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Was wäre gerecht?

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Bücher können Spaß machen.
Bücher können Spaß machen. © REUTERS

Der Deutsche Jugendliteraturpreis ist bisher nicht wirklich ausgewogen, nun führt er eine neue Kategorie ein.

Von Cornelia Geißler

Der Deutsche Jugendliteraturpreis feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Da wird nun verschämt eine neue Kategorie eingeführt, „Neue Talente“ heißt sie. Bewerben kann man sich bis Ende September, ausgezeichnet wird im nächsten Jahr. Die Ehrung gilt ausschließlich deutschsprachigen Autoren mit einem ersten Werk. Die Betonung des Deutschen mag seltsam klingen, wenn man bedenkt, dass der Preis ja sowieso vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftet wird, also der deutsche Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur ist.

Er wurde aber nie so behandelt. Die von Fachleuten vergebene Auszeichnung in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch sowie der Preis der Jugendjury ehrt generell im deutschsprachigen Raum erschienene herausragende Titel. Sie schmückt, was den deutschen Lesern zugänglich ist – das sind glücklicherweise etliche Bücher aus anderen Sprachen.

Von C wie Eric Carle

Von Eric Carle über Guus Kuijer bis Joanne K. Rowling kommt fantasievoller Lesestoff aus aller Welt sorgsam übersetzt in die hiesigen Buchhandlungen (und dazu noch jede Menge durchschnittliche Schmökerware). Der Preis, elf Jahre nach Kriegsende begründet, reflektiert diese Offenheit des deutschen Buchmarkts.

Doch lange schon stört hiesige Autoren, dass sie um diesen staatlichen Preis mit internationalen Kollegen konkurrieren müssen. Sie stehen im Wettbewerb mit Büchern, die sich in den eigenen Ländern bereits durchgesetzt hatten. Vor drei Jahren unterzeichneten deshalb mehr als 400 Schriftsteller und Illustratoren einen Brief an die Bundesministerin, in dem sie darum baten, die Kategorien zu verändern, auch Prominente wie Paul Maar und Klaus Kordon. Sie wünschten sich die Ehrung nur für deutschsprachige Autoren, ergänzt um eine Kategorie Übersetzung. Puh, was wurde damals geschimpft! Nationalistisch seien die Protestler, engstirnig.

Nun deutet das Börsenblatt des deutschen Buchhandels den jüngst erfundenen Sonderpreis als Reaktion auf den damaligen Protest. Doch wenn es eine Reaktion sein sollte, „Neuen Talenten“ deutscher Zunge eine Extra-Chance zu geben, dann ist es eine sehr unentschlossene Reaktion. Warum vergibt man die Preise nicht jeweils in zwei Sparten: national und international? Das wäre gerecht. Der Deutsche Jugendliteraturpreis ist die aufmerksamkeitsträchtigste Auszeichnung, mit der ein Buch für junge Leser in diesem Lande bedacht werden kann. Kein Wunder, dass auch die Autoren selbst sie sehr wichtig nehmen.

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