Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hilary Mantel, die mit ihrer Autobiografie die Geister endlich weggeschickt hat.
+
Hilary Mantel, die mit ihrer Autobiografie die Geister endlich weggeschickt hat.

Hilary Mantel

Vorhang zu, Teppich drauf

  • Barbara Klimke
    VonBarbara Klimke
    schließen

„Von Geist und Geistern“ erzählt die berührende Autobiografie der Schriftstellerin Hilary Mantel - und davon, wie sie letztere los wurde.

Es gibt viele Gründe für Romanciers, ihre Biografie zu schreiben. Hilary Mantel wollte die Geister vertreiben. Durch ihr Leben spuken Poltergeister, Haus-elfen und tintenklecksende Kobolde, aber auch tief beängstigende Phantome. Manche kennt sie namentlich: Jack, den Geist ihres Stiefvaters, der in ihrem Haus in Norfolk morgens um elf die Treppe hinunter flimmert; Olive, eine Verwandte ihrer Mutter, die in den Flammen umkam, als ihr Nachthemd Feuer fing. Catriona, das Wunschkind, das Hilary Mantel nie bekam. Der Tochter mit den Sommersprossen und ihren Brüdern, die eine „geisterhafte Möglichkeit“, „Papierbabys“, geblieben ist, wie sie schreibt, räumt sie so viel Platz in ihrem Leben ein, dass sie die Vorratskammer mit Essen füllt und die Schränke mit Bettwäsche.

Einen Flügelschlag entfernt

Wer die Werke Hilary Mantels kennt, ist mit solchem Spuk vertraut. In den Romanen „Wölfe“ und „Falken“, beide mit dem Booker-Preis, dem wichtigsten britischen Literaturpreis, ausgezeichnet, spürt der Protagonist, Thomas Cromwell, seine verstorbene Frau und toten Töchter manchmal ebenfalls nur einen Federhauch oder Flügelschlag entfernt. Tatsächlich aber ist Hilary Mantel überzeugt davon, dass wir alle Geister haben, die unter Teppiche kriechen oder hinterm Vorhang lauern. Oft sind dies, wie wir erst spät erkennen, die Geister anderer Leben, die wir ebenso gut hätten führen können. Zudem, glaubt sie, gibt es Phantome, von deren Existenz wir wissen, aber die nur schwer zu packen sind.

Mantel wuchs im mittelenglischen Derbyshire in einer irisch-katholischen Familie in bescheidenen Verhältnissen auf. Sie war ein empfindsames, später kränkelndes Kind, das die örtliche Klosterschule hasste und sich bei den autoritären, mit dem Lineal züchtigenden Nonnen „wie unter Geistesgestörten“ fühlte. Die Eltern trennten sich, als sie zehn war. Aber noch bevor der Vater das Haus verließ, zog der neue Stiefvater ein: Jack, ein Mann, der seinen eigenen Dämon hatte und der Shakespeare-Lektüre sowie Stampfkartoffeln verbot.

"Miss Niemalsgesund"

Ebenso prägend war die chronische, lange nicht entdeckte Krankheit Endometriose, deren Schmerzen sie seelisch wie körperlich veränderten. Jahrzehntelang versagten Ärzte bei der Diagnose, wiesen die als „Miss Niemalsgesund“ verhöhnte Kranke während des Studiums in die Psychiatrie ein, ehe sie ihr Leben durch eine Totaloperation und horrende Steroidgaben völlig verpfuschten. Ihre Autobiografie schrieb Mantel auch, um sich zu verorten – wenn nicht in ihrem nun aufgeschwemmten Körper, „dann im schmalen Zwischenraum zwischen einem Buchstaben und dem nächsten, zwischen den Zeilen, wo die Geister der Bedeutung leben“.

Es ist ein berührendes, zauberhaftes Buch: In dem Werk, das bereits 2003 im Original erschien („Giving Up the Ghost“) und nun in deutscher Übersetzung vorliegt, windet die großartige Schriftstellerin Hilary Mantel den Phantomen den Stift aus der Geisterhand. Sie hat, wie sie sagt, endlich „das Urheberrecht“ an ihrem Leben reklamiert. Und die Poltergeister, Elfen und Kobolde vor die Tür gesetzt.

Hilary Mantel: Von Geist und Geistern. Autobiografie. Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. DuMont, Köln 2015. 239 Seiten, 19,99 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare