Verleger war und sein Haus nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) im März dieses Jahres endlich tatsächlich besaß.

An einen Verkauf muss er schon im April gedacht haben. Damals gründete er in Frankfurt die Alte Verlags GmbH, die die Geschäfte des Aufbau-Verlags fortführen soll. Lunkewitz' Äußerungen zeigen, dass das BGH-Urteil keinen Rechtsstreit beendet hat, sondern neue auslöst. Der BGH entschied, dass die Treuhand den Aufbau-Verlag 1991 nicht hätte verkaufen dürfen, weil er nicht ihr, sondern dem Kulturbund gehörte.

"Unausweichliche Folgen"

Von diesem hatte Lunkewitz Aufbau 1995 zur Sicherheit ein zweites Mal erworben. Der jetzt rechtmäßige Besitzer folgert daraus, dass das 1991 erworbene Unternehmen, die heutige Aufbau-Verlagsgruppe, überhaupt keine Autorenrechte besitze, zudem an den Treuhandnachfolger, die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVS), zurückfalle und ihm Schadensersatz schulde. Bisher war von 48,8 Millionen Euro die Rede, Focus meldet jetzt 183 Millionen Euro für 18 Jahre Investitionen, entgangene Einnahmen aus Autorenrechten, rechtswidrige Nutzungen von Lizenz- und Markenrechten. Um diese Ansprüche nicht verfallen zu lassen, plante Lunkewitz eine ",kontrollierte' Insolvenz" der Verlagsgruppe und ihren Verkauf.

Doch alles geriet außer Kontrolle. Das Bundesfinanzministerium wies die Ansprüche Ende Mai zurück, weshalb Lunkewitz die Schuld an der Insolvenz und die Verantwortung für 60 Angestellte Peer Steinbrück zuweist. Und als die Stellungnahme des Ministers vorlag, erhob sich offenbar die Geschäftsführung. Sie beanspruchte, so Lunkewitz empört, den Verlagsnamen und die seit 1990 erworbenen Autorenrechte als Besitz der Verlagsgruppe. In einem "Ultimatum" habe die Geschäftsführung zudem 2,5 Millionen Euro von ihm gefordert, um die Insolvenz abzuwehren. "Die Mannschaft hat mich verlassen", die Geschäftsführung "will sich des Aufbau-Verlags bemächtigen", so Lunkewitz. Doch diese Farce sei "in wenig mehr als 14 Tagen vorbei", er werde das Licht ausmachen. Eben das ist ihm, darüber täuscht seine Siegesgewissheit nicht hinweg, mit der "kontrollierten" Insolvenz misslungen. Nun gibt es mit dem Insolvenzverwalter einen zweiten, mächtigen Sparringspartner neben der BVS, und in der Öffentlichkeit steht der frühere Retter des Verlags jetzt als sein Vernichter da. Um dem entgegenzutreten, hat Lunkewitz in einem weiteren Interview zum Kauf von Aufbau-Büchern aufgefordert.

Den vom Insolvenzverwalter gesuchten Verlagskäufern ("Krisengewinnler") aber droht Lunkewitz schon mal vorsorglich mit "unausweichlichen Folgen". Man ahnt: Er meint Klagen, solche, wie er sie auch gegenüber der Bundesregierung ankündigt. Der Fall Aufbau entwickelt sich zum Wunderland für Juristen. Das machtgewisse Nichthandeln der Bundesregierung ist daran nicht unschuldig.

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