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Alte Bände können teuer kommen. Bei Krimiautor Bradford Morrow jedenfalls.
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Alte Bände können teuer kommen. Bei Krimiautor Bradford Morrow jedenfalls.

Kriminalromane

Wilde Träumer, kühle Täter

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Drei Kriminalromane, die kaum abschweifen und sich gut in einem Zug lesen lassen: "Der Mann mit der Bombe", "Die tödlichen Talente des Mr. Diehl", "Stumme Hechte".

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Eigentlich möchte Larry immer nur Zeit haben, ganz viel Zeit – „und einfach nur zusehen, wie die Zeit vergeht“. Aber als der Tontechniker sie dann hat, weil er arbeitslos ist, geht alles in die Brüche, verliert er die Zuneigung seiner Frau und verunsichert er seine kleine Tochter. „Sophie fuhr schließlich mit Laureline zu ihrer Mutter.“ Und Larry wird „Der Mann mit der Bombe“, wie der Noir des Franzosen Christian Roux heißt. Die Bombe ist nicht echt, eine Attrappe – Drähte stecken in einer harmlosen Knetmasse –, aber das sieht man ihr nicht an. Und schon verfällt Tontechniker Larry auf die Idee, mit ihr eine Bank zu überfallen.

Eine Geschichte wie die von Bonnie und Clyde nimmt ihren Lauf, als die genialisch verrückte Lu Larrys Geisel wird, als Lu gewissermaßen Larrys Schreckenspotential erkennt: „Ein Schwarzer mit einer Bombe ist ein Terrorist (…) Darum bist du in doppelter Hinsicht ein Superfang, weil du auch noch schwarz bist! Klar, ein Araber wäre noch besser …“. Larry perfektioniert sich als besonnener Räuber, Lu fährt den Fluchtwagen. Klar, dass die Dinge irgendwann aus dem Ruder laufen, so sehr sie Larry auch zu beherrschen versucht. Christian Roux’ Kamikaze-Pärchen-Thriller aus dem Herzen der Wirtschaftskrise und, am Rande, auch des französischen Rassismus, ist salopp und flott, bitterböse und rabenschwarz. Larry und Lu, die wilden Träumer, haben bald nichts mehr zu verlieren. Pech kommt dazu. Larry sucht einen spektakulären Abgang, einem Selbstmordattentäter nicht unähnlich, obwohl er doch an die Liebe glaubt.

Christian Roux: Der Mann mit der Bombe. Kriminalroman. A. d. Franz. v. Cornelia Wend. Polar Verlag 2016. 160 S., 12,90 Euro.

Meisterhafte Fälscher

Der Amerikaner Bradford Morrow ist Literaturwissenschaftler, er schreibt und lehrt. Und er ist Sammler wertvoller Buchausgaben. Er scheint sich jedenfalls ein wenig auszukennen auf dem Gebiet, auf dem die Hauptfiguren seines sich vor Arthur Conan Doyle wie Edgar Allan Poe und Agatha Christie verneigenden Kriminalromans „Die tödlichen Talente des Mr. Diehl“ ihr Unwesen treiben: Der Fälschung von Handschriften berühmter Autoren, um teure Erstausgaben mittels fingierter Widmungen noch ein Stück teurer zu machen. Das jedenfalls war der illegale Haupt-Broterwerb von Morrows Ich-Erzähler – bis er durch eine erhebliche Geldstrafe und die Liebe zu einer Frau, der rothaarigen Meghan, geläutert wird (aber wird er das wirklich?).

Noch zwei Fälscher (der Originaltitel dieses Krimis lautet „The Forgers“) sind im Spiel: Denn bis zu seinem plötzlichen hässlichen Tod war wohl auch Meghans Bruder Adam Diehl ein Handschriftennachahmer. („Seine Hände fand man nie“, lautet der erste Satz des Romans.) Und dann, Adam ist ermordet, beginnt eine dritte Person perfide, geheimnisvolle Schachzüge auf dem Brett literarischer Anspielungen und Erfindungen. Eine W.-B.-Yeats-Erstausgabe zum Beispiel trifft ein mit der Widmung: „Für Meghan zu ihrem Geburtstag und zur Erinnerung an die Dinge, die da kommen werden.“ In perfekt nachgeahmter Yeats-Handschrift, versteht sich. Zug um Zug, Täuschung um Täuschung legt Morrow Spuren, bis zum durchaus überraschenden Ende. Der Ton ist ein wenig altväterlich, die Finten aber sind fein geschnitzt.

Bradford Morrow: Die tödlichen Talente des Mr. Diehl. A. d. Engl. v. H.-Chr. Oeser. Insel 2016. 288 S., 14,99 Euro.

Stumme Kollegen

Rainer Wittkamps Berliner Kommissar Martin Nettelbeck tritt nicht zum ersten Mal an. Nach „Schneckenkönig“, „Kalter Hund“, „Frettchenland“ nun also „Stumme Hechte“: Mit letzteren sind wohl die drei hochrangigen Polizeibeamten gemeint, die im Urlaub am Krossinsee – am Vorabend gut ab gefüllt – neben einem vierten, toten Kollegen aufwachen. Es könnte Selbstmord sein, durchaus, Nettelbeck wird gedrängt, die Sache bald abzuschließen. Doch wenn jemand einen Mord wie einen Selbstmord aussehen lassen kann, dann doch wohl ein Polizist? Die Ermittler können im Übrigen nicht unbedingt den Eindruck haben, dass die drei verbleibenden Freunde/Kollegen alles sagen, was sie wissen. Eine Affäre des einen Beamten mit der Frau eines anderen kommt hinzu. Wurde da abgerechnet? Rainer Wittkamp ist ein schnörkelloser Schreiber, manchmal etwas zu schnörkellos. Seine Figuren zeichnet er eher funktional als tief, das gilt sogar für Nettelbeck, der doch eine interessante multikulturelle Familie hat.

Die Handlung von „Stumme Hechte“ allerdings ist sorgfältig konstruiert – und eigentlich sind es zwei Handlungen. Die zweite bringt mit einer Ex-Gefängnisinsassin, die sich an Nettelbeck rächen will, eine eckigere, ungewöhnlichere Figur. Ein Krimi allemal, den man in einem Zug und ohne Reue zum Beispiel in einem Zug lesen kann.

Rainer Wittkamp: Stumme Hechte. Kriminalroman. Grafit Verlag 2016. 220 S., 11 Euro.

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