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Begräbnis eines Paten in New York. Im Roman beginnt alles mit dem Tod eines Mafiosos. Doug Kanter/afp

Kriminalroman

William Boyle „Eine wahre Freundin“: Sie wissen sich zu helfen

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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William Boyles so blutiger wie zarter Kriminalroman „Eine wahre Freundin“.

Die Dinge beginnen aus dem Ruder zu laufen, als Renas geliebter (und liebevoller) Ehemann Vic eines bis dahin schönen Tages vor ihrem Haus erschossen wird. „Gentle“ Vic hat nie über seine Arbeit gesprochen, Rena hat nie gefragt. Aber schon eine Weile, eigentlich seit Mafioso Vic den Teenager Mikey unter seine Fittiche nahm und Rena diesem ein herzhaftes Essen vorsetzte, nachdem Mikey einen schwarzen Jungen erschlagen hatte, hat Rena sich mitschuldig gefühlt. Vic und seine Kumpels scherzten mit Mikey und gratulierten ihm, erinnert sie sich. „Und sie, wie sie ihn mit Essen versorgte, als hätte er den ganzen Tag am Bau geschuftet und bräuchte etwas in den Bauch.“

Die Gewalt der Männer, ihr beiläufiges Töten, auch ihre sexuellen Übergriffe, prägen und verdunkeln das Leben der Frauen im Roman des US-Amerikaners William Boyle. Allerdings wissen sich diese Frauen auch zu wehren, mit List und Tatkraft. Und vor allem: Sie halten zusammen. „Eine wahre Freundin“ heißt das Buch darum auch in der jetzt erschienenen Übersetzung (Orig. „A Friend Is a Gift You Give Yourself“, 2019).

Rena Ruggiero, die Witwe, wehrt sich also gegen einen allzu aufdringlichen Verehrer – „Ich hab doch gesagt, dass er mich nicht anfassen soll“. Sie denkt, sie hat ihn totgeschlagen und flieht. Lernt Ex-Pornodarstellerin Wolfstein kennen - „Ich war eine Göttin“, sagt diese über ihre Karriere und das ist kaum zu viel gesagt. Denn mancher Gauner (und manch anderer Mann) hat sich zu ihren Filmen schon einen runtergeholt. Als dann noch Wolfsteins Freundin Mo dazukommt, sind die drei unschlagbar. Worin? Sich die Männer vom Leib zu halten, die ihnen Böses wollen. Eigentlich müsste es knirschen in William Boyles drittem auf Deutsch erschienenem Roman, denn er verbindet blutigen Slapstick mit einer vielschichtigen Freundinnen- und sogar Generationen-Geschichte: Lucia, Renas Enkelin, ist als Vierte im Bunde taff und liebebedürftig, cool, trotzig, rotzig.

Der blutige Slapstick: Da gibt es einen psychopathischen Hammermörder, einen geistig minderbemittelten Mafioso namens Richie, der allerdings furchtbar verliebt ist in Renas Tochter. Außerdem einen alten Mann, Enzio, der der 20 Jahre jüngeren Rena an die Wäsche will und von ihr ausgeknockt wird. Geradezu abgöttisch liebt Enzio übrigens nur seinen Impala – wie man sich aber angesichts einiger rasanter Verfolgungsjagden denken kann, wird es auch dem Auto am Ende nicht gut ergehen.

Die Freundinnen, die es im Laufe der Handlung erst werden, dann aber richtig: Die prüde, nicht gerade nervenstarke Rena, die aber das Richtige will, unbedingt. Dazu die superpraktisch veranlagte Wolfstein, die es versteht, Männer abzuzocken (gerade so, dass es ihnen finanziell nicht allzu weh tut). Dazu eine weitere ehemalige Pornoqueen, Mo, der immer ein Ausweg einfällt, wenn’s eng wird (also: oft!). Ein hinreißendes Trio. Dazu noch Lucia, die 15 ist, sich aber als 17 ausgibt und dauernd eine Zigarette schnorren will.

Und wenn Sie jetzt das Gefühl haben, dass die Frauenfiguren in diesem Roman entschieden besser wegkommen als die Mafia- Männer: Genau so ist es.

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