Frankreich Islam

Das unterwanderte Frankreich

Bereits 1982 wurde Frankreich im Roman arabisch infiltriert. Damals führte das zunächst einmal zu einem großen Verkehrschaos. Eine Erinnerung an Juan Goytisolos Buch "Landschaften nach der Schlacht" und einen sehr sarkastischen Entwurf.

Von Reinhart Wustlich

In Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ mutiert Frankreich zum islamischen Staat, dessen maligne Urzelle in einem Roman des Spaniers Juan Goytisolo beschrieben ist. In dessen „Landschaften nach der Schlacht“ ist es Subversion, „Unterwanderung“, die den Unterschied ausmacht.

Eines Tages, der Roman Goytisolos erschien bereits 1982, sind im Pariser Quartier Sentier, das als einschlägige Mischung von Barbès und Belleville dargestellt wird, alle Reklameschilder der Bars, der Cafés und Geschäfte ersetzt durch solche mit arabischen Schriftzeichen.

Selbst das „Rex“, das riesige Kino an der Ecke, ist verschwunden. „Nun ja, nicht verschwunden (...), aber die Lettern, etliche Meter hoch, waren durch gleich große Zeichen ersetzt worden, abweisend und nicht zu entziffern.“ „Unglaublich, aber wahr“, bemerkt, halb verschlafen, der Quartiersbewohner auf dem Weg zum Morgencalvados, „alle Schilder, ohne jede Ausnahme, waren ausgewechselt, das von Madeleine-Bastille, vom Tanzlokal, vom jüngst eröffneten McDonald’s!“ Hatte irgendein Ölscheichtum ohne Warnung das ganze Viertel aufgekauft?

Bis dahin hatte sich „das Übel“, so die Vorgeschichte der Infiltration, durch Graffiti und „bizarre Klecksereien“ vorbereitet, die „unverhohlen auf dem Boulevard herumhüpften und, dreist und provokativ, am Erdgeschoss des Polizeikommissariats auftauchten“.

Nun war die handstreichartige Umwälzung der gesamten Ökonomie des Viertels, in den Besitz eines Anonymus übergegangen, offen zu besichtigen: „eine Hekatombe“, die bei Nachbarn „fassungsloses Entsetzen“ verbreitete. Selbst über der Zeitung der ruhmreichen Partei der Arbeiterklasse, „L’Humanité“, prangte ein arabischer Name. Der Urheber „dieses Unfugs“ befand sich „im siebten Stock des an das Kino grenzenden Gebäudes; gelassen feilte er sich die Nägel“.

Man musste sich, so Goytisolo, mit den Tatsachen abfinden: „Der reale Raum seiner Untat interessierte ihn nicht mehr, seit er sie heimtückisch begangen hatte. Sie ruhte fern, im Vergessen, als wäre sie nicht sein Werk gewesen.“ Während der Protagonist sich auf seinen perversen Alltag vorbereitet, als „scheußlicher Satyr“ mit pädophilen Neigungen, nimmt die Entfremdung der Anwohner Formen an. Unlesbare Straßennamen verursachen ein Verkehrschaos – wie „im Sentier unter deutscher Besatzung“.

Mitten im Gehupe steigen Fahrer aus, um schüchtern die „lachenden Männer“ auf der Terrasse des Cafés zu befragen: „Araber, Afghanen oder Pakistanis, die, ganz selbstverständlich, fast unverfroren, die Fragen der Analphabeten beantworteten und ihnen herablassend den Weg erklärten.“

Angesichts dieses Sarkasmus müssen wir uns Houellebecq als geläuterten Menschen vorstellen.

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