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Die Russlanddeutschen in Günter Saalmanns Roman mögen von manchem Berliner als fremder empfunden werden als ein Bär.
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Die Russlanddeutschen in Günter Saalmanns Roman mögen von manchem Berliner als fremder empfunden werden als ein Bär.

Roman Aussiedler

Sie wollen sich doch integrieren

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Günter Saalmanns Roman „Fiedlerin auf dem Dach“ erzählt von einer kasachischen Familie, die nach Berlin zieht.

Ein Rucksack mit Großmutters getrockneten „Pfefferlinga“ spielt eine wichtige Rolle in diesem Roman über eine kasachische Aussiedlerfamilie; denn es sind nicht nur Mengen von Pilztüten im „grünen Monstrum“, sondern auch die Geige aus Familienbesitz, eine echte Kufsteiner. Geigenschülerin Klawdia, 20, zieht mit Vater, Mutter („mei Morga-stündle“ nennt sie der Vater liebevoll, der Goldzähne wegen), großem Bruder Wolodja nach Berlin, landet im Übergangsheim, dann, welche Freude, in einer engen, aber eigenen Wohnung. Der Bruder ist bald Hansdampf in allen Berliner Gassen, Klawdia übt tagsüber in einem Klub, der vor allem junge Migranten von der Straße holen soll. Die Wohnung will nun möbliert sein, der Vater verdient (noch?) nicht viel, die Geige wird beliehen. Von da an zittert Klawdia.

Das verwirrende Ankommen

Günter Saalmann, Jahrgang 1936, in Chemnitz lebender Schriftsteller und Musiker, erzählt mit feinem Verständnis und behutsamer Sprache vom verwirrenden, mühsamen Ankommen in einem neuen Land. Vom Willen, sich zügig zu integrieren. Vom Versuch, dafür bei jenen ein wenig Rat und Halt zu finden, die vor einem um-, ausgesiedelt sind. Vater Wessely mahnt seine Familie: „Blos no deitsch!“ Seine Frau kann, anders als die Kinder, fast kein Deutsch – und macht doch frohe Miene zum Unverständlichen. Klawdia führt ein Vokabelheft, notiert dort zum Beispiel: „meucheln = hinterrücks ermorden“ oder „Knast schieben: hungern“. Im Jugendklub beobachtet sie die unterschiedlichen – fast könnte man sagen: Gangs. Rechtsextreme darunter. Sie verliebt sich in einen und er in sie. Es wird nicht von Dauer sein. Und ihr Bruder, der sich bald durch Berlin bewegt wie ein Fisch im Wasser, gerät in schlechte Gesellschaft, denn Geld kann er immer gebrauchen.

Es geht nicht gut aus für Wolodja, der doch eigentlich so schön singen kann, und damit auch für Schwester, Vater, Mutter. Aus dem Kosovo kommen außerdem schlimme Nachrichten (wir schreiben das Jahr 1999), die Wesselys hören und lesen von Massakern, Bombenverheerungen. In Berlin ist der Plattenbau, in dem sie wohnen, ein Brutkasten, rundherum gelbes Gras. Und die Geige ist vom Pfandleiher verscherbelt. So spielt Klawdia halt auf einer anderen.

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