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Martin Suter.
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Martin Suter.

Martin Suter

Der Unterhaltungs-Schelm

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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„Allmen und die Dahlien“ ist der neueste, mittlerweile dritte Fall für Martin Suters eleganten Privatdetektiv. Der Autor spricht im Interview über das Serienkrimi-Genre und seine Entscheidung für einen Dandy als Helden.

Man könnte meinen, der Name Allmen steht für „all men“, aber Martin Suters Detektiv ist alles andere als ein Durchschnittsmann. Vielmehr ein Dandy, wie er im Buche steht, ein Genießer des Schönen und Teuren und ein Möglichst-wenig-Arbeiter. Sich die Fäuste schmutzig machen? Aber nein. Auf Kunstraub hat sich Johann Friedrich von Allmen spezialisiert, denn da ist er schon mal in den richtigen Kreisen, den gehobenen, unterwegs. „Allmen und die Dahlien“ ist der neueste, mittlerweile dritte Fall für Martin Suters eleganten Privatdetektiv. Erneut ist es ein heiter-ironischer, ziemlich unblutiger Krimi.

Herr Suter, Sie werden oft „der Schweizer Erfolgsautor“ genannt, haben lang vor den Allmen-Krimis bewiesen, dass Sie Romane schreiben können. Wer oder was hat Sie zum Genre Kriminalroman, gar zu einer Krimi-Reihe verführt?
Ich habe schon immer Freude am Spiel mit den Genres gehabt. Jeder meiner Romane ist auch eine Hommage an ein literarisches Genre. Mein letzter ist ein Zeitreiseabenteuer. Und die Allmen Reihe ist eine Verneigung vor dem Serienkrimi. Ich kann dieses Genre ja schlecht mit einer einzigen Folge zitieren.

Sind die Genre-Regeln eine Stütze oder eine Herausforderung?
Beides. Der Vorteil der Reihe besteht vor allem darin, dass man nicht jedes Mal neu in die Exposition und Charakterisierung einsteigen muss. Mit jeder Folge werden die Figuren Autor und Leser vertrauter, ihre Handlungsweise voraussehbarer. Das Wechselspiel von Bestätigung und Überraschung, das mir beim Erzählen immer wichtig ist, spielt sich leichter. Aber dies ist gleichzeitig auch die Herausforderung: Das Überraschungselement wird schwieriger. Denn in der Serie ist eine wichtige Regel, dass die Figuren sich nicht allzu sehr entwickeln dürfen.

Gibt es Genre-Regeln, die man nicht verletzen darf? Haben Sie das Gefühl, sich an einige Regeln unbedingt halten zu müssen, auch wenn Ihre Allmen-Krimis recht unblutig sind?
Neben der eben erwähnten, dem Verzicht auf zu große Entwicklungsschritte der Hauptfiguren, ist sicher die Plausibilität eine wichtige Regel. Aber das gilt ja für alle Geschichten. Sie müssen stimmig, nachvollziehbar und logisch sein. Und zwar nicht unbedingt auf die wirkliche Wirklichkeit bezogen, sondern auf die zwischen den Buchdeckeln erfundene.

Macht es Spaß, mit der Krimi-Form zu spielen? Indem man zum Beispiel einen Dandy-Detektiv erfindet, der Kaschmiranzüge trägt, nur mit Chauffeur unterwegs ist und bis Mittag schläft?
Natürlich macht es Spaß. Ich wusste, dass ich – wenn ich eine Hommage an den Serienkrimi schreiben will – viel Zeit mit der Hauptfigur verbringen würde. Deswegen suchte ich mir eine aus, die mir besonders sympathisch war. Allmen ist eine Art Schelmenversion des Adrian Weynfeldt aus „Der letzte Weynfeldt“. In dessen Gesellschaft hatte ich mich immer sehr wohl gefühlt.

Haben Sie sich zu Beginn der Allmen-Reihe bewusst eine Nische gesucht, die Abstand hält zu Action und Serienmördern?
Nein. Ich will gar nicht ausschließen, dass ich mich einmal dem Action- und Serienmördergenre zuwende. Und vielleicht etwas weniger ironisch, als ich es in „Der Teufel von Mailand“ tat. Aber der Abstand war eher unbewusst gewählt. Mich haben die düsteren Welten der skandinavischen Krimis immer etwas deprimiert. Das wollte ich mir nicht in Serie antun.

Sie haben sich auch in Ihren „normalen“ Romanen schon recht ausführlich mit tagesaktuellen, politischen Geschehnissen beschäftigt. Eignet sich der Kriminalroman besonders gut dafür?
Alle meine Geschichten sind aus Gründen der erwähnten Plausibilität in einem möglichst realistischen Umfeld angesiedelt. Sie spielten bisher immer in der Gegenwart. Und wenn man diese herstellen will, kann man die Tagesaktualität nicht ausblenden.

Glauben Sie, dass der Kriminalroman im deutschen Sprachraum im Gegensatz zum angelsächsischen immer noch zu schlecht angesehen ist?
Von der Leserschaft ganz offensichtlich nicht und vom Feuilleton auch immer weniger. Die Vorstellung, dass Literatur keine Geschichten erzählen darf, vor allem keine spannenden, verliert auch im deutschen Sprachraum an Bedeutung.

Würden Sie Ihre Krimis als Unterhaltungsliteratur bezeichnen, sollen sie es sein?
Hoppla, vielleicht muss ich meine letzte Antwort revidieren. Die Kategorie „Unterhaltungsliteratur“ ist ein Problem des deutschen Sprachraums. Ich will selbstverständlich mit allen meinen Geschichten unterhalten. Manchmal auf etwas leichtere, manchmal auf etwas ernsthaftere Art. Aber unterhalten. Wie alle Autoren.

Haben Sie Vorbilder, Lieblings-Krimiautoren?
Vorbilder nicht, aber Lieblings-Krimiautoren: Georges Simenon, E.T.A. Hoffmann, Raymond Chandler, Elmore Leonard und natürlich die beiden Friedrich, Glauser und Dürrenmatt.

Warum boomt Ihrer Meinung nach der Kriminalroman seit Jahren? Warum sind Leser so gierig auf Krimis?
Es ist die einfachste Form der explosiven dramaturgischen Mischung aus Rätsel und Lösung, Leben und Tod, Gut und Böse, Überraschung und Bestätigung. Und er ist klassisches interaktives Lesevergnügen.

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