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Am Schuylkill, wo die Gallagher-Kinder auch spielen.
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Am Schuylkill, wo die Gallagher-Kinder auch spielen.

Roman

Una Mannion „Licht zwischen den Bäumen“: Und Libby macht sich Sorgen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Una Mannions Bildungsroman „Licht zwischen den Bäumen“.

Seid nachsichtig, sie tut, was sie kann“: Das sagt Marie, Älteste von fünf Geschwistern, über ihre Mutter. Was Faye Gallagher zu Beginn des Romans „Licht zwischen den Bäumen“ offenbar nicht kann: An diesem letzten Tag vor den Schulferien das Gezänk ihrer Kinder im Auto aushalten. Sie setzt die zwölfjährige Ellen, noch dazu klein und schmal für ihr Alter, einfach an der Straße aus, acht, neun Kilometer von zu Hause. „Mom, mach das nicht“, sagt Thomas. „Du kannst sie nicht einfach da stehen lassen“, sagt Marie. Libby, 15-jährige Ich-Erzählerin, hält sich raus und wird sich dafür schämen. „Ich hatte nichts gesagt, um unsere Mutter aufzuhalten.“ Sie rasen also ohne Ellen die Straße nach Valley Forge Mountain entlang, Faye Gallagher wird nicht umdrehen, es wird bald dunkel werden.

Die in Philadelphia geborene und aufgewachsene, seit den 1990ern in Irland lebende Una Mannion erzählt in ihrem Debütroman, der wie ein Krimi beginnt und das Genre im Verlauf ein paar weitere Male von der Seite antippt, von einer versehrten Familie. Der Vater ist tot, an einer Blutvergiftung gestorben, aber ohnehin lebte er von Faye da längst getrennt. Ein einziges Mal nur haben ihn seine Kinder in New Yorks Bronx besucht; Libby fand es seltsam, dass er an einem Ort ohne Blätter und ohne Grün lebte, überhaupt dort leben konnte.

Trotzdem sind sie beherzt

Das Buch:

Una Mannion: Licht zwischen den Bäumen. Roman. A. d. Engl. von Tanja Handels. Steidl, Göttingen 2021. 344 S., 24 Euro.

Die Gallagher-Kinder, vom Punkmusik-Fan Marie über den wissenschaftlich interessierten Thomas bis zur künstlerisch begabten Ellen und stillen, gleichsam mitlaufenden Beatrice, sind trotz allem erstaunlich widerstandsfähig, findig, beherzt. Ellen wird in ihrer Not per Anhalter fahren, von einem gruseligen Typen mit langen weißblonden Haaren begrabscht werden. Sie wird sich in einer Kurve aus dem Auto werfen und verschrammt aber lebendig da auftauchen, wo ihre Schwester Libby jeden Freitag babysittet. Die wird sie klug verarzten, vor ihrer Mutter werden sie Ellens schlimmes Erlebnis und ihre Verletzungen geheim halten.

Die Pubertät hat Teenagerin Libby in diesem Sommer Anfang der 80er fest im Griff. Das macht sie nicht zur sympathischsten aller Erzählerinnen, doch in der Summe zu einer ziemlich glaubwürdigen – gerade wegen ihrer Nickeligkeiten, Vorurteile, wechselnden Gefühle. Sie mag den großen, dunklen, Motorrad fahrenden Wilson McVay nicht, findet ihn verdächtig, bedrohlich, versteht nicht, wie sich ihre Geschwister mit ihm abgeben können. Sie mag Charlotte Adams, Mutter ihrer Freundin Sage – und Sage ist ihre allerallerbeste Freundin, mit ihr hat sie ein verstecktes „Königreich“ im Wald –, aber sie verrät Sage, dass ihr Vater ihre Mutter betrügt. Sie sind dann erstmal keine Freundinnen mehr.

Dafür hat Libby ihren Vater idealisiert, hat verdrängt, dass er gegenüber ihrer Mutter gewalttätig war. Sie merkt selbst, dass sie „klein und verbittert“, manchmal neidisch und missgünstig ist. Und ohnehin von den Fünfen diejenige, die sich die meisten Sorgen macht. Aber sie kann, wie wir alle, nicht raus aus ihrer Haut.

„A Crooked Tree“, ein krummer Baum, heißt der Roman im Original. An einem krummen Baum müssen Libby und Sage abbiegen zu ihrem moosigen „Königreich“. Ein Baummädchen nennt Wilson Libby, weil sie so gern und viel draußen unterwegs ist, am Schuylkill River, in den Wäldern „am Berg“, wo einst George Washington mit 12 000 Soldaten einen Winter verbringen musste. Wo sie hungerten, froren und vielleicht, überlegt Libby, mit dem Gedanken starben, dass sie gerade zum letzten Mal den Himmel sehen.

Zart, unaufgeregt und andeutungsreich erzählt Una Mannion, die selbst mit sieben Geschwistern aufwuchs, diesen Coming-of-Age-Roman. Es ist, als wolle sie ihren Figuren Freiräume und Geheimnisse lassen. Man kann ahnen, dass Libby sich mehr als nur an Wilson gewöhnen wird – aber vorher ist das Buch zu Ende.

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