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Von Nutzen und Nachteil des Grundgesetzes

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Von: Michael Hesse

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Eine Runde debattiert im Schauspielhaus über einen literarischen Kommentar-Band

Demokratie ist kein Egotrip.“ Das schreibt Sophie Schönberger in dem Buch „Das Grundgesetz. Ein literarischer Kommentar“. Das Buch ist soeben im Verlag C. H. Beck erschienen. Im Frankfurter Schauspielhaus debattierten am Mittwoch im Rahmen der Buchmesse mehrere Autoren des von Georg M. Oswald herausgegebenen Bandes. Es ging um den Nutzen und Nachteil der grundlegenden Ordnung des deutschen Staates. Auf der Bühne saßen Julia Franck, Jonas Lüscher, Ijoma Mangold, Angelika Nußberger und Feridun Zaimoglu, die Moderation übernahm Doris Renck von HR2. Verleger Jonathan Beck sagte zu Beginn, man wisse, „was wir am Grundgesetz haben“, der Gedanke, „es kann auch anders sein“, sei gerade in heutiger Zeit ins Bewusstsein getreten.

Herausgeber Oswald verwies darauf, dass das Grundgesetz ein Garant dafür sei, dass Menschen zusammenkommen könnten wie die Diskussionsrunde an diesem Abend. „Es geht darum, Meinungen anderer nicht nur auszuhalten, sondern so zu verstehen wie die eigenen, um ins Gespräch miteinander zu kommen“. Angesichts einer zunehmenden Sprachlosigkeit zwsischen Teilen der Gesellschaft sei dies wichtig für eine stabile Gesellschaft. Er habe immer ein Buch über das Grundgesetz für seinen Sohn schreiben wollen, daraus sei die Idee erwachsen, einen Kommentarband der besonderen Art zu verfassen mit Autorinnen und Autoren, die zum größten Teil Nichtjuristen sind.

Die Aufgabenstellung für das Team sei einfach gewesen: „Es ist wie bei Asterix. Schreib einfach, was dir durch den Kopf geht, wie beim inneren Stammtisch“, womit der Stab an den „Zeit“-Autor Ijoma Mangold weitergereicht wurde, Autor des gleichnamigen Buches. Er habe sich eigens den Artikel über Eigentum ausgesucht, hier habe er „Morgenluft geschnüffelt“, um sein „exzentrisches Temperament“ ausleben zu können, sagte Mangold. In der Tat strotzt die Textesammlung von subjektiven Herangehensweisen, kreativen Deutungen und überraschenden Einsichten. So erklärte Jonas Lüscher: „Es ging mir darum, etwas zu zeigen, was mir selber wichtig ist.“ Sein Beitrag galt der Schuldenbremse.

Unterbrochen wurde die Runde von kleinen Lesungen aus dem Buch. Da waren etwa Zeilen des früheren Verlegers Michael Krüger zu hören: „Könnte es sein, dass das Gesetz zu groß ist für den Menschen?“

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu machte darauf aufmerksam, dass man nicht stets in Jubelstimmung verfallen solle, wenn eine Institution wie das Grundgesetz gefeiert werde. „Etwas Nonkonformismus wäre gut“. Er verwies darauf, dass man nicht von den Lügen der Populisten sprechen sollte und zugleich die Lügen des Staates verschweigen dürfe. Besonders die NSU-Morde und die sich anschließende Aktenvernichtung führten ihn zu der Überlegung, dass „die Praxis des Staates, die Praxis derer, die dem Staat dienen“, im Blick behalten werden sollte.

Die Juristin Angelika Nußberger, vormals Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, betonte: „Demokratie kann sehr anstrengend sein.“ Autorenkollege Mangold brachte es am Ende der Runde auf den Punkt: „Das Stärkste am Grundgesetz ist, dass es funktioniert.“

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