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Verleger des Jahres: Klaus Schöffling
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Verleger des Jahres: Klaus Schöffling

Klaus Schöffling

„Wir können halt ein bisschen was“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Das Branchenmagazin „BuchMarkt“ kürt den geduldigen Klaus Schöffling aus Frankfurt zum Verleger des Jahres 2016.

Wer zum Verlag will, muss ins Frankfurter Bahnhofsviertel. Wo drogenkranke Obdachlose auf Banker in feinen Anzügen treffen. Klaus Schöffling blickt vom Fenster seines Büros auf diese harten Gegensätze – und reagiert wie fast immer: mit demonstrativer Gelassenheit.

Das Bahnhofsviertel, sagt er gerne, sei viel besser als sein (medialer) Ruf. Deutschlands Verleger des Jahres 2016, wozu ihn jetzt das Branchenmagazin „BuchMarkt“ gewählt hat, kommentiert seine Auszeichnung denn auch mit einem typischen kargen Satz: „So kann es weitergehen.“

2016 war für den 62-jährigen so etwas wie der Höhepunkt einer Karriere, die nicht aus dem Nichts kam. Beim legendären Suhrkamp-Verlag hatte er das Handwerk gelernt, beim Verleger Siegfried Unseld erfahren, was die Pflege von Autoren bedeutet.

Doch sein Gespür für Schreiber und Stoffe entwickelte er selbst. Sein Motto fasst der gebürtige Frankfurter so zusammen: „Mit Überlegung auf Qualität setzen“. Mit geduldiger Aufbauarbeit führte Klaus Schöffling in mehr als zwei Jahrzehnten sein Unternehmen in die erste Reihe deutscher Verlage. Und in diesem Jahr konnte er die Ernte einfahren. Da war der Paukenschlag bei der Leipziger Frühjahrsbuchmesse: Der Verlag gewann den Preis für Belletristik für das 1000-seitige Textgebirge „Frohburg“ von Guntram Vesper und zugleich die Auszeichnung für Übersetzungen. Brigitte Döbert hatte das als nicht übersetzbar geltende Opus Magnum „Die Tutoren“ von Bora Cosic aus dem Serbischen ins Deutsche übertragen.

Verschworenes Dutzend

Kurz zuvor war Silke Scheuermann, eine der von Schöffling behutsam betreuten Autorinnen, mit dem Hölty-Preis bedacht worden, der höchstdotierten Auszeichnung für Lyrik im deutschsprachigen Raum. Im Laufe des Jahres folgte dann unter anderem der Binding-Kulturpreis, mit 50 000 Euro der bedeutendste in der Rhein-Main-Region. Bei der Verleihung im Frankfurter Römer holte Schöffling die Verlagsmitarbeiter auf die Bühne. Und jeder konnte sehen, dass es sich um ein verschworenes Dutzend handelt. „Tolle Leute, die meisten lange dabei.“

Diese zwölf Enthusiasten, mit Ida und Klaus Schöffling an der Spitze, bringen jedes Jahr etwa 30 Titel auf den Markt. Auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis brummt der Verleger mit dem langen eisgrauen Bart: „Wir können halt ein bisschen was.“ Mehr nicht. Etlichen hat er im Laufe der Zeit einen Namen verschafft in der literarischen Szene: Juli Zeh oder Burkhard Spinnen, mit dessen schrägen Geschichten alles begann, oder Klaus Modick. Viele Autoren aus Serbien und Kroatien brachte er erst dem deutschen, dann einem internationalen Publikum nahe. In der Badewanne kam ihm die Idee für das Festival „Frankfurt liest ein Buch“: Vergessene literarische Werke, die um die Stadt kreisen, werden ins Zentrum eines Veranstaltungsreigens gestellt.

Und weil es die Erfolgsgeschichte von Schöffling gibt, relativiert sich für Literaturstadt Frankfurt mittlerweile der Verlust von Suhrkamp. Der Mann aus dem Bahnhofsviertel macht einfach weiter – und verspricht, „nicht dem Massengeschmack hinterherzulaufen“.

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