+
Mario Vargas Llosa zu Hause in Madrid, Februar 2016. Am 28. März feiert der Literaturnobelpreisträger seinen 80. Geburtstag.

Schriftsteller

Vargas Llosa wird 80

  • schließen

Wer die Welt verstehen will, in der wir leben, muss seine Bücher lesen: Zum Geburtstag des Schriftstellers und Zeitgenossen Mario Vargas Llosa, der am Ostermontag 80 Jahre alt wird.

Am 28. März wird der peruanische Autor Mario Vargas Llosa 80 Jahre alt. Der Literaturnobelpreisträger von 2010 hat – wohl auch darum – am 1. März seinen neuesten Roman vorgelegt. „Cinco Esquinas“ („Fünf Ecken“). Er soll im Oktober auf Deutsch bei Suhrkamp erscheinen.

Spaß an der Buntheit des menschlichen Lebens, Gesellschaftsanalyse und persönliche Erfahrungen verbinden sich auch hier wieder miteinander. Es ist eine medienwirksame Medienkritik des im Umgang mit den Medien seit vielen Jahrzehnten vertrauten Autors. Seine jüngste Liaison mit Maria Isabel Preysler Arrastia, 1951 als Tochter philippinischer Diplomaten geboren, Modell, von 1971 bis 1979 Ehefrau des Schlagerstars Julio Iglesias, ist wohl in vielem der Hintergrund des Romans. Er spielt unter anderem in der Redaktion eines Klatschmagazins. Isabel Preysler arbeitet seit Jahren für das spanische Gala-Pendant „¡Hola!“.

So schreibt Vargas Llosa in seiner Vorbemerkung: „‚Fünf Ecken‘ ist ein Werk der Fiktion, auch wenn der Autor sich bei der Erschaffung einiger Charaktere von den Persönlichkeiten authentischer Menschen, deren Namen sie auch teilen, hat inspirieren lassen, sind sie doch den ganzen Roman über als fiktive Lebewesen behandelt worden. In jedem Augenblick hat sich der Autor die ganze Freiheit genommen, auch die, dass, was im Roman geschieht, der Wirklichkeit entsprechen kann.“

Seine 1993 erschienenen Memoiren nannte Vargas Llosa „Der Fisch im Wasser“. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Vargas Llosa nämlich hat sich immer das Wasser ausgesucht, in dem er zum Fisch werden wollte. Er hat sich gerade nicht mit dem Element begnügt, in dem er auf die Welt kam. Auch nicht mit der Zeit, in die er hineingeboren wurde.

Zeitgenosse zu sein, war zwar von Anfang an eines der wichtigsten Lebensziele von Vargas Llosa. Es war und ist die treibende Kraft seiner Neugierde. Für ihn gehörte dazu aber immer auch die Fähigkeit, von außen auf seine Zeit zu blicken. Dieses Außen war die Literatur, das Schreiben und mindestens ebenso sehr das Nachdenken über das Schreiben. Hier fand er exzentrische Positionen, von denen aus sich die Weltlage besser verstehen ließ. Das Verhältnis von Realität und Fiktion, von Fantasie und Abbildung hat ihn immer wieder – natürlich auch in seinen Essays zur Malerei – beschäftigt.

Im Element der Realpolitik

So sehr er daran interessiert war und ist, die Weltlage zu verstehen, so sehr mochte und möchte er sie auch verändern. In den 80er Jahren verließ er die stillen Wasser der Erzählung und stürzte sich in das ihm neue Element der Realpolitik. Er sah Lateinamerika zerrissen zwischen Diktatur und Revolution. Er weigerte sich, sich für eines davon zu entscheiden. Und er weigerte sich zu akzeptieren, dass sein heimatliches Peru noch nicht weit genug sei, um den dritten, den demokratischen Weg zu gehen. Also kämpfte er darum, als liberaler Kandidat zum Präsidenten seines Heimatlandes gewählt zu werden. Er scheiterte. Es gewann 1990 Alberto Fujimori, der in alter Tradition den Staat als Beute betrachtete.

Zeitgenosse zu sein, hieß und heißt noch immer für Vargas Llosa, Position zu beziehen. Er setzt sich weiter aus, um zu begreifen, was geschieht. 2002 besuchte er den Irak und schrieb darüber. Drei Jahre später stieß er an mit seiner Analyse des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Man versteht die Welt, in der wir leben, nicht, wenn man nicht Vargas Llosa liest. Das heißt natürlich nicht, dass wir ihm nur nachplappern müssen, weil er alles verstanden hat. Nein: Vargas Llosa hat sich, seine Kunst und sein Leben immer wieder wie ein Stück Lackmus-Papier in die Welt gehängt, und wir können an ihm ablesen, was mit uns geschieht.

Wer noch nichts von ihm gelesen hat und keine Angst vor dicken, schönen Büchern hat, der beginne mit „Der Krieg am Ende der Welt“ von 1981. Wer Bücher bevorzugt, die man nach zwei, drei Stunden ausgelesen hat, der lese die erotische Fantasie „Das Lob der Stiefmutter“.

Zehn Theaterstücke hat er geschrieben. Das letzte 2015. Ist eines davon bei uns gezeigt worden? Ach, was soll das Klagen. Freuen wir uns an all seine Romane, Erzählungen, Essays die ins Deutsche übersetzt wurden! Den Lesern ein großes Vergnügen. Dem Autor aber sei in seine Geburtstagsparty hinein gerufen: ¡Muchísimas gracias!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion