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Börsenverein

Vor der „Woche der Meinungsfreiheit“: Verschiedene Ebenen, ein Thema

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Schon auch unbequem: Der Börsenverein und einige seiner Verbündeten stellen die „Woche der Meinungsfreiheit“ vor.

Es trifft sich gut, dass die unglückselige und unsympathische Aktion #allesdichtmachen im Raum steht, aber ebenso die heillos überzogene und dann auch wieder zurückgezogene Reaktion eines WDR-Rundfunkrats, der die Entfernung etwa des Schauspielers Jan Josef Liefers aus den ARD- (das heißt konkret offenbar den WDR-Münster-„Tatort“-)Diensten forderte. Vernunft, Empathie und der Sinn für die aktuelle Lage werden von der Aktion #allesdichtmachen zwar schwer herausgefordert. Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, nannte die dräuende Gegenreaktion gleichwohl zu Recht „unfassbar“ und einen Versuch der Einschüchterung.

Das trifft sich gut, denn: Wie einfach ist es, Meinungsfreiheit für die eigene Meinung zu fordern. #MehrAlsMeineMeinung heißt darum der Slogan (heute sagt man: Claim) der „Woche der Meinungsfreiheit“, die der Börsenverein zusammen mit einem Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Gruppen, Unternehmen und Einzelpersonen rund um und für eine „Charta der Meinungsfreiheit“ gestaltet.

Der Börsenverein, so Skipis am Mittwoch, setze sich schon lange für die Meinungsfreiheit ein, jetzt wolle man das Engagement erweitern, hoffentlich auch internationaler vernetzen, zudem für weitere Unterschriften unter die Charta werben, die bisher von 600 Privatpersonen und Einrichtungen unterzeichnet wurde. Beteiligt ist auch das PEN-Zentrum Deutschland, für das Regula Venske erklärte, Meinungsfreiheit müsse immer wieder verteidigt, aber auch ausgelotet werden.

Venske erinnerte an die akute Gefahr für den belarussischen Literaturwissenschaftler und Lukaschenko-Kritiker Aliaksandr Fiaduta, der in Moskau festgesetzt und unter absurdesten Anschuldigungen nach Belarus verbracht worden sei. Sie erinnerte an den Fall der Aktivistin Stella Nyanzi, die für ein Schmähgedicht auf Ugandas Präsidenten ins Gefängnis ging; Verse, die man obszön nennen könne, aber nicht mit Haft bestrafen. Ohnehin wurde deutlich, dass es darum geht, andere Meinungen auszuhalten, allerdings auch: Kritik an eigenen Meinungen auszuhalten, allerdings auch: die Kritik konstruktiver zu gestalten, als es im gemeinen Sturm im Netz Sitte ist. Überhaupt war die unbequeme Vermengung der Problemebenen im In- und Ausland eher nützlich. Sie rückt gerade, wie leichtfertig im Lande über Meinungsunfreiheit lamentiert wird, und macht trotzdem nachdenklich. Vorausgesetzt, man will nachdenken.

Eintracht-Präsident Peter Fischer sagte, Meinungsfreiheit sei auch kein Freifahrtschein und dürfe nicht mit Hass verwechselt werden (ferner gab er der Super League noch einen mit). Auch Autorin Jagoda Marinic wies darauf hin, dass es nicht auf ein mit Hass vollgestopftes trojanisches Pferd hinauslaufen dürfe. In der Woche der Meinungsfreiheit wird sie beim HR ihren Podcast „Freiheit deluxe“ starten, als geruhsame Gesprächssendung zum Thema.

Woche der Meinungsfreiheit: 3.–10. Mai. Programm und Charta unter: www.woche-der-meinungsfreiheit.de

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