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Frankfurter Lyriktage

Weiße Widerstandsnester schießen empor

Die Poesie wächst und gedeiht: Frankfurts Lyriktage starten mit Jan Wagner und dem Ensemble Modern.

Das nennt man ein glückliches Händchen. Als Marcel Beyer vor zwei Jahren die Frankfurter Lyriktage eröffnete, dauerte es zwar noch ein paar Monate, bis er den Georg-Büchner-Preis bekam. Zur Eröffnung der nächsten, 5. Runde war jetzt aber alles punktgenau. Zwei Tage nach der Zuerkennung des Büchner-Preises bestritt Jan Wagner im Dominikanerkloster ein eigenwilliges Lesungs-Konzert, begleitet – wie 2015 Beyer – vom Ensemble Modern.

Im bestgekühlten Raum der Stadt, während man sozusagen zum ersten Mal an diesem Donnerstag klar denken konnte, entwickelte sich ein elegantes Duett, bei dem die Musik von Carola Bauckholt – teils eigens für den Abend arrangiert – nicht in den Vordergrund drängte, aber doch sanft auf Eigenständigkeit beharrte. Sie erwies sich nicht als illustrativ, auch wenn es seinen Charme hatte, wie in Wagners „giersch“ (über das gleichnamige, im normalen Leben großgeschriebene und kleingehaltene Unkraut) „irgendwo erneut ein weißes widerstandsnest emporschießt“ und die Musik es der robusten Pflanze gleichtat. Die menschliche Stimme ist allerdings schnell im Nachteil, wenn acht Instrumentalisten, hier dirigiert von Pablo Druker, am Werk sind. Riskant insofern die Überblendungen, wirklich bedauerlich aber nur zum fabelhaften Abschluss mit „husky“, einem unveröffentlichten und darum noch nicht nachlesbaren Gedicht. Die Instrumente in „Laufwerk“ jaulten so perfekt dazu, dass es eine Lust war, aber der Textschluss ging jedenfalls im unwiderstehlichen Gejapse flöten. Wenn es spannend werden soll, muss man solche Dinge gewiss hintanstellen.

An anderer Stelle („pferd“) hörte man das Tier womöglich doch trappeln, und schön unzufällig tauchte in Bauckholts „Geräuschtöne“ für Violine, Cello und Percussion im milden Geblubber alsbald auch Wagners „qualle“ auf („nur ein prozent trennt sie von allem, was sie umgibt“). In den „chor der waldarbeiter“ kreiselte das „Laufwerk“ hinein, die mildeste aller Sägen, aber doch als solche vorstellbar.

Die verwendeten Stücke Bauckholts kombinierten ja ziemlich überzeugend das Befremdliche mit dem sinnlich unmittelbar Ansprechenden. Man verstand sozusagen alles, wusste aber nicht immer, was. Wagners Verse wirkten in diesem Umfeld noch weniger brüsk als sonst. Das Wortlose der Instrumentalmusik (bei der die Musikerkehlen bisweilen gefragt waren) betonte die Raffinesse, das restlos Durchgearbeitete von Wagners Sprache.

Der Autor selbst, wie man hier erleben konnte, rezitiert mit Bodenhaftung und angenehm untheatralisch.

Frankfurter Lyriktage: bis 1. Juli.
www.frankfurter-lyriktage.de

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