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Schnee auf dem Feldberg.

Gedichte

Und Abend will sein

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Olaf Veltes Lyrikband „Schmales Licht“ berichtet von den Taunuskuppen, Taunusschatten.

Die Taunuskuppen, Taunusschatten, Taunusweiden und Taunuserden hat man vor Augen, Olaf Veltes Gedichte lesend. Das sind keine Stadt-Gesänge. Keine grellen Lichter werden geworfen auf das Hasten, die Unruhe zwischen hohen Häusern. Vielmehr tauchen Weide und Dorn auf, Rübenblatt und Apfeltrester, Bachstelzen und Stare. Und, über ihnen, ein Raubvogel, ein Milan. Denn es gelten allemal die Gesetze der Natur in diesem Land.

Olaf Velte, den Leserinnen und Lesern dieser Zeitung auch als Fürsprecher kraftvoller, oft auch kraftvoll vom Hauptstrom abweichender Musiktüftler bekannt, lebt im Taunus, mit ganzem Herzen, hat auf ihn und die Lebewesen darin darum auch einen so sparsamen wie genauen Blick, platziert die Wörter mit Bedacht, tupft Atmosphären auf die Seite. Nicht als ein Wanderer auf Schubertscher Winterreise, nein, hier sind Arbeiter unterwegs, Handarbeiter, sie mähen, pflügen, schlachten. Trinken und feiern auch mal.

Olaf Velte hat jetzt wieder einen Gedichtband herausgebracht, die Titel dieser schlanken, aber gerade darum intensiven Gedichte lauten zum Beispiel: „Mähbalken“, „Felderhymnen“, „Waldarbeiter“ oder „Vom Mähen“. Aber auch „Hitchhikin’“, „Mons california“ oder „Faulkners Schecken“ – man merkt die leichte Neigung nach Amerika, freilich zum mythischen Westen und seinen Autoren, nicht zu den großen Städten und auch nicht zu Trumps Kohorten.

Lieblich ist nichts in diesem Bauernland – Olaf Velte ist auch Schafzüchter und kennt die Härten -, auch jede falsche Idylle ist vertrieben aus den knappen Zeilen. Die Hammelschlächter haben die Arme „besprenkelt vom warmen Blut“ – „und Abend will sein / und leere Stallung“. Spukwesen wandern in diesem Land, wandern „sumpfwärts“ (im Gedicht „Nägel“), „ein Hagelschlag geht nieder“ („Lopachin kommt“). Doch gibt es auch lachende Mädchen, einen Klavierton, scheinbar aus dem Nichts, nachtdunkle Gassen und Gemärker, in denen womöglich auch die Stille und der Frieden zu finden sind, wenn man denn nach Stille und Frieden schauen will.

Wolle von warmen Körpern

Das sind keine Gedichte für die, die sich „des Weges Schwärze“ nicht vorstellen können, nicht die „Nachtfluren“ und die „Waldkurven“. Dass Olaf Velte das Mittelgebirgsland besingt wie an einem nur manchmal tröstlichen Lagerfeuer, im Takt der Jahreszeiten und unter dem Limes, das hat den Geschmack einer anderen, älteren Zeit. Einer Zeit, in der man noch auf dem und vom Land lebte, kelterte und schlachtete, Honig schleuderte, Wolle herunterschnitt von warmen Körpern.

Das kann nicht kalt lassen, das ist eine in Details aufblitzende Erinnerung an ein Leben, bei dem die feuchte Erde an den Schuhen klebt, der Wind die Wolken treibt, der „Wald verschwindet ins große Weiß“. Die Stube aber geheizt ist, immerhin.

Ein Glück ist, wie Olaf Velte Sprach-Witterung aufnimmt zwischen diesen Taunuskuppen, in den Taunusschatten.

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