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Rekonstruktion einer Viermann-Zelle aus dem DDR-Speziallager im sächsischen Bautzen.
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Rekonstruktion einer Viermann-Zelle aus dem DDR-Speziallager im sächsischen Bautzen.

DDR-Literatur

„Verschwiegen und weggesperrt“

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
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Ines Geipel und Joachim Walther stellen in Berlin ein Kapitel ostdeutsche Literaturgeschichte vor.

Am 18. Oktober 1951 dichtete Edeltraud Eckert: „Ich weiß nicht viel von mir zu sagen / nur daß ich lebe, daß ich bin.“ Und weiter: „Ich hör und seh mich selber spielen. / Mein Herz ist weit, ist anderswo.“ Die damals 21-Jährige saß im DDR-Gefängnis Waldheim. Denn sie war Mitglied einer Widerstandsgruppe gegen die SED-Diktatur geworden – und wurde daraufhin zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. In „Jahren des Terrors“, wie die Schriftstellerin Ines Geipel am Dienstagabend in der Bundesstiftung Aufarbeitung bemerkte. Geipel und ihr Schriftstellerkollege Joachim Walther sichten seit Jahren jene Literatur, die in der DDR nicht nur nicht veröffentlicht wurde, sondern deren Urheber oft weggesperrt wurden und manchmal zu Tode kamen. Eine Frucht dieser Mühe ist nun als Buch erschienen mit dem Titel: „Gesperrte Ablage. Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945 – 1989“.

Autoren waren erpressbar

Einerseits geht es in dem Buch ums Grundsätzliche – sichtbar zu machen, was ehedem nicht an die Oberfläche kam. Das kollektive Gedächtnis kennt ja bloß zwei Kategorien von DDR-Schriftstellern: staatstragende Künstler wie Hermann Kant oder kritische, aber letztlich loyale Autorinnen und Autoren wie Christa Wolf, die, so Walther, „immer erpressbar“ waren. Das Unsichtbare ist bis heute meist unsichtbar geblieben. „Bestimmte Stoffe und Ästhetiken, ja, alles wirklich Nonkonforme, Experimentelle, Widerständige wurde konsequent behindert, unterdrückt, verfolgt, verschwiegen, abgelegt und weggesperrt“, hieß es in der Einladung zur Buchpräsentation, die am Dienstag in Berlin stattfand. Und: „Wenn Kunst etwas mit Freiheit zu tun hat, dann ist dies die wahre Literaturgeschichte Ostdeutschlands.“ Geipel und Walther haben 1000 Vor- und Nachlässe ausgewertet, insgesamt 70 000 Manuskriptseiten. Es wundert nicht, dass die Stasi-Unterlagenbehörde zum stärksten Materialgeber wurde. Andererseits, sagte Geipel, wolle man „jede einzelne Stimme und jedes Leben ernst nehmen“. Es geht also auch darum, zuweilen bereits gestorbenen Dichtern ein Forum zu verschaffen, das sie vor 1989 aus politischen Gründen nicht hatten – und heute unter Marktbedingungen nicht haben. Edeltraud Eckert, „die Sophie Scholl des Ostens“ (Geipel), ist eine von diesen. Sie wurde 1930 geboren, wurde nach einer oppositionellen Flugblattaktion gegen die zweite deutsche Diktatur 1950 verhaftet und starb 1955 nach einem schweren Arbeitsunfall im Gefängnis und ausbleibender medizinischer Versorgung an Wunderstarrkrampf. Vier Jahre vorher schrieb Eckert in ihr Heft: „Als ich euch damals lassen mußte / War ich beinah noch ein Kind / Das nichts von all den Tiefen wusste / Die oft ein buntes Trugbild sind.“

Ines Geipel, Joachim Walther: Gesperrte Ablage. Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945 – 1989. Lilienfeld Verlag 2015, 432 Seiten, 24,90 Euro.

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