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Literatur

Vergeblichkeit des Begehrens

  • VonFrank Junghänel
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David Szalay erzählt von den Eigenheiten der Spezies Mann.

Der Titel des Buches hätte auch ein Fragezeichen gut vertragen. Denn haltbare Auskünfte über das Wesen des Mannes sind hier nicht zu bekommen. Also was ist ein Mann? Offenbar ein Problem, nicht nur für Frauen, was ja bekannt ist, sondern vor allem auch für sich selbst. Es fängt früh an und hört nie auf. David Szalay, in Montreal geboren und heute in London lebend, ist jetzt Mitte vierzig und hat, wenn es gut läuft, die Hälfte seines Lebens als Mann hinter sich. In seinem Buch, das weniger ein Roman denn eine fein aufeinander abgestimmte Sammlung von kurzen Geschichten ist, blickt er altersmäßig zurück und nach vorn – beides ist mit Schmerzen verbunden.

Szalay erzählt in neun Episoden von neun Männern, die jeder für sich für eine bestimmte Lebensphase stehen. Der jüngste ist siebzehn, der älteste dreiundsiebzig. Die Hauptfigur jeder Geschichte ist fünf bis zehn Jahre älter als die zuvor, was dem Text als Ganzem eine interessante Architektur verleiht. Jeder Mann steht hier für sich allein und zugleich für den Mann an solchen. Allen gemeinsam ist die tief sitzende Unzufriedenheit mit dem, was ist, und die ewige Sehnsucht nach dem, was sein könnte. Was sein müsste, wenn es nach ihnen ginge. Dieses Verlangen, sich selbst zu überwinden. Und die Melancholie jeder verpassten Chance.

So wie bei Simon, der in den Ferien mit seinem Freund durch Europa reist, einfach weil es easy ist, und der in Prag mit ihrer Vermieterin hätte Sex haben können. Der Freund hatte. „Simon hat das Gefühl etwas verloren zu haben, ohne zu wissen, was.“ Da ist Balázs, ein schüchterner Aufpasser, der mit der Edelhure Emma von Budapest nach London abkommandiert wird. Es geht ums „Ficken“, rein geschäftlich, aber Balázs verliebt sich in Emma. Er will sie beschützen und vermasselt so den Job.

Sexueller Frust bildet den Grundton in jeder der neun Stories. Diese Feigheit, die Vergeblichkeit des Begehrens vor sich selbst einzugestehen. Als der Makler James, der gerade beinahe eine Affäre gehabt hätte, zu Hause seinen Sohn sieht, denkt er sich: „Das ist sein Leben, das, was gerade geschieht.“ Ein deprimierender Gedanke in einem trotz allem sehr berührenden Buch.

David Szalay: Was ein Mann ist. Roman. A. d. Engl. von Henning Ahrens. Hanser, München 2018. 512 Seiten, 24 Euro.

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