Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hier, im Schwäbischen, spielen Uta-Maria Heims mit dialektaler Sprache gesättigte Romane.
+
Hier, im Schwäbischen, spielen Uta-Maria Heims mit dialektaler Sprache gesättigte Romane.

Buchkritik "Wem sonst als Dir"

Die Winkel der Vergangenheit

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Uta-Maria Heim hat einen höchste eigenwilligen Kriminalroman verfasst: Es gibt keine Polizeiermittlungen und keine Action, dafür aber schwäbischer Dialekt und einen ungewöhnlichen Schreibstil.

Im Jahr 1799 schrieb der Dichter Hölderlin für seine große, anderweitig verheiratete Liebe Susette Gontard die Widmung in den zweiten Band seines „Hyperion“: „Wem sonst als Dir.“ (Original mit Punkt.) Dort entlehnte sich also die Journalistin und Schriftstellerin Uta-Maria Heim den Titel für ihren jüngsten Roman, mit dem sie einmal mehr die Grenzen des Genres Kriminalroman aufs Eigenwilligste überschreitet. Denn Heim, Jahrgang 1963, ist eine Sprachfricklerin und -häklerin, jeder Satz ist bei ihr ein Anlauf ins Ungewöhnliche, so noch nicht Formulierte.

Poet in der Psychiatrie

Es gibt Passagen in „Wem sonst als Dir.“, in denen sie des Ambitionierten ein wenig zu viel tut, indem sie nämlich ihren Psychiatriepatienten Christian Schöller – in der Haft psychisch krank geworden, nun auf Dauer weggesperrt – in seinen Gedankenmonologen Verwirrung mit Originalität mischen lässt. Er, der wegen Totschlags an seiner Mutter einsaß, empfindet sich als „poetische Existenz“. Über Hölderlin wollte er promovieren, auch das ist in seinem Leben gescheitert. Eine Frau der Tat, des „antiimperialistischen Kampfes“ an den Rändern der RAF ist im Gegensatz dazu seine Schwester Irene. Sie ist einst, blutjung noch und trotzdem schon schuldig, in die DDR geflohen, baute sich eine Zweitexistenz auf unter dem Namen – Susette Gontard. Es gibt aber noch einen dunklen Fleck in „den Winkeln der Vergangenheit“ (Schöller) und auch auf der Familienweste: Die Mutter arbeitete während des Zweiten Weltkriegs als Küchenhilfe im „Samariterstift“ Grafeneck, wo um der „gemeinen Gesundheit“ willen (welche Zynismen!) von Januar 1940 an mehr als 10 000 behinderte Menschen umgebracht wurden.

Wie ein Rahmen hält ein Richter, meist nur als K. abgekürzt, die Handlung zusammen, in der aktuell kaum mehr passiert, als dass Schöller sich vom Klinikgelände ab- und auf die Wanderschaft macht. Da ist K. längst klargeworden, dass er ein Fehlurteil gefällt hat. Er grämt sich – und ist eine weitere tragische Gestalt in dieser ganz ohne Action und Polizeiermittlungen auskommenden Kriminalroman. Dessen Sprache, dessen auch Dialekt-Kostbarkeiten umfassender Wortreichtum, fasst mit seltener Akkuratheit die Dunkelheiten in Vergangenheit und Gegenwart.

Für eine Leseprobe hier klicken.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare