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Mädchen und moderne Technologie, das ist eine nicht so ungewöhnliche Kombination, wie es sich die Autorinnen des Buches "Hack's selbst" anscheinend vorstellen.
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Mädchen und moderne Technologie, das ist eine nicht so ungewöhnliche Kombination, wie es sich die Autorinnen des Buches "Hack's selbst" anscheinend vorstellen.

„Hack’s selbst!“

„Wie ein Bastelbuch aus den Siebzigern“

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Wieso nehmen Erwachsene eigentlich an, Mädchen bräuchten besondere Nachhilfe in digitalen Fragen? „Hack’s selbst!“ ist ein ziemlich rosafarbenes „digitales Do It Yourself für Mädchen“ – hier streng unter die Lupe genommen von Josefa (17), Lina (15) und Luna (14).

Stark, laut, aktiv. In unterschiedlichen Rot- und Lilatönen ist der feste Einband gestaltet. Dunkelrosa springt der Leserin der Titel ins Auge, die Innenseiten zieren bunte Waben, kleine Roboter – Helferlein – führen durch das Buch, das „Tipps und Ideen für einen spielerischen Umgang mit der digitalen Welt“ verspricht.

Ein „Do it yourself“ soll es sein: „Hacken heißt besser machen“ steht in himbeerfarben verpixelter Typografie über der Einleitung, in der die Herausgeberinnen Chris Köver, Daniela Burger und Sonja Eismann die Freude am Experiment wecken möchten – und zwar explizit bei Mädchen. Die sollen sich ab 13 Jahren angesprochen fühlen und neugierig werden auf all die Dinge, „die man mit Technik und Computer selber machen kann“. Wer mitreden wolle, müsse wissen, wie digitale Technologie funktioniert, heißt es, wie man sich vernetze, um „stark, laut und aktiv zu sein“.

Es ist ein feministischer Ansatz, der sich jedoch im Layout nicht widerspiegelt. Zu verspielt und mit Symbolen überladen lenkt das Design vielmehr von der Sache ab, um die es eigentlich gehen soll, und es scheint, als brauchten junge Leserinnen lauter Figürchen, Pfeile und ganz viel bunt, um beim Thema zu bleiben. Funktioniert so tatsächlich die weibliche Internet-Generation, für die maximal Neuland ist, wenn das Netz gerade mal nicht zur Verfügung steht?

An dieser Stelle soll die Zielgruppe zu Wort kommen: Josefa (17), Lina (15) und Luna (14) haben sich unabhängig voneinander mit dem Buch beschäftigt , alle drei bewegen sich regelmäßig in der digitalen Welt, wissen was sie wollen, und würden gerne den einen oder anderen Kniff mitnehmen. In ihrer Bewertung über „Hack’s selbst!“ sind sie sich jedoch erstaunlich einig.

Wie ein Bastelbuch. Bereits das rosalastige Cover kann die Mädchen wenig begeistern, im Gegenteil, sie assoziieren es eher mit Basteln und Häkeln als mit digitaler Technologie. „Hier werden Bastelinteressierte angesprochen“, meint Josefa, und Luna erinnert das „Design an ein Kleinkinderbuch. Da kommt man nie drauf, um was es eigentlich geht“. Die Männchen und Sprechblasen sind „völlig unnötig“ – doch die sollen die Leserin eigentlich anleiten: Überall wird analog zur Smartphone-Kommunikation mit Sprechblasen („Ich find’s cool“, „Yo!“) gearbeitet, Symbole ersetzen die klassische Zwischenüberschrift, Zeichen teilweise das Wort. Auf das verzichten die Herausgeberinnen zwar ganz und gar nicht, doch wechseln Typografie und die Farben dermaßen konsequent, dass dies als störend empfunden wird. „Alles wirkt chaotisch und ist schwer zu lesen“, so Lina. Josefa macht die Schrift „einfach nur aggressiv“, und Luna klagt gar über Kopfschmerzen: „Das ist ganz schlimm, dieser ständige Wechsel der Farben und der Schrift.“

Sprache und Inhalte. Überhaupt empfinden die Mädchen die Sprache als nicht altersgerecht. Tatsächlich bemühen sich die Autorinnen, ihre Zielgruppe betont locker und persönlich anzusprechen: Bevor man ein „richtig tolles (Computer)Spiel“ bauen könne, benötige man natürlich eine „richtig tolle Spielidee“, und für die brauche es – „das Tolle“ daran – „vielleicht ein paar Flausen im Kopf“.

Angesprochen fühlen sich hier weder die 14-jährige Luna, noch die 17-jährige Josefa. „Als wäre man schwer von Begriff“, findet Letztere beinahe gekränkt, auch Luna hält die Sprache für „kindisch“, die offenbar mehr abschreckende als einnehmende Wirkung hat.

Lina ist der Aufbau des Buches zu chaotisch: „Das Ganze hat keine Struktur. Es gibt nur wenige interessante Themen, und die sind total versteckt. Das meiste ist völlig unnötig – wie die ‚touchtauglichen Handschuhe‘. Sowas baut einfach kein Mensch nach.“ Auf Kritik stieß auch die Anleitung, „einen Game-Controller“ aus Obst zu bauen. Hierzu ist der Bausatz „Makey Makey“ nötig, der alleine 50 Euro kostet – „zu hohe Kosten für völlig unnötige Sachen“, so Lina.

Was ein „Makey Makey“ ist, beziehungsweise wie ein solcher funktioniert, erfährt die Leserin auf den folgenden Seiten, und zwar, wie Luna anmerkt, in „einem viel zu langen Text. Wenn am Rande zu allem Überfluss noch ein elektrischer Stromkreis erklärt wird, fühlt man sich gänzlich wie eine Grundschülerin behandelt“.

Der Aufbau. In der Tat wirkt die Anordnung der verschiedenen Textsorten wenig durchdacht. Zwischen Anleitungen finden sich Interviews, Infoseiten und Kurzbiografien der Autorinnen – von einem grafischen Stilmix durchzogen, der alles tut, um vom Inhalt abzulenken.

Die Leserinnen sind bald genervt und steigen spätestens bei den Kapiteln „Ich bin meine eigene Sendung: So geht Youtube“ oder „Knüpf Knüpf: Wirf die Netze nach Gleichgesinnten“ gereizt aus. „Jeder kennt Youtube und weiß, wie es geht“, sagt Lina: „Und wenn ich es nicht wüsste, würde ich es googeln.“ Ebenso wenig müsse sie sich von Erwachsenen erklären lassen, was ein #Hashtag oder ein Follower ist, so Lina.

Und genau das ist das Problem des Buches. Weder Luna, Lina noch Josefa fühlen sich als Zielgruppe ernst genommen. Vielmehr finden sie ein „Digitales do it yourself“ speziell für Mädchen völlig unnötig. Luna sprach gar von Erwachsenen-Vorurteilen, denn „Jungs haben, wenn überhaupt, so ein Buch doch genauso nötig. Es ist reines Klischee, noch zu denken, Mädchen könnten weniger mit der Technik umgehen.“ Außerdem stünden die Jungen genauso lange vor dem Spiegel: „Und wer sich mit 13 nicht für Youtube interessiert, hat nie Bock drauf.“

Das kann man als einen wichtigen Hinweis dahingehend verstehen, dass nicht alles, was Erwachsene in ihrer eigenen Jugend gerne gehabt hätten, analog auf die heutige junge Generation übertragbar ist. „Zu hohe Kosten für unnötige Infos“, meint Luna in ihrem Fazit über „Hack’s selbst!“: „Wer so ein Buch veröffentlicht, sollte vorher bedenken, dass sich die meisten über das Thema im Netz informieren.“

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