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Juli Zeh.
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Juli Zeh.

Juli Zeh in Frankfurt

"Der wirklich geile Gesellschaftsroman kommt im Schuber"

Ein langer Abschied, ein mögliches Wiedersehen: Juli Zeh spricht im Frankfurter Schauspielhaus über ihren Roman „Unterleuten“.

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Ein Abend für und mit Juli Zeh. Das Frankfurter Schauspielhaus ausverkauft, wie sonst bei Lesungen nur zur Buchmesse, wenn Jonathan Franzen kommt. Der Leiter des kooperierenden Literaturhauses, Hauke Hückstädt, mit einem kleinen, ach, gar nicht so kleinen Seitenhieb gegen „verbohrte“ Kritiker. Wenn „Unterleuten“, meinte Hückstädt, nicht in Brandenburg, sondern Massachusetts gespielt und einen amerikanischen Autorennamen auf dem Titel gehabt hätte, wäre manches Urteil vielleicht anders ausgefallen. Das lässt sich nun nicht mehr klären, aber es zeigte sich jedenfalls eindeutig, dass „Unterleuten“ und seine inzwischen selbst auf dem Land lebende Schöpferin auch so ihren Weg gehen.

Im Gespräch mit Alf Mentzer machte Juli Zeh, eine ungemein sympathische, eindeutige Vertreterin ihrer vernünftigen Ansichten, deutlich, dass eine Menge ihrer ländlichen Umgebung im Roman Eingang fand. Glücklicherweise seien Reaktionen vor Ort bisher ausgeblieben – das Kaff Unterleuten ist ja nun kein Paradiesgärtlein, vielmehr gehört ein menschliches, allzu menschliches Hauen und Stechen hier durchaus zur Tagesordnung. Entweder, meinte Zeh, lese keiner das Buch (wahrscheinlich, so Zeh), oder keiner erkenne sich wieder (das wäre eines jener Wunder der Literatur beziehungsweise der menschlichen Psyche) oder die betreffenden Personen hätten seither schlichtweg kein Wort mehr mit ihr gesprochen.

Warum ein Gesellschaftsroman auf dem Dorfe, fragt Mentzer. Weil, so Zeh, der Nachbar hier, anders als in der Anonymität bietenden Stadt, unausweichlich sei. Eine Erfahrung, die im Buch die Zugezogenen in der Tat machen. Nicht so wichtig, meinte sie (überraschenderweise), sei aus ihrer Sicht der ostdeutsche Schauplatz. Geschichte und Vergangenheit seien immer mit irgendetwas belastet und ideologisch aufgeladen, die Passagen zur DDR-Problematik eher eine Pflichtübung gewesen.

Herrlich unkompliziert

Natürlich ging es auch um das unorthodoxe Fortleben einiger Romanfiguren im Netz sowie – im Falle des Ratgebers „Dein Erfolg“ von Manfred Gortz – auf dem Buchmarkt. Was zu nicht unernsten Plagiatsvorwürfen führte, wird herrlich unkompliziert, wenn Juli Zeh darüber spricht, ein Spiel mit den Möglichkeiten. Als bei den ersten Lektüren des fertigen Romanmanuskriptes zum dritten Mal jemand gefragt habe, ob es „Dein Erfolg“ wirklich gebe, habe sie Lust bekommen und in vierzehn Tagen das Buch geschrieben, als Satire. Der erhebliche Erfolg: Ein tolles Missverständnis. Große Freude habe sie auch daran gehabt, sich auf einem Pferde- sowie einem Hausfrauenforum zu tummeln, mit mehreren Avataren, und sich notfalls fleißig mit sich selbst auszutauschen. Alles erst nach dem Buch, betonte sie, für einen „langsamen Abschied“ von Figuren, mit denen sie immerhin gut zehn Jahre zu tun gehabt habe.

Natürlich könnte mehr im Busch sein. Auf Nachfrage erklärte Zeh, dass sie noch verwandte Texte in petto habe, in denen Figuren aus „Unterleuten“ – namentlich Karl der Indianer, Opa Margot, Oma Rüdiger und Lucy Finkbeiner – in anderen Kontexten in den Vordergrund rücken könnten. Eine Trilogie? „Der richtig geile Gesellschaftsroman kommt im Schuber.“ Allerdings gebe es auch Texte, die einem unter der Hand unwiderruflich stürben, man müsse abwarten.

Juli Zeh hatte noch einige grundsätzliche Anmerkungen für unseren Hinterkopf. Lapidar, aber mit starkem Szenenapplaus bedacht: „Angst ist der Freiheitskiller Nr. 1.“ Vom Feinsten: „Wir erwarten rührend viel von Politikern.“ Starjubel zum Schluss und die sich durch das Foyer kringelnde Signiertisch-Schlange. Wie bei Franzen.

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