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„Die Frauen in der Weimarer Republik waren ungewöhnlich denkfreudig, frivol und mitunter auch wenig zimperlich“, schreibt Katrin Wilkens – und meint damit auch die Pilotin Elly Beinhorn (1907-2007).

Feminismus

Von wegen frei: Vom schwierigen Wiedereinstieg in den Beruf

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Katrin Wilkens hat eintausend Frauen geholfen, den passenden Job zu finden. In ihrem Buch „Mutter schafft“ schreibt sie über die Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Beruf, das Erbe des Feminismus und warum es sie nervt, dass Frauen immer noch nur die Hälfte der Rente bekommen. Ein Auszug.

Feminismus, Gender-Mainstreaming, Pussy-Hut-Träger. Es ist egal, wie man das Kind nennt. Wenn man sich mit der Identität von Frauen beschäftigen will, kommt man nicht umhin, sich auch mit Feminismus zu beschäftigen – obwohl kaum ein Begriff einen derartigen Hautgout aufweist wie Feminismus. Hautgout-Worte nennt man in der Psychologie auch Trigger, weil sie neben ihrer eigentlichen Bedeutung noch weitere Assoziationen transportieren. „Feminismus“, das assoziieren viele fast automatisiert mit „lila Latzhose“, „lesbisch“ und „männerhassend“.

„Frauenrechteliebend“ denkt niemand, und dabei war genau dies immer das größte Ziel der Feministinnen. Vor 150 Jahren wurde erstmals begonnen, für weibliche Rechte einzutreten. Erst ging es um Teilhabe am Wissen, dann um das Wahlrecht, schließlich um das Recht auf Abtreibung. Und heute kämpft der Feminismus hauptsächlich gegen Sexismus. Rentengleichheit, Gender-Gap und Wiedereinstiegschancen sind hingegen höchstens Randthemen. Überhaupt: Rente, auch so ein Trigger-Begriff. Da könnte man auch gleich Kukident sagen oder präfinal.

Frauen können sich nicht freimachen vom Feminismus

Es ist aber so ein bisschen wie mit der These des Kommunikationspsychologen Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. Oder um mit der Mode zu sprechen: Man kann sich nicht kleiden, ohne nicht etwas über sich auszusagen. Man kann keine Kunst betreiben, ohne sich dabei mit einzubringen. Man kann keine Kinder erziehen, ohne die eigene Kindheit im Blick zu haben, selbst wenn man komplementär erziehen würde. Und als Frau kann man sich nicht freimachen vom Feminismus. Selbst wenn ich mich abgrenze, definiere ich mich über die Abgrenzung zur Feministin. Unsere Werte haben so viel mehr mit soziologischen als individuellen Parametern zu tun, dass wir eigentlich fremdgesteuerte Wesen sind. Wir wollen es zum Glück nur nicht so wahrhaben.

Drei Epochen des Feminismus

Der Feminismus hat sich, grob gesagt, in drei Epochen entwickelt. Diese Entwicklung ein wenig zu kennen, hilft zu verstehen, was bislang erreicht wurde – und was noch zu tun ist.

„Die Perspektivlosigkeit der unverheirateten Frauen des Bürgertums war einer der Hauptgründe für die Entstehung der bürgerlichen Frauenbewegung“, schreibt Herrad Schenk in ihrem Werk „Frauen. Ein historisches Lesebuch.“ Und so begann die erste Welle des Feminismus Ende des 19. Jahrhunderts – erstmals wurde systematisch für die Grundrechte der Gleichberechtigung gestritten: das Recht auf Bildung (und damit auf einen qualifizierten Beruf) sowie das Wahlrecht (damit durften Frauen erstmals eine politische Meinung haben und auch vertreten). 1893 gab es erstmals Gymnasialkurse für Frauen, 1909 durften sie erstmals studieren und ab 1919 deutschlandweit wählen.

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Katrin Wilkens:  Mutter schafft! – Es ist nicht das Kind, das nervt, es ist der Job, der fehlt. Westend Verlag, 240 S., 18 Euro.

Die Frauen in der Weimarer Republik waren ungewöhnlich denkfreudig, frivol und mitunter auch wenig zimperlich. Wichtige Vertreterinnen waren beispielsweise Erika Mann, Journalistin und Tochter von Thomas Mann, Elly Beinhorn, eine Pilotin, oder Margarete von Wrangell, die erste Professorin an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim. All diesen Frauen wohnte ein Pioniergeist inne, eine Tatkraft, ein wütender Hunger nach Freiheit außerhalb der eigenen Familie. Warum ich das aufschreibe? Weil bei jedem erfolgreichen Manager mindestens fünf angefangene Biografien auf dem Nachttisch liegen. Weil Männer über Beispiele posen. Und weil es uns Frauen guttut, sie in diesem Punkt zu kopieren – Vorbilder bilden.

Wer nachvollziehen will, was ich mit denkfreudig und frivol meine, dem sei die Biografie der Künstlerfrau Alma Mahler-Werfel empfohlen. Sie war das, was man heute Künstler-Groupie nennen würde. Sie scharte so viele Künstler und Maler um sich, dass es ihr in ihren Erinnerungen nicht schwerfiel, schnell zu diesem und jenem Kunstwerk eine ich-starke Meinung rauszuhauen. Alma Mahler-Werfel war Künstlermuse und Kritikerin in einem, und ganz sicher kann man eines posthum über diese Frau behaupten: Eine Meinung hatte sie. Und damit war sie solitär in ihrer Generation, denn der erste Grundsatz über Frauen lautete: Man solle sie sehen, aber nicht hören. Eine Meinung war also nichts anderes als Befreiung. Und jede laut geäußerte Meinung war ein erkämpfter Schritt dahin, dass heute Angela Merkel Bundeskanzlerin ist und Heidi Klum mit 46 Jahren im Bikini posiert. Je nachdem, was einem wichtiger ist.

Warum schreibe ich so viel über Künstlerinnen? Kunst hatte in Europa damals eine andere Funktion, als sie heute hat. Sie war weniger Dekoration (und Inszenierung) als vielmehr Politik und Sichtbarmachung einer kulturellen Identität. Selbst ein olles Stillleben konnte politisch aufgeladen werden. Heute übernehmen die Medien diese Funktion, deshalb wird Kunst immer mehr zu einem unpolitischen oder kapitalistischen Akt. Früher war Kunst oft die einzige Quelle aktiver zeitgenössischer Kultur – und deshalb muss man eigentlich nicht über Künstler schreiben, sondern über Zeitzeugen. [...]

Vielleicht bedingen sich solche Biografien und der frühe Feminismus trotzdem gegenseitig. Weil starke Frauen Rechte einforderten, hatten sie Erfolg, und dieser Erfolg beflügelte sie weiter und ließ sie das Fundament erkämpfen, auf dem wir heute selbstverständlich stehen: Wir lernen in Schulen und Universitäten dasselbe wie Jungs, haben einen Beruf und ein fortschrittliches Scheidungsrecht.

Frauen im Nazi-Regime: Zum Gebären auserkoren

Das Nazi-Regime war dann ab den dreißiger Jahren ein einziger barbarischer Rückschritt, auch für die Frauenfrage. Frauen galten als „Fruchtschoß“ des Dritten Reichs, die lediglich von der Natur dazu auserkoren waren, dem Führer frische Soldaten zu schenken. „Das Wort Frauenemanzipation ist nur ein vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort“, wetterte Hitler, „die deutsche Frau brauchte sich in den wirklich guten Zeiten des deutschen Lebens nie zu emanzipieren.“ Und Heinrich Himmler gab die Gebärroute vor: „In einem richtig gebauten Staat ist das Weib, das nicht geboren hat, unehrenhaft.“

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Mütterlichkeit wurde zu einer heiligen Aufgabe: Indem die Frau gebiert, sollte sie der deutschen Rasse Unsterblichkeit schenken. Oder Kanonenfutter für den Krieg produzieren? Auf alle Fälle machte der Zweite Weltkrieg die Frauen auf eine ekelhafte Weise emanzipiert, wie es heute in unserer Rundum-Wohlfühlwelt zwischen Grillkäse und Dinkelkeksen kaum vorstellbar scheint. Wir leben seit Jahrzehnten in einer historisch sehr langen Periode des Friedens, zum Glück. Aber manches entwickelt sich zugleich unfreiwillig rückständig.

Es gibt Denkansätze, die legen dar, dass die lange Periode ohne Krieg in Europa Grund für eine derzeitige „Verbiedermeierung der Geschlechter“ ist, dass man zum Beispiel in den zwanziger Jahren viel engagierter in Frauenrechtsfragen war, als es heute interessieren würde. Der Krieg ruft Kräfte hervor, von denen man sich in Friedenszeiten nicht vorstellen kann, dass man sie hat, so traurig, wie das ist. Der Essayist Wolf Lotter schreibt dazu: „So einflussreich etwa in den USA und Großbritannien die ‚Suffragettenbewegung‘ auch in der Presse und in politischen Zirkeln war, für die Gleichberechtigung waren die beiden Weltkriege von 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 wohl entscheidender. Frauen dominierten in der Kriegswirtschaft die Produktion, und sie ersetzten Männer auch im Büro – vor dem Ersten Weltkrieg kaum vorstellbar. Nach 1945 war das schwer rückgängig zu machen.“ Und doch kriegte Mann es hin.

Betty Friedan und die Refeminisierung im Deutschland der 1960er Jahre

Katrin Wilkens hilft Müttern, nach der Babypause einen Job zu finden.

In Deutschland wurde der Wiederaufbau gestartet, ein Unterfangen, das ohne emanzipierte, zupackende Frauen nicht möglich gewesen wäre. Und trotzdem schwappte ab den sechziger Jahren eine Refeminisierung zu uns, die von der amerikanischen Psychologin und Soziologin Betty Friedan „das Problem ohne Namen“ genannt wurde: „Es war eine seltsame Erregtheit, ein Gefühl der Unzufriedenheit, eine Sehnsucht, worunter die Frauen in den Vereinigten Staaten um die Mitte des 20. Jahrhunderts litten. Jede der in den Vororten lebenden Ehefrauen kämpfte für sich allein dagegen an. Wenn sie Betten machte, einkaufen ging, Stoff für neue Schonbezüge ausmaß, mit den Kindern Erdnußbutterbrote aß oder sie mit dem Auto zu ihren Pfadfindergruppen brachte, wenn sie nachts im Bett lag – immer scheute sie sich, die leise Frage zu stellen: ‚Ist das alles?‘" Friedan beschreibt die Ödnis der amerikanischen Vorstadt und unterschlägt dabei, dass die ein oder andere amerikanische Vorstadtfrau vielleicht mit dem Angebot ihres Lebens ganz zufrieden war: Kinder, Eigenheim und Diätvorschläge.

Für Betty Friedan haben alle Frauen ein und dasselbe Problem, das Problem ohne Namen: „Das Problem ist, daß ich immer die Mammi der Kinder oder die Frau des Pfarrers bin und niemals ich selbst.“ Ja, es gibt Frauen, die in der Familienarbeit aufgehen. Und sie sind nicht einen Deut weniger wert als Frauen, die Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen wollen! Das Einzige, was sie weniger sind: rentenversichert. Abgesichert, für den Fall, dass dem Mann etwas zustößt. [...]

In den Nachkriegsjahren war die Rolle der Frau betonhart zementiert: „Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, daß sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen läßt“, hieß es in einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 1966. „Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen, zu denen die Unwissenheit der Eheleute gehören kann, versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.“ Kurz: Frauen wurden zum Sex per Gesetz gezwungen und sollten dazu bitte-schön auch noch rallig lächeln.

Zweite Welle der Frauenbewegung: Hungrige Wut ohne Facebook oder Google 

Hier setzt die zweite Welle der Frauenbewegung ab den sechziger Jahren an. Sie definierte sich hauptsächlich über den Grad der sexuellen Selbstbestimmung der Frau. Die Antibabypille wurde erfunden, die Abtreibung unter bestimmten Voraussetzungen legalisiert. Alice Schwarzer schrieb über „den kleinen Unterschied“ und Hannah Arendt vom „tätigen Leben“. Beiden Autorinnen war ein Beruf Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben, nicht im ökonomischen Sinn, sondern viel eher im philosophischen.

Was diese Ära besonders effizient machte, war die hungrige Wut der Frauen, mit der sie auf die Straßen gingen. Es gab kein Google, Facebook, Pinterest oder Handy, und trotzdem war die Publikationskompetenz dieser Frauen überragend. Frauenkreise, autonome Zirkel, Studentenparteien – die Frauen der zweiten Welle waren Netzwerkerinnen, wie sie im Buche stehen. Wenn es etwas gab, was sie noch besser konnten als Provokation und Politik, dann war es PR. Und sie waren erfolgreich!

Die Generation unserer Mütter und Großmütter kämpfte um das elementare Recht, im öffentlichen Raum gleichberechtigt zu sein. Dieser Kampf erforderte viel Langmut, die abschätzigen Bemerkungen der Männer zu ignorieren. So erscheint es nachvollziehbar, dass sich viele Frauen aus dieser Generation der heutigen Mütterblog-Latte-macchiato-Kultur nicht anschließen mögen. Meine Mutter sagte mal zu mir: „Ich habe da ja nie mitgemacht, aber manchmal denke ich: Wir haben euch einen Weg bereitet, den ihr heute selbstverständlich belustwandelt, mit irgendwelchen selbstbemalten Glückssteinchen von Etsy. Das ist zwar wahnsinnig dekorativ, aber verkennt manchmal, wie schwer es für uns war, über diesen Weg überhaupt erst einmal eine Planierraupe zu jagen.“

Dritte Welle: Der Feminismus verkapitalisiert 

Die dritte Welle setzt in den neunziger Jahren an und ist nicht „Revolution, sondern Evolution, nicht Erneuerung, sondern Weiterentwicklung“, wie es in der Autowerbesprache heißen würde, wenn man ein Modell als brandneu verkaufen muss und dafür keinen besseren Marketingclaim hat. Der Feminismus verkapitalisiert. Viel hat hierzu die Popkultur beigetragen: Androgyn wurde hip und der metrosexuelle Mann ebenso. Zunehmend erlebten es auch die Männer als diskriminierend, wenn sie von den Themen Kindererziehung, Haushalt und Familie ausgeschlossen werden. [...]

Heute, in der Trump-Zeit, tragen Frauen absurd pink gestrickte Wollmützen, um damit die vierte Welle des Feminismus einzuläuten. Feministinnen wie Laurie Penny setzen Antikapitalismus und Feminismus gleich und versuchen, ein neues Gesellschaftsbild zu etablieren. Es ist ein vulgäres, brutales und aggressives Frauenbild – nichts erinnert an die niedlichen Mütterblogs oder die vielen selbstgestrickten Megaschals auf Etsy.

Penny schreibt in ihrer Streitschrift Unsagbare Dinge über die moderne Frau: „Abgefuckte weiße Mädchen. Die Buchauslagen und Zeitschriftenständer in den Städten quellen über von Geschichten über abgefuckte weiße Mädchen, schöne kaputte Püppchen, die mit der Freiheit und den Chancen, die sie geerbt haben, nicht zurechtkommen, die armen Dinger. Wir fetischisieren diese Mädchen, fotografieren sie, retuschieren ihren geblähten Bauch und ihre spitzen Knochen. […] Das Scheitern ist zu einem Modeaccessoire geworden, einem Luxus. Dem Leben nicht gewachsen zu sein, ist cool. Das Koksen, das Saufen, die Essstörung, die hauchdünne transzendente Schönheit einer jungen Frau […]: Das ist mittlerweile fester Bestandteil des neoliberalen Weiblichkeitsmythos.“ Damit wird Penny zu einer der wichtigsten Ikonen des jungen Feminismus. Ihr literarischer und kultureller Wert besteht in ihrem unbarmherzigen Umgang mit Worten, der es erst ermöglicht, in einen Diskurs einzusteigen. Anders als die Feministinnen der siebziger Jahre liest sich Penny klar und deutlich wie ein Brigitte-Dossier und ist gleichzeitig so bissig und scharfzüngig wie die Titanic. Ohne Penny wäre die Feministinnenzunft ärmer und flacher und humorfreier.

Ihr gegenüber stehen Feministinnen wie die Philosophin Svenja Flaßpöhler, die mit einer neuen Weiblichkeit vor allem auch mehr Eigenverantwortung der Frau fordert. In einem Interview mit dem Spiegel prangert sie die „Vergeltungslogik“ der Frauen in der #MeToo-Debatte an: “#MeToo ist zunächst nur ein Schlagwort, und es ist bei Lichte betrachtet völlig unklar, was damit genau gemeint ist. Es wird der diffuse Eindruck erweckt, dass Frauen von einer strukturellen, männlichen Macht unterdrückt werden. Aber was heißt das eigentlich? Vor dem Gesetz sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Im täglichen Miteinander gibt es gewiss weiterhin eine Ungleichheit, aber für das Miteinander sind zunächst mal die Individuen selbst zuständig.“ [...]

Politik wird heute mehr zu einem Selbstinszenierungsmerkmal und verliert zugleich den Charakter des Allgemeinwesens. Wenn ich mich politisch äußere, dann lasse ich mich auch zu großen Teilen über mich selbst aus. Politik war noch nie so sehr wie heute auch ein narzisstischer Akt.

Mit dieser „ästhetisierten Politik“ verdienen Feminismusikonen auch ihr Geld: Penny zum Beispiel ist ein Konsumprodukt, deren Marktwert maßgeblich davon abhängt, wie viel Follower sie hat, wie viele Twitter-Nachrichten pro Tag sie rausschießt und zu wie vielen Podiumsdiskussionen sie eingeladen wird, weil sie eine provokative These im Gepäck hat. Dass sie sich nur um schwarze, benachteiligte, alleinerziehende Frauen kümmert, ist geradezu rührend verlogen. Sie kümmert sich auch um sich, und das sehr geschäftstüchtig. Nun ist Kommerz zunächst nichts, wofür man eine erfolgreiche Zeitkritikerin tadeln sollte. Schwierig beziehungsweise kariös wird ihre Argumentation nur, wenn sie behauptet, dass Feminismus immer auch Antikapitalismus bedeuten müsse. Dann darf sie den Kampf, den sie gegen den Kapitalismus führt, nicht ausgerechnet mit den Mitteln des Kapitalismus führen. Und soziale Medien, die Hauptverbreitung ihrer Thesen, sind ein Amalgam aus Narzissmus, Kapitalismus und (medialer) Gewalt. Auch eine Bloggerin hat Macht.

Zur Person

Katrin Wilkens ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für die Zeit, den Spiegel und die Süddeutsche Zeitung. Wilkens wurde 1971 geboren, studierte Rhetorik und arbeitete als Trainerin in der Weiterbildung. Sie hilft Müttern, nach der Babypause einen Job zu finden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hamburg.

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