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Weihnachten wäre nicht vollständig ohne die Geschenketipps aus der FR-Redaktion.

Geschenke-Tipps

Bücher, Filme, Musik: Unsere Geschenketipps fürs Weihnachtsfest

Leider kann die FR-Redaktion nicht bei der Beschaffung eines repräsentativen Weihnachtsbaums behilflich sein, aber immerhin finden sich an dieser Stelle vernünftige Vorschläge für Bücher, Musik und Filme, die auch unter bescheidenen Tannen erfreuen.

Sie wissen noch nicht so recht, was Sie Ihren Lieben unter den Weihnachtsbaum legen sollen? Da können wir helfen - mit den Tipps für Bücher, DVDs und CDs aus der FR-Redaktion.

Geschenke-Tipps von FR-Autor Daniel Kothenschulte

Schwarzer Kater  Der schwarze Kater mit seiner schmerzhaften Liebe zu einer bösen Maus war der coolste Comic-Strip des Jazz-Age, gleichermaßen verehrt von James Joyce, Getrude Stein oder Picasso. Erstmals sind wirklich alle farbigen Seiten von George Herriman in stattlicher Größe versammelt. George Herriman: Krazy Kat. Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944. Hrsg. Alexander Braun, Taschen. 632 S., 150 Euro.

Schwarzweißes Meisterwerk  Noch eine Ikone der zwanziger Jahre, die bis heute elektrisiert: Louise Brooks spielte ihre schillerndste Rolle als Lulu in G. W. Pabsts Wedekind-Verfilmung von 1929. Der späte Stummfilm ist endlich in definitiver Restaurierung und Peer Rabens Filmmusik als limitierte Edition zu haben. Die Büchse der Pandora: 133 Min., dazu umfangreiches Begleitmaterial. Circa 22 Euro.

Die Tipps von Daniel Kothenschulte

Tiefschwarze Hommage  Während Norman Rockwells vielstimmige amerikanische Biedermeier-Gemälde noch bis zum 12. Januar im Bucerius-Kunstforum in Hamburg zu bewundern sind, wird Lana Del Rays tiefschwarze Hommage noch länger klingen. Vielleicht das beste Album der dunklen Diva. Lana Del Rey: Norman Fucking Rockwell! CD. Polydor. Circa 15 Euro.

Schneeweißes Blatt  Bewundert und gewürdigt als Dokumentarfilmer, ist der Lyriker Rainer Komers noch zu entdecken: Beeinflusst von japanischem Minimalismus und von nordamerikanischer Lakonie, fotografiert der 75-Jährige die Welt mit seiner Sprache. Rainer Komers: Worte Fliege Agfa. Ausgewählte Gedichte 1998 – 2018. Edition Offenes Feld, 124 S., 18,99 Euro.

Geschenke-Tipps von FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert

Freier Geist  Eine Biografie über den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, wie es sie noch nicht gegeben hat. Klaus Vieweg entstaubt Leben und Werk und zeigt zum 250. Geburtstag, dass Hegel vor allem eines gewesen ist: Ein Vorkämpfer für freies Denken und freies Leben in restaurativen Zeiten. Sehr aktuell. Klaus Vieweg: Hegel. Der Philosoph der Freiheit. Beck. 824 S., 34 Euro.

Freies Land  Prosa-Debüt eines vielfach ausgezeichneten, 31 Jahre alten Lyrikers. Ocean Vuong, im Baby-Alter als Flüchtling von Vietnam in die USA gelangt, zeichnet in einer dunklen, mit poetischen Bildern aufgeladenen Sprache das Leben eines Einwanderers in ärmlichen Verhältnissen, der sich auch als Schwuler behaupten muss. Sehr aktuell. Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios, Roman. A. d. Engl. v. A.-K. Mittag. Hanser. 270 S., 22 Euro

Die Tipps von Claus-Jürgen Göpfert

Freies Spiel  Ein Album, das zu Unrecht vergessen wurde. Am 24. Juni 1964 hatte der Saxophonist John Coltrane im Studio von Rudy Van Gelder in New Jersey den Soundtrack zu einem Nouvelle Vague-Film aufgenommen. Der Streifen ging unter, Coltranes einzige Filmmusik aber lebt – und vibriert und pulst. Sehr aktuell. John Coltrane: Blue World. Impulse! Records. Circa 15 Euro.

Freier Weg  Intensive sieben Jahrzehnte war Alexander von Humboldt als Forscher, Entdecker, Reisender unterwegs. Er hinterließ ein Textgebirge aus Büchern, Briefen, Notizen . Die Hörbuch-Edition gibt in zehn Stunden und sieben Minuten einen ersten Einblick, Ulrich Noethen ist Humboldts Stimme – auch als Kritiker von Sklaverei. Sehr aktuell. Alexander von Humboldt: Der unbekannte Kosmos. Hrsg. Hans Sarkowicz. Der Hörverlag. 39,99 Euro.

Geschenke-Tipps von FR-Redakteur Thomas Stillbauer

Miezig  Zelda ist eine britische Katze, die aussieht wie keine zweite. Schwer zu sagen, was ihr diesen total verblüfften Gesichtsausdruck verleiht, aber auf Twitter hat dieser Blick sie zum Star gemacht, der kleine philosophische Gedichte reimt: „Am I here/Or am I not/I worked it out/But then forgot.“ Jetzt als Buch. Matt Thagioff: The Adventures of a curious cat, (engl.). Sphere. 192 S., viele Abbildungen, 12,40 Euro.

Poppig  Ihre Ururgroßeltern sanken auf dem Weg in die neue Welt mit der „Titanic“ auf den Grund des Ozeans, aber Mikaela Straus schaffte es in Amerika. Das Debütalbum der Sängerin, die unter dem Namen King Princess zum Star der Queer-Szene emporschoss, ist auch nach Monaten noch frisch und aufregend. King Princess: Cheap Queen. CD. Sony Music. Circa 13 Euro.

Die Tipps von Thomas Stillbauer


Fetzig  Das konnte nicht schiefgehen. Lars Eidinger und Bjarne Mädel zusammen in einem Film: zwei Stunden Vergnügen garantiert. Wie die Brüder auf den Mofas ihrer Jugend durch ihre Lebensgeschichte ötteln, Abenteuer bestehen, zueinander finden, das ist lustig und sensibel. Eine DVD zum Immerwiedersehen. 25 km/h. Spielfilm. DVD. 116 Minuten. Circa 8 Euro.

Rührig  Diese Geschichte ist natürlich nicht von 2019, mehr so von 1952, aber jetzt gibt es sie als wundervoll illustriertes Insel-Büchlein: Wie Miss Prothero die Feuerwehrleute fragt: „Hätten Sie gern etwas zu lesen?“ Und die herrlich unnützen Weihnachtsgeschenke – eine Quietsche-Ente, die „ein miauendes Muh“ von sich gibt. Frohes Fest! Dylan Thomas: Weihnachten in meiner Kindheit, ill. von Peter Bailey. A. d. Engl. v. Eike Schönfeld. Insel-Bücherei, 79 S., 14 Euro.

Geschenke-Tipps von FR-Redakteurin Sylvia Staude

Adieu, Leonard  Hör dem Kolibri zu, höre nicht mir zu“: Ausnahmsweise muss man Leonard Cohen da widersprechen. Sohn Adam hat seine zuletzt eingesprochenen Texte behutsam vertont, es ist ein kleines, großes posthumes Album daraus geworden. Man hört dem Sänger und Lyriker zu, wie er Abschied nimmt – er ist dabei unvergleichlich. Leonard Cohen. Thanks For the Dance. Sony Music. Circa 13 Euro.

Spiel weiter, Joe  Lieder, die von Dunkelheit, von Hoffnung und vom Weiterleben erzählen, schrieb der Singer-Songwriter Joe Henry nach einer Krebsdiagnose. Es sind stille Lieder, dennoch kraftvolle, Joe Henrys Stimme wirkt, als säße er einem just gegenüber. Die Seite zum Album hat er joehenrylovesyoumadly genannt. Eine unwiderstehliche Einladung. Joe Henry: The Gospel According to Water. Ear Music. Circa 15 Euro.

Die Tipps von Sylvia Staude


Aufschlag John  Mit Stil und Eleganz, aber auch augenzwinkernder Lässigkeit lässt John le Carré hier die Bälle fliegen. Zahlreiche Personen sind im Spiel, lange weiß man nicht, wer besser taktiert, spioniert, möglicherweise ein Doppelagent ist, eine Falle stellt. Ein kluger politischer Roman in unübersichtlicher Zeit. John le Carré: Federball. Roman. A. d. Engl. von Peter Torberg. Ullstein. 350 S., 24 Euro.

Vorteil Louise  „Für Leserinnen von Fred Vargas“ könnte auf dem Cover von Louise-Penny-Krimis stehen – aber Vergleiche hat die Kanadierin eigentlich nicht nötig. Die Schar, die sie um Chief Superintendent Gamache versammelt hat, begibt sich ins Herz der Finsternis, hat aber durchaus auch Zeit für eine heiße Suppe im kalten kanadischen Winter. Louise Penny:  Auf einem einsamen Weg. Roman. A. d. Engl. von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Kampa. 476 S., 16,90 Euro.

Geschenke-Tipps von FR-Autor Stephan Hebel

Aufgeklärt  „Das ist es, was uns im höchsten Sinn menschlich macht: die Achtung vor unserem Nebenmenschen“, schreibt Ferdinand von Schirach. In dieser ungewöhnlichen Sammlung kurzer und kürzester Texte zeigt er, dass einen nicht zuletzt der aufgeklärte Blick auf das eigene Leben Empathie lehren kann. Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten. Luchterhand. 192 S., 20 Euro.

Aufgedeckt  Der neunte Fall des Detektivs Dengler liegt jetzt als Taschenbuch vor. Einerseits unterhaltsam und spannend, andererseits fast ein Lehrbuch für alle, die verstehen wollen, was es mit der Finanzkrise, der „Rettung“ Griechenlands und den historischen Zusammenhängen auf sich hat. Polit-Krimi im besten Sinn des Wortes. Wolfgang Schorlau: Der große Plan. Kiepenheuer & Witsch. 448 S., 11 Euro.

Die Tipps von Stephan Hebel

Aufgemischt  Charlotte Wiedemann erzählt mit all ihrer Welterfahrung, was es bedeuten kann, wenn die Vorherrschaft einer Ethnie und Kultur zuende geht und gemischte Gesellschaften entstehen. Sie tut das mit einem Optimismus, der dem düsteren Gerede von „Umvolkung“ mühelos den Boden entzieht. Charlotte Wiedemann: Der lange Abschied von der weißen Dominanz. dtv. 288 S., 18 Euro.

Aufgebaut  Wer jetzt schon beim Optimismus ist, kann sich von der neuen Einspielung des Weihnachtsoratoriums endgültig aufbauen lassen. Mit einer exakten Intonation, die das Jauchzen und Frohlocken erst recht zum emotionalen Erlebnis macht, lassen uns die Thomaner unter Gotthold Schwarz Bachs großes Werk noch einmal neu erfahren. Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium. Accentus. 24,95 Euro.

Geschenke-Tipps von FR-Redakteurin Judith von Sternburg

Unten und oben  Wer unterm Baum auf soziale Themen kommen möchte, liegt mit „Schäfchen im Trockenen“ richtig. Es kann allerdings Freundschaften zerstören. Beim Lesen wird sich nämlich jede Person zwischen 15 und 65 die Frage stellen: Wo und wer bin ich hier? Zwölfjährige auch schon. 80-Jährige auch noch. Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen. Roman. Verbrecher. 300 S., 22 Euro.

Unten und in der Mitte  Wer im Februar Komplimente für sein 1-A-Buchgeschenk erhalten möchte, greift zu „Wie später ihre Kinder“, einem Roman, der krass in unserer Zeit spielt (unter Teenies in einer Mistgegend in Lothringen), aber dazu einen Zug ins Große, Epische hat. Sensationelle Sexszenen gibt es auch. Nicolas Matthieu: Wie später ihre Kinder. Roman. A. d. Franz. v. Lena Müller und André Hansen. Hanser Berlin. 448 S., 24 Euro.

Die Tipps von Judith von Sternburg

Drunter und drüber  Wer Menschen kennt, die ruhig und unruhig, fidel und nachdenklich zugleich sind, wählt für sie das herrliche letzte Buch von Brigitte Kronauer. In diesen „Romangeschichten“ scheitert ein Roman, der „Glamouröse Handlungen“ heißen sollte. Aber man wird das Gefühl nicht los: Hier sind sie doch.  Brigitte Kronauer: Das Schöne, Schäbige, Schwankende. Romangeschichten. Klett-Cotta. 596 S., 25 Euro.

Sehr hoch und sehr tief  Wer lieber andere singen lässt, packt die CD von Cecilia Bartoli direkt aus, kichert übers lustige Titelbild und hört sich dann die exquisite Song-Auswahl auf „Farinelli“ an. Dem großen Kastraten scheint die Sängerin in Tonumfang, Durchschlagskraft und stupender Technik nicht nachzustehen. Cecilia Bartoli: Farinelli. Decca. Circa 19 Euro.

Geschenke-Tipps von FR-Redakteur Christian Thomas

Vielgesichtig  Zeitlebens ein Augenzeuge seiner selbst, dieser Rembrandt. Wie er sich selbst sah, vor allem in den „autonomen“ Selbstporträts, führt diese Veröffentlichung prachtvoll vor Augen, Selfie für Selfie. So war er Bettler, König, Edelmann - der Mann mit den vielen Gesichtern. Rembrandt: Die Selbstporträts. Hg. v. Volker Manuth u. Marieke de Winkel. Taschen. 178 S., 50 Euro.

Vielstimmig  Soul entspringt einem unruhigen Herzen, erst recht aber gibt die arme Seele des Bluessängers keine Ruh. Das macht den Blues so vielstimmig. In der Reihe der viel zu vielen Alben Van Morrisons der letzten Jahre jetzt ein ganz großes, wie zum Zeichen einer wundersamer Van-the-Manna-Vermehrung. Van Morrison: Three Chords and the Truth. Caroline/Universal. Circa 13 Euro.

Die Tipps von Christian Thomas

Vielsagend  Ob Weihnachten auch ein Fest der Wahrheitsfindung sein darf, hängt davon ab, ob man sich auf dieses nachgelassene Werk des Philosophen Hans Blumenberg (1920-1996) einlässt, darunter den Gedanken: „Das Altertum ist gnädig mit uns, weil es die Streitigkeiten von Meinungen für uns absolviert hat.“ Keine Wahrheit, erst recht keine nackte, die nicht vielsagend wäre. Hans Blumenberg: Die nackte Wahrheit. Suhrkamp. 200 S., 20 Euro.

Vielschichtig  Das Beethoven-Jahr, auf das nächste terminiert, hat Igor Levit bereits eingeläutet mit seiner Einspielung sämtlicher 32 Klaviersonaten. So viele Gesamtaufnahmen gibt es ja nicht - hier eine weitere Großtat an Eigenwilligkeit und ungemeiner Vielschichtigkeit. Neun CDs zum Fest. Wer an jedem Tag eine abspielt, beschenkt sich mit einem Jahresausklang, an den man sich nicht nur im nächsten Jahr erinnern wird. Igor Levit: Beethoven – Sämtliche Klaviersonaten. Sony Classical. 9 CDs. Circa 60 Euro.

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