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Jürg Laederach, 1998 in Basel.
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Jürg Laederach, 1998 in Basel.

Nachruf

Ich bin ein Wolkenkratzer

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Der Schweizer Schriftsteller Jürg Laederach ist 72-jährig in Basel gestorben.

Es gibt viele Arten, den Blues zu spielen, aber nur einer hat immer wieder versucht, Literatur daraus zu machen. Dabei kann man sich bei Jürg Laederachs wohl bekanntestem Buch mit dem Titel „69 Arten, den Blues zu spielen“ aus dem Jahr 1984 nicht ganz sicher sein, wo die Musik aufhört und das Schreiben beginnt. „Ich bin die Bleecker Street“, heißt es in einem der 74 kurzen Prosastücke des Bandes, „was sich auch dadurch ausdrückt, dass in mir einige Konzerte stattfinden, unverständliche Musik. Ich bin auch wiederum, glaube ich sagen zu können, nicht die Bleecker Street, weil ich ein Wolkenkratzer bin, und die Bleecker Street hat bisher an ihren Rändern keine Wolkenkratzer zugelassen.“

Man sitzt bereits in einer Bezeichnungsfalle, wenn man den 1945 in Basel geborenen Schweizer Schriftsteller Jürg Laederach dem Genre der experimentellen Literatur zuschlägt. Denn bei aller überraschenden Vielseitigkeit und Gestaltungslust war Laederach doch stets auch um eine geradezu musikalische Selbstverständlichkeit seiner Texte bemüht. Sie mussten gut klingen und aussehen. Und damit konnte er es bis ins Typographische hinein empfindlich genau nehmen. So tat er sich mit Dialogen in seiner Prosa schon deshalb schwer, weil diese, wie er befand, nicht schließen. Nach dem Schlusszeichen, so sagte er in einem Interview, bleibe die Zeile leer, und es habe ihm immer missfallen, dass Dialoge in Prosa derart ins Gedichthafte gehen.

Wer derart kapriziös über Literatur denkt und sie schließlich auch zu Papier zu bringen versucht, kann nicht auf ein Massenpublikum hoffen. Jürg Laederach, der ein passionierter Klavierspieler war und an der Jazzklarinette reüssierte, war sich seiner literarischen Bedeutung stets bewusst und genoss unter Kritikern den Ruf eines auf Präzision versessenen Sprachvirtuosen.

Viele der Texte von Jürg Laederach sind in der in Graz herausgegebenen Zeitschrift „Manuskripte“ erschienen, die Laederach vor etwa zwei Jahren zu seinem 70. Geburtstag ein ganzes Heft gewidmet hat und zu der er eine beinahe familiäre Verbindung unterhielt.

Zu den frühen „Manuskripte“-Autoren gehörte auch Peter Handke, wegen dessen serbienfreundlichen Essays zum Bosnienkrieg Jürg Laederach aus Protest vorübergehend den Suhrkamp Verlag verließ, weil er nicht länger im selben Verlag wie Handke erscheinen mochte. Später kehrte Laederach aber zu Suhrkamp zurück. Von dort kam am Dienstag die Mitteilung, dass Jürg Laederach im Alter von 72 Jahren in Basel gestorben ist.

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