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Schriftstellerin Alissa Walser.

Alissa Walser und Pablo De Santis

Ein viel zu großes Bier

Im Frankfurter Literaturhaus trafen sich Alissa Walser und der Argentinier Pablo De Santis zum Gespräch und zur Lesung.

Von Christoph Schröder

Was unternimmt man als Tourist in einer fremden Stadt? Klar, man geht ins Museum. Wenn man in Deutschland ist, trinkt man ein Bier und isst eine Wurst. In Argentinien dagegen, auch klar, trinkt man mit ganz alten Frauen einen Mate-Tee, lässt sich von den alten Zeiten erzählen und, ach ja, geht ins Museum. Was sonst sollte man auch machen?

Nun waren die Touristen keine gewöhnlichen Touristen, sondern Schriftsteller, die am unter anderem von literaturhaus.net und Goethe-Institut geförderten Stadtschreiber-Projekt „Rayuela“ teilnahmen. Aber auch, um eine Floskel zu vermeiden, Schriftsteller sind ganz normale Menschen; sie müssen Essen einkaufen und sich zurechtfinden. Ob man diese atemberaubenden Erfahrungsberichte dann auch öffentlich machen muss, ist eine andere Frage.

Im Frankfurter Literaturhaus trafen sich Alissa Walser und der Argentinier Pablo De Santis, dessen Bandbreite von Comics über Kinder- und Jugendbücher bis hin zu Kriminalromanen reicht, zum Gespräch und zur Lesung aus ihren jeweiligen im Rahmen des Projekts vor Ort getätigten Blog-einträgen (www.goethe.de/rayuela). Walser verbrachte drei Wochen in Posadas, einer Grenzstadt zu Paraguay; De Santis war in Frankfurt am Main zu Gast. Es lag nicht allein an den eher langweiligen Fragen der Moderatorin und erst recht nicht an der literarischen Qualität der Autoren, dass der Abend selten über einen Austausch touristischer Eindrücke hinauskam. Vielmehr scheint es, als sei das Konzept an sich von vornherein auf Überforderung angelegt – drei Wochen auf einem fremden Kontinent. Bis man sich da halbwegs zurechtgefunden hat, muss man schon wieder nach Hause. Keine Spur von ästhetischen Impulsen.

Also: sowohl Buenos Aires als auch Frankfurt liegen an einem Fluss. Der in Buenos Aires hat keine Brücken, der in Frankfurt schon, weswegen De Santis in seiner Faszination ständig zwischen den beiden Mainseiten hin und her wechseln muss. Der Mate-Tee, den man gemeinsam mit mehreren Menschen aus einem Blechröhrchen trinkt, kann am Abend zu Schlafstörungen führen. In Argentinien wird sehr viel Bus und sehr wenig Zug gefahren; die indigene Bevölkerung wird an den Rand der Gesellschaft gedrängt und kommt so gut wie gar nicht vor. Und in Frankfurt sind die Biere so groß, dass man sie nicht austrinken kann. Kleiner Tipp: Apfelwein bestellen. Beim nächsten Mal.

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