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Ulrich Peltzer, hier als Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, 2009.
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Ulrich Peltzer, hier als Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, 2009.

Frankfurter Premieren

Ulrich Peltzer über „Das bist du“: Praktisch leben

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Ulrich Peltzer und „Das bist du“ bei den „Frankfurter Premieren“ im Netz.

Zum ersten Mal Blondie hören, Foucault lesen, sich die Haare abschneiden. Nicht immer alles auf eine Theorie zurückführen. Die Gegenwart nicht nur als Beweis dafür nehmen, dass etwas schief läuft. Wenn Ulrich Peltzer über die frühen achtziger Jahre in Westberlin spricht, klingt das zwar nicht nostalgisch, aber es klingt ziemlich reizvoll. Die Freiräume, die „völlig neue Offenheit“ nach den ideologischen Härten der 68er und den kapitalistischen Härten der Wendezeit.

Auch ein Wort wie „versumpfen“ haben wir länger nicht mehr gehört, jedenfalls nicht, wenn es ums Leben und nicht um einen Kneipenabend geht (Kneipenabend: Sie erinnern sich). Besonders gut versumpfte man offenbar in Berlin. „Man kam relativ günstig über die Runden“, so Peltzer.

Es war nicht alles gut, sagt er aber auch und verwahrt sich gegen Nostalgie aller Art. In die Vergangenheit zu gehen, sei nur gut, wenn man dann auch wieder herauswolle in die Gegenwart. Im „Frankfurter Premieren“-Gespräch mit Sonja Vandenrath vom Frankfurter Kulturamt geht es um den Roman „Das bist du“ (S. Fischer, FR v. 27.2.). Dessen offenkundig autobiografischer Gehalt, erklärt er, ändere nichts daran, dass er sich angesichts der langen Zeit dazwischen habe mit dem Material beschäftigen müssen wie mit dem eines anderen Menschen. Sich selbst fremd zu werden – sich in alten Notizen nicht mehr zu erkennen, obwohl man eindeutig der Verfasser ist –, das sei nicht immer angenehm. Wer alt genug wird, erlebt es.

Das Erzähler-Ich im Roman jobbt als Filmvorführer, während es über einen ersten Roman nachdenkt, um am Ende in „Das bist du“ selbst zur Romanfigur geworden zu sein. Ein typischer Peltzer-Dreh. Vandenrath erwähnt das Fahrrad, mit dem die Figur zum Kino fahre. Kein Fahrrad, verbessert Peltzer. Man sei damals eher nicht Fahrrad gefahren, sondern mit einem im Zweifelsfall „defizitären Auto“. „Defizitäre Autos“ sind tatsächlich erstaunlich aus der Mode geraten.

Wie die Bücher und Platten, an denen man einst unter Studierenden beim ersten Besuch – selbstverständlich leibhaftig – einander sofort erkennen konnte. Da half übrigens auch die Umschlaggestaltung der Verlage.

Das Video findet sich weiterhin auf Youtube.

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