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Andrea Ypsilanti ist bei Jan Seghers Sabine Xanthopoulos.
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Andrea Ypsilanti ist bei Jan Seghers Sabine Xanthopoulos.

Krimi Jan Seghers

Verschwörung in Hessens Politik

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Ende der Woche erscheint der neue Krimi von Jan Seghers: "Die Sterntaler-Verschwörung" lehnt sich an die hessische Realität der Ära Koch an. Auch Ypsilanti und andere haben ihren Auftritt.

Wer gerne einen guten „Tatort“ im Fernsehen sieht, wird den neuen Krimi von Jan Seghers mögen. Wie man sich im „Tatort“ freut, wenn man bekannte Straßenzüge wiedersieht, so werden Leserin und Leser auch von dem Frankfurter Autor in „Die Sterntaler-Verschwörung“ an wohlbekannte Orte geführt (in die Heimatsiedlung, den Hessenpark oder in das Ginnheimer Wirtshaus, das sein Kommissar Robert Marthaler erstaunlicherweise nicht kennt).

Sein Personal hat sich Seghers ebenfalls in der Realität ausgeliehen. Es treten Figuren auf, die eine unverschämte Ähnlichkeit besitzen mit Ministerpräsident Volker Bouffier (damals Innenminister), seinem Vorgänger Roland Koch (als Regierungschef), dessen Pressesprecher Dirk Metz, ihrer SPD-Herausforderin Andrea Ypsilanti und einigen anderen.

Auch wenn Seghers versichert, alle Ereignisse und Personen seien frei erfunden – selbst die Verortung im Jahr 2008 mit den Wahlergebnissen dieser Zeit, als Koch nach herben Verlusten nur geschäftsführend weiterregieren konnte, hat der Autor an die Wirklichkeit angelehnt. Die vermischt er mit einem kriminellen Treiben der schwarzen Clique, das der Seghers’schen Fantasie entsprungen ist.

Getriebener Aktenfresser

Am meisten scheint ihn die Figur Koch zu faszinieren, den er unter dem Namen Rolf-Peter Becker als Aktenfresser mit Burger- und Cola-Vorliebe zeichnet, dem die Mode eine zutiefst fremde Welt ist. Dieser Ministerpräsident Becker, den (wie den einstigen echten Ministerpräsidenten) eine Begeisterung für den Dalai Lama umtreibt, ist weniger Bösewicht als Getriebener seines Sprechers und Strippenziehers Udo Klotz.

Ihre Widersacherin von den „Roten“, die im Roman Sabine Xanthopoulos heißt, gefährdet den Machtanspruch der „Christlichen“ – ganz wie in der Realität des Jahres 2008. Strippenzieher Klotz gibt die Strategie aus, sie bloßzustellen. „Sag, was du willst“, erklärt er dem Ministerpräsidenten einmal, „Hauptsache, du vergisst nicht zu erwähnen, dass Xanthopoulos eine Lügnerin ist.“

Da lugt der echte Dirk Metz hervor (der übrigens selbst mal in einer Nebenrolle im Fernsehkrimi „Ein Fall für Zwei“ mitgespielt hat). Doch selbst wenn Metz und Koch in der Wirklichkeit mit harten Bandagen kämpften: die Machenschaften des Klotz im Buch sind von ganz anderem Kaliber. Er tut alles, um einen Abgeordneten aus den eigenen Reihen kaltzustellen, der sich in Richtung der Grünen abgesetzt hat. Das ist eine politisch gewitzte Wendung, erinnert sie doch daran, wie feindselig Hessens Unionspolitiker den Grünen gegenüberstanden (und umgekehrt), die sich unter Bouffier zum geschätzten Partner der CDU entwickelt haben.

Die LKA-Fieslinge

Selbst stilistisch ähnelt das Buch von Seghers zuweilen dem Drehbuch eines „Tatorts“. Da muss dann eine Figur aus einem Vorwand heraus Dinge ausgiebig erzählen, die die anderen Anwesenden längst wissen, nur damit die Leser sie auch erfahren. Man kennt das aus dem Fernsehen.

Ebenso wie die Fiesheit des Landeskriminalamts, das als verlängerter Arm der Politik agiert und die Polizei vor Ort in der Arbeit behindert. Das findet sich im Roman wie im „Tatort“ wieder. Ganz abwegig scheint das Bild vom Gegeneinander der Polizeien nicht zu sein.

Seghers hat ein Zitat aus der Frankfurter Rundschau an den Anfang gestellt, um das zu zeigen. Die hessische LKA-Chefin Sabine Thurau hatte im Interview, auf das miese „Tatort“-Image ihres Hauses angesprochen, geantwortet: „In dem Moment, wo das LKA aus übergeordneten Gründen die Ermittlungen übernimmt oder unterstützt, kann das mal zu Irritationen vor Ort führen.“ Thurau hatte allerdings hinzugefügt, sie wolle mit den Kollegen „teamorientiert“ zusammenarbeiten. Davon ist Marthalers LKA-Kollege in der „Sterntaler-Verschwörung“ weit entfernt.

Jan Seghers‘ fünfter Marthaler-Krimi erscheint am 28. November: „Die Sterntaler-Verschwörung“, Kindler Verlag, 496 Seiten, 19,95 Euro.

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