Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hilary Mantel erzählt auch von Frauen, die wenig Bewegungsspielraum haben.
+
Hilary Mantel erzählt auch von Frauen, die wenig Bewegungsspielraum haben.

Hilary Mantel "Die Ermordung Margaret Thatchers"

Warum lässt sie ihn bloß rein?

Prächtige, auch unheimliche, auch bizarre Erzählungen von Hilary Mantel, die auf der kurzen Strecke ebenso überzeugen kann wie sonst im großen historischen Roman.

Von Christine Schneider

Als Schriftstellerin hat Hilary Mantel einen langen Atem, aber auch auf kurzer Strecke überzeugt sie. Das zeigt sich in dem Erzählungsband „Die Ermordung Margaret Thatchers“. Wie man sich vorstellen kann, hat dieser Titel im konservativen England Aufsehen erregt, mehr aber noch im Ausland, das sich die Aufregung des konservativen Englands offenbar lebhafter vorstellt, als sie ist. Während das konservative England andere Probleme hat.

Tatsächlich erzählt die Titelgeschichte, die letzte im schmalen Band, als hätte man es spannend machen wollen, von einem Attentat am 6. August 1983. Insofern lässt sich doch zur Beruhigung der Gemüter sagen: Es ist ja nichts passiert. Der Schütze nistet sich unter einem dürren Vorwand in der Wohnung der Ich-Erzählerin ein. Dass sich die Erzählerin das bieten lässt, ist eine aparte Konstante im Band. Einerseits schickt Mantel selbstbewusste, energische Menschen in alltägliche und weniger alltägliche Abenteuer, andererseits sind sie oft merkwürdig passiv.

Auch ist ihre Einsamkeit groß. Sie muss der Grund dafür sein, dass die britische Ehefrau in Dschidda anfängt, regelmäßig mit einem Fremden zu plaudern, der rasch mal ihr Telefon benutzen wollte. Die beengte Situation in einem Land, in dem eine Frau Schwierigkeiten hat, alleine das Haus zu verlassen, wird ebenso deutlich wie lakonisch geschildert. Offen bleibt, was er will. Die Frau bittet dann aus Scheu und Bequemlichkeit ihren Mann, ihn von ihr fernzuhalten, ironischer Kommentar ihrer Kritik am Alltag der Araberinnen.

Während die Figuren sich treuherzig geben, ist ihnen menschliche Tücke nicht fremd, Gemeinheiten am Arbeitsplatz, das Ausnutzen der Gelegenheit für einen Seitensprung, das Quälen eines mutmaßlichen Behinderten. Zwischen den psychologisch ausgefeilten Stücken, die teils durchaus zu Mantels Lebensumständen passen – mehrere Jahre lebte sie in Saudi-Arabien –, befinden sich kleine Schauergeschichten. Bei dem Unfall mit dem Taxi ist gar kein Reh überfahren worden. Das sind dann Fingerübungen, aber wohl dem, der solche Etüden fertig bekommt.

Hilary Mantel: Die Ermordung Margaret Thatchers. Dt. v. Werner Löcher-Lawrence. DuMont. 158 S., 18 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare