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Salman Rushdie wurde zur Frankfurter Buchmesse eingeladen.
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Salman Rushdie wurde zur Frankfurter Buchmesse eingeladen.

Salman Rushdie - Börsenverein

Es hat viel zu lange gedauert

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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Hätte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Salman Rushdie 1990 zu einer Keynote eingeladen, es wäre eine Demonstration für die Meinungsfreiheit gewesen

Die Frankfurter Buchmesse hat eine lange Leitung. Eine sehr lange. Als 1989 der iranische Ajatollah Khomeini eine Fatwa gegen Salman Rushdie aussprach und der Iran ein Preisgeld auf den Kopf des gotteslästerlichen Autors setzte, da lud die Buchmesse weder Rushdie ein noch den Iran aus. Es war auch nicht etwa Rushdie, der 1995 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam, sondern die mit dem Ehrenhalbmond der Islamischen Republik Pakistan dekorierte Annemarie Schimmel. Den Orden hatte sie aus der Hand General Mohammed Zia ul-Haqs entgegengenommen. Sie hatte öfter auf die Unterstützung dieses Mannes zurückgegriffen, der die Scharia als Rechtsgrundlage in Pakistan eingeführt hatte.

Zu keinem Zeitpunkt nahm der Börsenverein des Deutschen Buchhandels daran Anstoß. Nun also hat er Rushdie eingeladen. Rushdie soll bei einer am Tag der Eröffnung der Messe stattfindenden Diskussion über Meinungsfreiheit sprechen. So lang ist die Leitung des Börsenvereins. Die Wahrheit ist natürlich: Es ist jetzt eine andere Leitung. Vor allem aber hat die Weltlage sich geändert. Es geht nicht mehr um satanische Verse. Wie viele Kriege mussten geführt und verloren werden, bis der Börsenverein begriff, dass die Stimme eines Autors wichtiger sein kann als die Umsätze, die die Branche sich mit dem Iran erhofft? Aber wahrscheinlich ging es gar nicht darum. Es ging immer um Politik.

Hätte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Salman Rushdie 1990 zu einer Keynote eingeladen, es wäre eine Demonstration für die Meinungsfreiheit gewesen. Rushdie hätte wahrscheinlich nicht kommen können. Auf dem Video hätte er vielleicht nichts anderes gesagt, als er am 13. Oktober sagen wird.

Aber 2015 sind dieselben Worte eingebettet in einen neuen Kontext. Wir haben einen neuen Wettstreit der Systeme. Meinungs- und Religionsfreiheit, die Freiheit, überkommene Wahrheiten als schön oder weniger schön erdachte Geschichten zu betrachten, wird von den Kriegern für eine nichts als islamische Welt als Teufelswerk betrachtet. Ähnlich hielten es einst westliche Frömmler, als sie mit vergleichbarem Rassismus arabischen Fantasien von 1001 Nacht den Krieg erklärten. Es ist nie zu spät für Rushdie – ich freue mich auf ihn. Aber es hat doch verdammt lange gedauert. Die Reaktion des Iran zeigt uns, dass wir noch immer Grund haben, um sein Leben, das Leben eines der wichtigsten Autoren der Welt, zu fürchten.

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