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Von Walhall bis zu den Nornen: Ein Stammbaum wie eine Leitmotivtafel.  Martin Stark/Büchergilde
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Von Walhall bis zu den Nornen: Ein Stammbaum wie eine Leitmotivtafel.

Bilderbogen „Ring des Nibelungen“

Weißt du, was daraus wird

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Hier steht alles, alles schwarz auf weiß: Martin Starks fabelhafte Bilderbögen zu Wagners „Ring des Nibelungen“.

Eine Aufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist gegenwärtig besonders weit entfernt. Blicken wir also auf eine schlanke, schmale Variante für den Hausgebrauch, ohne Töne, mit sämtlichen, wirklich sämtlichen Wörtern. Dazu alles Wesentliche im Bild.

Es ist geradezu ironisch, wie wenig Platz der Offenbacher Künstler Martin Stark und die Herausgeberin des Büchergilde-Bilderbogens, Cosima Schneider, dafür brauchen: Es handelt sich um vier feste, sehr große, gefaltete Blätter für den Vorabend sowie die drei Abende der Tetralogie, dazu kommt ein fünfter Bogen, der den „Stammbaum“ der Figuren zeigt. Zusammengeklappt passt das in einen schmalen, schmucken Schuber. Auf einer Seite jeweils die prächtigen, ausgeklügelten Bilder von Martin Stark, auf der anderen das Libretto, das gesamte Libretto. Die Punktzahl ist entsprechend klein, aber man kann jedes Wort lesen, in der „Götterdämmerung“ also von „Welch Licht leuchtet dort“ bis „Selig gilt dir mein Gruß!“, ohne ein einziges Mal umzublättern, wobei natürlich auch keine Regieanweisung fehlt.

Das Große, wer hätte das gedacht, wird dabei nicht klein, es wird nur für einen Moment zusammengepresst. Da die Vollständigkeit erhalten bleibt, wirkt es umso energiegeladener. Starks kraftvolle, glasklare Bilder, schwarz und weiß mit Gold dazwischen, sind kubistisch auf Zack. Das spielerisch Piktogrammhafte spiegelt womöglich die Leitmotivtechnik wider, eine Ordnung, die ja nicht eingrenzt, sondern im Gegenteil erweitert.

Die Bögen:

Martin Stark: Der Ring des Nibelungen nach Richard Wagner. Hrsg. v. Cosima Schneider. Büchergilde Bilderbogen 2020. 60 Euro.

Es scheinen Wimmelbilder für Erwachsene zu sein, aber wie das Textbuch auf der einen Seite folgen auch die Zeichnungen auf der anderen einem großen Plan, planvoll ins kleinste Detail. Feine goldene Linien leiten durch die Blätter – das wäre in der Sache nicht nötig, aber es ist spannend und lässig wie die Seile der Nornen. Um die Blätter herum werden Hinweise auf die Namen gegeben. Keine Szene scheint zu fehlen, wer sich auskennt – und darauf darf der Künstler setzen –, muss nur den Anfangspunkt finden, um sich an den goldenen Seilen oder der schieren Logik entlanghangeln.

Beim hochformatigen „Rheingold“ (48 x 66 Zentimeter) ist es ein Zickzack, das das Oben und Unten der Handlung perfekt nachvollziehen lässt. Hier können die Bilder noch großzügig sein. In der „Walküre“ (66 x 48) wirbelt das Geschehen um Brünnhilde im (goldenen) Feuerkreis herum. Die Abschiedsszene zwischen Wotan und Brünnhilde ist viel größer als der Wald, Stark macht schon klare Setzungen.

Ein Wanderpfad mit einem krass stacheligen Drachen im Zentrum des fast quadratischen Plans ist „Siegfried“ (66 x 72), jetzt wird es detailliert, aber alles ist da. Der Bär schreckt Mime, springt aber auch wieder in den Wald. Beim Bewundern der nie gedrängt wirkenden, immer wie selbstverständlich arrangierten Fülle wird einem natürlich auch klar, in welchem Ausmaß Stark keinen Funken hinzu erfindet. Hier herrscht die reinste Werktreue, die Essenz ohne Auslassung. Dabei sind Starks Bilderbögen keine Huldigung im engeren Sinne. Siegfried ist ein noch dazu wachsender Muskelmann, Mime ein hektischer Wicht, der noch dazu auf den Hintern plumpst, als der Notung-Schmied den Amboss zerhaut. Dennoch bleibt Stark zurückhaltend und nüchtern. Davon träumen viele Regisseure, aber auf der echten Bühne funktioniert das selten oder nie.

„Götterdämmerung“ (96 x 66), der größte Bogen, ist ein beträchtliches Querformat, das die Ereignisse beiderseits des Rheins anordnet. Man kann es nicht nur drehen und wenden, wie man will, man muss sogar: Das sind Papiertheaterarrangements, die auch daran erinnern, dass der unmittelbare Blick auf eine Bühne immer vielfältiger und freier ist als der Blick der Kamera es bietet.

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