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Vielleicht hilft Alkohol

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Lesung als Anforderung an Darstellungskunst: "Dichter Dran" im Oval Office

Von Jamal Tuschick

Sie ist kapriziös, zärtlich und so großzügig, dass man "umsonst in ihren Büschen pennen kann". Das behauptet Bud Rose von seiner Stadt, der er nahe kommt wie einer Geliebten. Als zur Minne entschlossener Galan tritt der eingefleischte Hamburger mit statuarischem Ernst auf. Er wirkt wie ein ausgekühlter Tangotänzer. Zugleich erscheint er als Bänkelsänger, der die norddeutsche Metropole wie einen Kontinent bereist. Ihre Boulevards sind seine Landstraßen. In ihre Bars kehrt er ein wie in Motels. Manchmal schaut das Meer nach ihm und signiert seine Stiefel mit einem Griffel aus Salz.

Bud Rose zeigte sich nun in Frankfurt, bei einem "Dichter Dran"-Treffen im Oval Office. Veranstalterin Petra Seynhard kündigte ihn mit allen Zeichen der Entzückung an. Den Überschwang schmückte ein Abendkleid, ein Rausch in Rosa.

So beging Petra Seynhard den 18. Monat ihres Engagements für ein literarisches Genre, das den Autoren schwere Präsentationspflichten auferlegt. Das Format verlangt eine darstellende Leistung. Die Aufmerksamkeit eines ungebundenen, der Kunst nicht per se zugeneigten Publikums muss erkämpft werden. In diesem Wettbewerb besteht nur, wer auf einem soliden Egotrip ist. Er braucht die Standfestigkeit und den Verkündungseifer eines Martin Luther. Vielleicht hilft Alkohol.

Jedenfalls brachte Bud Rose, "passend zur location", in einem Tresenpoem den "Genossen Wodka" mit "Señor (Tequila) Sunrise" zusammen, bevor er, feinfühlig und genau, auf Ilja Richter und die "Disco"-Ära zu sprechen kam.

Etwas weniger beherzt als der Hanseat auf Durchreise war Bernhard Bauser aus Offenbach. Im Brotberuf arbeitet der studierte Philosoph als Medientrainer. Entsprechend professionell ist sein Bühnenhabitus. Seine Texte verhandeln Kommunikationsstörungen: das uneigentliche Sprechen. "Einfach mal nur so Klartext gesprochen", lautet eine Zeile. Im Oval Office kam einiges als aphoristische Lyrik an. Manches hätte auch aus dem Stegreif assoziiert sein können, war aber von langer Hand vorbereitet.

Der Frankfurter Bassist und Balafonist Werner Smolinski deutete Bauser auf seine Weise und förderte so das Verständnis. Seine filigranen Zusätze zeichneten Bausers Textprogramm aus. Vielleicht geht es diesem Dichter tatsächlich darum, auf der profanen Folie von Alltagsanleihen einen Vergeblichkeitsprospekt zu errichten.

Nicht unterschlagen werden soll die spontane Einlage von Mervyn Seivwright, einem Mann mit drei Pässen und einem Job beim amerikanischen Militär. Er gab den wuchtigen Seelenführer und Rap-Poeten, oder, um einen Vers von ihm zu variieren, den Bergsteiger in der Tiefsee.

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