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US-Schriftsteller John Irving wird 80

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US-Schriftsteller John Irving wird 80
US-Bestseller-Autor John Irving gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Autoren seiner Generation. © Frank Leonhardt/dpa

Einst musste John Irving seine Schriftstellerkarriere als Ringer subventionieren, dann schaffte er mit „Garp und wie er die Welt sah“ den Durchbruch. Jetzt wird der gefeierte Autor 80 Jahre alt - und hat seinen letzten langen Roman angekündigt.

New York - Mehr als ein Dutzend Romane, übersetzt in 35 Sprachen, weltweit mehr als 12 Millionen Mal verkauft: John Irving, der heute (2. März) 80 Jahre alt wird, gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Autoren seiner Generation.

Fünf seiner Romane wurden sogar verfilmt, für „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ bekam der Autor einen Drehbuch-Oscar. Derzeit arbeitet Irving an seinem 15. Roman, der im englischen Original unter dem Titel „The Last Chairlift“ im Oktober erscheinen soll und in deutscher Übersetzung im Diogenes-Verlag im kommenden Jahr.

Das Buch handele von einer Skifahrerin und ihrem Sohn, verriet der Schriftsteller dem Diogenes-Verlag schon einmal - und kündigte an, dass sein 15. auch sein letzter langer Roman sein werde.

Anfänge als Schriftsteller während der Schulzeit

Geboren wurde John Winslow Irving 1942 im US-Bundesstaat New Hampshire. Er wuchs im Haus seines Stiefvaters auf, dessen Nachnamen er nach der Adoption auch bekam, und lernte seinen biologischen Vater nie kennen. Schon in der Schule fand er seine zwei großen Leidenschaften: Schreiben und Ringen.

Mit dem Ringen finanzierte er sein Schreiben, bis er Ende der 70er Jahre mit „Garp und wie er die Welt sah“ den Durchbruch schaffte. Es folgten weitere Bestseller wie „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“, „Das Hotel in New Hampshire“, „Owen Meany“, „Witwe für ein Jahr“ oder „Letzte Nacht in Twisted River“.

Als „großer amerikanischer Autor„ wird Irving oft gefeiert, dabei lebt er schon seit längerem größtenteils in Toronto, hat neben der US-amerikanischen seit 2019 auch die kanadische Staatsbürgerschaft und sieht sich selbst nicht als wirklich amerikanischen Autor. „Es fällt mir schwer, mich in einer Porträtgalerie der amerikanischen Schriftsteller zu sehen. Wenn ich mir anschaue, wie sich die meisten amerikanischen Autoren verhalten und worüber sie schreiben, dann bin ich nicht sehr amerikanisch.“

Keine Scheu vor unbequemen Themen

Er sei auch nicht mit den Büchern amerikanischer Autoren aufgewachsen und habe nie vorgehabt, den großen amerikanischen Roman zu schreiben, sagte er einmal. „Es kam mir immer vor wie patriotischer Extremismus, dass irgendjemand den großen amerikanischen Roman schreiben will. Warum nicht einfach nur einen guten?“

In seinem US-amerikanischen Heimatland ist der Autor auch umstritten, weil er immer wieder politische Themen wie Abtreibung und das Vietnamtrauma thematisierte. Bei den Europäern beschwert sich Irving, der seit einem Studienjahr in Wien auch Deutsch spricht, gern über seine „puritanischen und verklemmten“ Landsleute.

Schreiben ist für Irving Handwerk, basierend auf nahezu manischer Recherche - und immer mit der Hand. Er gilt als Meister der Erzählkunst, der als einer der wenigen Autoren hohe literarische Qualität an eine große Leserschaft verkaufen kann. „Alle meine Bücher, die Geschichten und Charaktere existieren im Schnitt schon zwischen neun und zwölf Jahren in meinem Kopf, bevor ich sie aufschreibe“, sagte Irving einmal der Deutschen Presse-Agentur. Den allerletzten Satz schreibe er stets zuerst.

Vom Lehrer und Ringertrainer zum Vollzeit-Autoren

„Als ich die ersten vier Romane schrieb, da war ich noch kein Vollzeit-Autor. Ich war Vollzeit-Lehrer und Ringertrainer; ich hatte Vollzeitjobs, die nichts mit Schreiben zu tun hatten. Ich konnte nicht mehr als zwei, drei Stunden am Tag schreiben, und das auch nicht jeden Tag“, sagte Irving in einem Interview mit dem Diogenes-Verlag. „„Garp“ war mein erster Bestseller; nach „Garp“ war ich in der Lage, meinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu bestreiten. Allerdings musste ich erst lernen, sieben oder acht Stunden am Tag zu schreiben, und das sieben Tage die Woche - das war ich überhaupt nicht gewöhnt.“

Bei der Arbeit an „Das Hotel New Hampshire“ habe er es dann gelernt. „Und bis ich mit meinem sechsten Roman, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, begann, hatte ich den Bogen raus. Das Schreiben wird leichter, wenn es die einzige Arbeit ist. Man wird anspruchsvoller, konzentrierter - man kann langsamer und sorgfältiger schreiben und immer wieder umschreiben, wenn man sonst keine andere Arbeit hat. Für den Luxus, Schriftsteller und nur Schriftsteller zu sein, bin ich Tag für Tag dankbar. Ein solches Glück hat nicht jeder Autor.“

Spaziergänge durch Toronto

Lange lebte Irving in Manhattan, dann zog er mit seiner zweiten Frau nach Toronto und Vermont. Die drei Söhne, die Irving allesamt im Ringen trainierte und zu Regionalchampions machte, sind ausgezogen. Irving rang erst mit einer Puppe weiter, dann musste er seinen geliebten Sport ganz aufgeben. „Ich habe meine Knie ruiniert und kann noch nicht mal mehr normal joggen gehen“, sagte er einmal in einem Interview. „Aber das ist ok, ich gehe entweder auf das Laufband oder spaziere durch Toronto. Das ist eine großartige Stadt für Spaziergänge.“ dpa

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