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Niña Weijers „Die Konsequenzen“

Über die Kunst zu leben

  • VonCornelia Geissler
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Niña Weijers’ Debütroman „Die Konsequenzen“ erzählt von einer schillernden Frau und einem Spiel mit der eigenen Identität. Muss das nicht Konsequenzen haben?

Normalerweise suchen Mütter die Schreibabysprechstunde auf, weil ihr Kind nicht zur Ruhe kommt und sie mit dem Brüllen in die Verzweiflung treibt. Minnies Mutter aber war besorgt, weil ihr Kind nicht schrie. Was für eine Idee! Als Frau von Ende zwanzig wird Minnie damit konfrontiert, dass sie bis zu ihrem siebten Lebensjahr in einem speziellen Institut betreut wurde. Sie möge sich nun als Erwachsene noch einmal vorstellen. Es geht um „Die Konsequenzen“, wie Niña Weijers’ Debütroman heißt, welche Auswirkungen hat der ungewöhnliche Start für das spätere Leben?

Minnie Panis konnte sich an die Sitzungen der Kindheit nicht erinnern. Der Mann, mit dem sie spricht, ist kein Psychologe, „Medium“ steht auf seiner Visitenkarte. Sie ist inzwischen Künstlerin, die ein Spiel mit ihrer Identität treibt. Sie hatte viel Erfolg mit der Ausstellung des eigenen Mülls und verfolgt nun ein neues Projekt: Sie lässt sich von einem Fotografen durch Amsterdam verfolgen, möchte aber nicht wissen, wann er da ist. Das muss doch Konsequenzen haben.

Das Zitat von Marina Abramovic, das Weijers als Motto voranstellt, sie liebe den Moment, da eine Performance zu leben beginnt, trifft: Das Buch verknüpft Kunst und Leben. Es verführt zu Fragen. Was ist echt, was ist Spiel? Es geht um die internationale Kunstwelt mit ihren Begehrlichkeiten und Überinterpretationen. Hier schreibt die Autorin Szenen, die von großer Kenntnis zeugen; zuweilen verrät Ironie ihre Distanz. Es geht zugleich um eine junge Frau, die sich in einem Wertesystem unterwirft. „Freiheit war etwas für Vögel und Fische“, denkt Minnie, „Menschen machten höchstens Urlaub.“

Niña Weijers erzählt in Zeitschichten, die miteinander verschränkt sind. Dabei nähert sie sich ihrer Hauptfigur in verschiedenen Phasen und zeigt sie in Beziehung zur Mutter (kompliziert), zu flüchtigen Liebsten, zu ihrem Agenten. „Die Künstlerschaft war Minnies Pass, ein Ausweis, der ihr einen Platz in der Welt gab, in der alles legitimiert werden musste.“ Doch Minnie bricht gern ihre selbst auferlegten Regeln. Sie ist eine schillernde Figur in einem klugen Roman über die Kunst zu leben – mit vielen Überraschungen.

Niña Weijers: Die Konsequenzen. Roman. A. d. Niederl. v. Helga von Beuningen. Suhrkamp, Berlin 2016. 360 S., 22 Euro.

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