Hans-Joachim Maaz

Wege aus dem falschen Leben

  • vonChristian Eger
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Der Psychiater Hans-Joachim Maaz, bekannt geworden mit seinen Überlegungen zum „Gefühlsstau“, blickt in seinem neuen Buch auf die Gegenwart.

Dass wir immer auch „falsch“ leben, ahnen wir dunkel – zu fremdbestimmt, zu selbstvergessen, zu wenig mitmenschlich orientiert –, aber es fehlen die Begriffe, dieses Erleben in Worte zu fassen, aus dem Ahnen ein Wissen zu machen, das nicht nur zu Beschwerden, sondern Korrekturen führt. Hier soll geholfen werden: „Das falsche Leben. Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“ heißt das neue Buch des Psychiaters Hans-Joachim Maaz, 74.

Maaz war über viele Jahre als Chefarzt am Diakoniekrankenhaus in Halle tätig und er gehört zu den wenigen ostdeutschen Stimmen, die deutschlandweit zur Kenntnis genommen worden sind. Sein Buch „Der Gefühlsstau“ (1990) war ein vielzitierter Beststeller.

Man darf sich von dem wissenschaftlichen Untertitel des neuen Buches nicht abschrecken lassen. Im Gegenteil. Was Maaz bietet, ist eine Summe seiner jahrzehntelangen „Seelenarbeit“. In diesem für Laien leicht lesbaren, nachvollziehbar erklärenden Werk hat man den populären Denker ganz. Seinen analytischen Blick auf die Störungen des Selbst, die die „normopathische“ Gesellschaft am Laufen halten. Sein Plädoyer für eine Beziehungskultur, die dem sozialen Wesen, das der Mensch vor allem ist, zur Entfaltung führen könnte.

Hochaktuell sind die politischen Einlassungen. Weder feiert Maaz die ostdeutschen Spitzenpolitiker Merkel und Gauck als Erlöser, noch die „Willkommenskultur“ als einen realpolitischen Segen. Eine ungeordnete, nicht reflektierte Einwanderung gilt Maaz als ein verlogenes Versprechen, als „der falsche Weg in ein falsches Leben“.

Er selbst sucht nicht die Deckung. „Meine Selbstentfremdung“ heißt das Abschlusskapitel, in dem Maaz sich selbst die Leviten liest. Ein bei aller Härte im Urteil anregendes, streitbares, sehr ernsthaftes Buch.

Hans-Joachim Maaz: Das falsche Leben. Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft. C. H. Beck, München 2017. 256 S., 16,95 Euro.

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