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Teilt ihre Liebe zum Buch über ihren Blog: Sophie Weigand.
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Teilt ihre Liebe zum Buch über ihren Blog: Sophie Weigand.

Buchmesse 2016 Blogbuster-Wettbewerb

Der Wandel in der Blogosphäre

Zum ersten Mal findet in diesem Jahr der Blogbuster-Wettbewerb statt. Zusammen mit einer Fachjury entscheiden 15 LiteraturbloggerInnen, welches Buch Potential hat und verlegt wird. Eine von ihnen ist Sophie Weigand. Wir treffen sie kurz vor der Pressekonferenz.

Von Maike Brülls

Viele Menschen steht im Orbanism Space in Halle 4.1 herum. Es wird gerempelt und gedrängelt,  alle wirken hektisch, reden schnell und laut, gestikulieren. Sophie Weigand geht ruhigen Schrittes zwischen alledem hindurch, sie lächelt entspannt. „Wow, voll hier“, sagt sie. „Bin ich froh, dass ich morgen durch bin und nach Hause kann.“

Es ist Freitag 15 Uhr. In einer Stunde ist die Pressekonferenz zum Wettbewerb „Blogbuster“, der dieses Jahr das erste Mal stattfinden wird. Junge AutorInnen können ihr unveröffentlichtes Manuskript einreichen. Das geht dann weiter an einen von 15 LiteraturbloggerInnen, die es lesen und bewerten. Gefällt es ihnen, stellen sie es einer Fachjury vor. In der sitzen die Literaturagentin Elisabeth Ruge, Lars Birken-Bertsch von der Frankfurter Buchmesse, Tom Kraushaar vom Klett-Cotta Verlag, der ARD Literaturkritiker Denis Scheck und Literaturblogger Tobias Nazemi. Von letzterem kam auch die Idee zu dem Wettbewerb. Die Jury entscheidet dann, welches der Manuskripte das größte Potential hat, um bei Klett-Cotta verlegt zu werden.

Die Liebe zur Literatur voll ausleben

Zu den 15 teilnehmenden BloggerInnen gehört auch Sophie Weigand. Seit 2011 schreibt die 27-jährige Buchhändlerin den Blog literatourismus.net. Seit zwei Jahren studiert sie außerdem Literaturwissenschaften im Fernstudium. Die Liebe zum Buch lebt sie voll aus. Dass sie schon oft auf der Buchmesse war, sieht man ihr an, sie ist ein Gegenpol zu all den aufgekratzten Menschen um sie herum. Beim Gang durch die Halle nickt sie einigen Leuten zu, alle nicken zurück. Neu ist das alles für sie nicht. Aber selbst mal eine Literaturagentin sein, wie jetzt im Wettbewerb, das ist neu. „Ich bin schon gespannt auf die Manuskripte“, sagt sie. „Und ich finde es super, dass Bloggern so eine Möglichkeit gegeben wird.“

Selbstverständlich ist das nicht. Vor allem im Feuilleton sind Blogs oft verschrien, sie seien ein Sammelsurium von schlechten Texten über schlechte Literatur, geschrieben von schlecht ausgebildeten Leuten. „Bei der Diskussion 'Feuilleton versus Blogger' drehen wir uns seit einigen Jahren im Kreis“, sagt Weigand. „Können nicht einfach zwei Sachen nebeneinander existieren, die einen anderen Zugang haben, wie sie Literatur an wen vermitteln? Müssen sich immer zwei Sachen gegenseitig auslöschen?“ Auch die Verlage haben die Blogs lange nicht ernst genommen. Erst seit einigen Jahren stehen auch BloggerInnen in den Presseverteilern mancher Verlage, werden zu Events eingeladen und bekommen Rezensionsexemplare.

Blogs werden endlich ernst(er) genommen

Diesen Wandel hat Sophie Weigand miterlebt. Vor fünf Jahren startete sie ihren Blog. Eigentlich war der als eine Art Gedächtnisstütze gedacht, um sich selbst an den Inhalt des gerade gelesenen Buches und das eigene Empfinden zu erinnern. Mittlerweile ist er deutlich mehr als das, er wird im Monat über 16.000 mal aufgerufen, bei Facebook liken 3800 Personen ihre Seite. Sie geht auf Events, darf den Deutschen Buchpreis als offizielle Buchpreisbloggerin begleiten – und wird eben auch zu Wettbewerben wie dem „Blogbuster“ eingeladen. LeserInnen von Literaturblogs wie ihrem schätzen die Persönlichkeit in den Texten, die Meinung der AutorInnen. Hat man einen Blogger oder eine Bloggerin gefunden, die den eigenen Geschmack teilt, kann man über die Rezensionen neue Bücher für sich entdecken – oder herausfiltern, was wohl nichts für einen ist. Außerdem werden oft Bücher besprochen, die in den Feuilletons nicht vorkommen, wie Nischen- oder Independent-Literatur.

Wie groß der Einfluss der Blogs auf den Buchmarkt tatsächlich ist, ist trotz der großen LeserInnenschaft schwer einzuschätzen. „Blogger haben einen Einfluss auf den Buchmarkt, weil es die Diskussion über Bücher öffnet“, sagt Weigand. „Was die Verkäufe anbelangt, kann ich den Einfluss aber nicht einschätzen. Bei einem Verlag wurde mir mal gesagt, sie wüssten auch bei Werbeanzeigen und Rezensionen im Feuilleton nicht, was da jetzt wie die Verkaufszahlen beeinflusst hat.“ Wichtig sind Weigand solche Zahlen nicht. Sie will ihre Freude am Buch weitervermitteln.

Mittlerweile ist es kurz vor 4 an diesem Freitag in Halle 4.1. Sophie steht langsam von ihrem grauen Stuhl auf, nimmt ihren roten Rucksack auf den Rücken und geht zur Bühne, wo die Pressekonferenz stattfindet. Viele Leute sind schon da. Neugierige Gesichter blicken sie an. Vielleicht werden einige bald ein Manuskript einschicken und am Wettbewerb teilnehmen.

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