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Afrika

"Verteidigungsrede" verfängt sich in Klischees

Wie sieht der afrikanische Alltag jenseits der Klischees aus? Dies wollen die Gießener Soziologen Reimer Gronemeyer und Matthias Rompel in ihrer "Verteidigungsrede" auf Afrika zeigen.

Von ANDREAS ECKERT

Nachrichten aus Afrika sind meist schlechte Nachrichten, sie künden von Hunger, Gewalt und Korruption. Doch wie sieht der Alltag jenseits dieser Klischees aus? Dies wollen die Gießener Soziologen Reimer Gronemeyer und Matthias Rompel in ihrer "Verteidigungsrede" auf Afrika zeigen. Ihre kleine Schrift verfängt sich stellenweise jedoch selbst in Klischees.

Das Buch enthält lesenswerte, eindringliche Geschichten vom Überleben in schwieriger Zeit, die einen guten Einblick in Lebenswelten vor allem im südlichen Afrika geben. Problematisch ist hingegen die zentrale These der Autoren. Sie lautet ebenso schlicht wie provokant: Die Zukunft liegt in Afrika. Dort sei "mehr Menschlichkeit" anzutreffen "als in den Tempeln der High-Tech-Gesellschaft, auf deren Altären längst damit begonnen wurde, die Lebensgrundlagen der Menschen zu opfern und in Rauch aufgehen zu lassen." Während Europäer und Nordamerikaner gerade dabei seien, die sozialen Grundlagen ihres Lebens zu zerstören, könne man in Afrika Eigensinn, Stärke, ein lebendiges Miteinander beobachten.

Die Autoren zeichnen insgesamt jedoch ein recht plattes Bild vom verderblichen Einfluss der Globalisierung auf Afrika und sehen einen perfiden Raubtierkapitalismus am Werk, der immer "eleganter, digitaler und perfekter" werde. Er sorge dafür, dass täglich in Afrika Tausende von Menschen "die Fähigkeit, den Willen und die Kompetenz" verlieren, "sich selbst zu ernähren, sich Unterkünfte zu bauen, sich zu bilden, ihre soziale Strukturen zu pflegen und zu leben." Doch vielleicht, so hoffen Gronemeyer und Rompel, könnte der Westen bald, vom gescheiterten industriellen Lebensstil enttäuscht, einen anderen Blick auf Afrika richten und sagen: "ex africa lux: Dass die Rettung von dort kommt, von wo der homo sapiens einmal aufgebrochen ist".

Das ist, pardon, hart an der Grenze zum Unsinn. Man kann sich schwer des Eindrucks erwehren, als müsse Afrika in dieser Schrift als Gegenstück zu einer von den Verfassern als verdorben empfundenen westlichen Zivilisation herhalten. Wichtiger wären differenzierte, historisch fundierte Erklärungen der gegenwärtigen Situation in Afrika. Das leistet dieses Buch leider nicht.

Reimer Gronemeyer / Matthias Rompel: Verborgenes Afrika. Alltag jenseits von Klischees. Brandes & Apsel, Frankfurt/M. 2008, 181 Seiten, 17,90 Euro.

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