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Viel Druck, viel Stress

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Von: Florian Leclerc

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Bitte nicht drängeln: Es ist viel los auf der Buchmesse an den Publikumstagen am Wochenende.
Bitte nicht drängeln: Es ist viel los auf der Buchmesse an den Publikumstagen am Wochenende. © Rolf Oeser

An den Besuchertagen herrscht Gedränge auf der Buchmesse. Unter den Besuchern kann man zwei Typen unterscheiden: höfliche Menschen - und Drängler.

Wollen Sie mit mir auf die Buchmesse gehen“, fragt eine Seniorin. Sie hat Gutscheine. Eintritt zum halben Preis, sechs statt zwölf Euro. Im letzten Jahr habe der Einlass noch zehn Euro gekostet, weiß sie. Für ermäßigte Tickets, versteht sich.

Drinnen verschenkt Hena am Zeitungsstand Kulis, Gummibären, Stofftaschen und Zeitungen. Die gehen weg wie geschnitten Brot. Zucker, Lektüre, Schreibmaterialien. Alles, was Buchmessenbesucher begehren. „Manche reißen uns die Sachen förmlich aus der Hand“, berichtet Hena. Kaum habe sie das Pult befüllt, sei es wieder leer. Wer den ganzen Tag Geschenke verteilt, erlebt sehr nette Gäste – und ruppige. Das ist am Zeitungsstand so wie in den Messehallen. Wo viel los ist, machen die höflichen Menschen Platz. Die anderen drängeln.

Das nervt Karina Weber. Sie sitzt im Rollstuhl. Einem von der Messe bereitgestellten Scooter. An den Fachbesuchertagen sei schon viel los gewesen. Aber heute erst! „Viele nehmen keine Rücksicht“, klagt sie. Barrierefreiheit sei nicht das Problem: Es gebe Aufzüge und breite Gänge. Doch weil so viele Gäste unterwegs seien, komme sie nicht recht voran. Wenn sie dann am Stand angelangt sei, hätten einige zu hohe Podeste. Da komme sie als Rollstuhlfahrerin nicht ran. Oder zu flauschige Teppiche. Auf denen könne ein Rolli nicht fahren. Sie spreche dann die Verlagsmitarbeiter an. Die seien hilfsbereit.

Florian Schneider ist heute wegen Isabell Stoisser hier. Und Isabell Stoisser ist hier, weil sie ein Skript geschrieben hat. Das will sie den Verlagen anbieten. Bei einem war sie schon. Mal sehen, ob es was wird. Später gehen die beiden zum Self-Publishing-Stand – eine andere Möglichkeit, falls kein Verlag anspringt.

Jakob Richter und Rebekka Hesse, Studenten aus Frankfurt, hängen im Innenhof. Erst mal Pause machen, nach dem anstrengenden Lauf durch die literarische Halle 3. Man komme schlecht durch, sagt Richter, und die Luft sei verbraucht. Die zwei sind, wie die Seniorin, mit einem Gutschein günstiger in die Messe gekommen. Aber zwölf Euro hätten sie auch bezahlt. Viele ihrer Freunde jedoch nicht. „Wir waren eigentlich eine größere Gruppe.“ Aber die meisten seien abgesprungen, wegen des zu hohen Eintrittspreises. „Wir sind halt arme Studenten“, meint Hesse. Das Ehepaar Kornelia und Rüdiger Trebing geht schon seit Jahren auf die Buchmesse. Ihr Rezept: immer zielorientiert zu einem Stand, etwa den Interviews auf dem blauen Sofa oder im ARD-Forum. Sonst erschlage einen die Buchmesse.

Üppige 36 Euro Eintritt hätten sie zu zweit gezahlt. Die Preise fürs Wasser (ab zwei Euro) oder Würstchen (ab drei Euro) kennen sie schon. Daher haben sie Selbstverpflegung dabei. Promis sehen sie hier oft und viele. „Aber mich wundert, dass wir so wenige Bekannte treffen“, sagt Rüdiger Trebing.

Zwei Schritte, stopp. Vorwärtsgehen im Schneckentempo. Alltag auf der Buchmesse. „Ach, hier ist ja mal Platz“, seufzt eine Besucherin erleichtert.

Am Manga-Stand von Frieder Maier ist viel los. Der Geschäftsführer der „Sammlerecke“ hofft auf ein gutes Geschäft. Für 6000 Euro hat er den Comic-Stand gemietet. Für 30 000 Euro will er Bücher verkaufen, damit sich der Aufwand lohnt. „Ich glaube, das ist zu schaffen“, sagt er. In den Ladengeschäften laufe der Buchverkauf eher schleppend, auf Messen und Conventions boome das Geschäft.

Die großen Publikumsverlage dürfen am Samstag noch keine Literatur verkaufen. Das untersagt die Messe. Ausgenommen sind nur Lesungen oder Signierstunden. Erst am Sonntag werden die Kassen klingeln.

Es wird aber auch viel geklaut. „Bücherklau gibt es schon“, weiß Christina Glaeser vom Deutschen Taschenbuch Verlag. Sie stelle an jedem Abend fest, wie viel fehle. An Ausgängen würden die Taschen kontrolliert.

Manchmal schleppe der Sicherheitsdienst jemandem an, der unerlaubterweise Bücher mitgenommen habe. Der Verlag kann dann Anzeige stellen. Muss er aber nicht.

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